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Rund um den deutschen Tesla-Standort fährt offenbar kaum jemand die Autos

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Von: Julian Baumann

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Zwei Tesla-Modelle stehen vor der Niederlassung im Berliner Stadtteil Reinickendorf.
Die Tesla-Dichte in Berlin-Brandenburg ist seit der Eröffnung der „Giga Berlin“ nur geringfügig angestiegen und liegt im Kreis Oder-Spree, wo sich die Fabrik befindet, nur beim Bundesdurchschnitt. © IMAGO/Jürgen Ritter

US-Autobauer Tesla produziert seit März in Deutschland. Am Standort in Brandenburg sind die E-Auto-Modelle auf den Straßen aber nur eine Randerscheinung.

Stuttgart/Grünheide - In Deutschland, dem Ursprungsland des Automobilbaus, prägt die Branche seit Jahrzehnten nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Stadtbilder. Mercedes-Benz und Porsche betreiben an ihrem Hauptsitz in Stuttgart eigene, sehr beliebte Museen. Die Stadt Wolfsburg wurde um das Volkswagen-Stammwerk errichtet und die BMW-Welt ist die meistbesuchte Touristenattraktion Bayerns. Seit Ende März produziert auch US-Autobauer Tesla in Deutschland und liefert die Model Y „made in Germany“ von der „Giga Berlin“ im brandenburgischen Grünheide aus. Im Gegensatz zu den deutschen Traditionskonzernen scheint der Standort für den E-Auto-Primus aber keine große Rolle zu spielen.

Als Tesla die „Giga Berlin“ in Grünheide offiziell eröffnete und die ersten Model Y an die Kunden auslieferte, waren auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und natürlich Tesla-Chef Elon Musk persönlich vor Ort. Von einer stillen und heimlichen Eröffnung kann also nicht die Rede sein, seitdem macht das US-Unternehmen für die Modelle „made in Germany“ aber wenig Werbung. Wie der Tagesspiegel berichtet, war der Tesla-Anteil in Berlin-Brandenburg nur wenig höher als in anderen Regionen Deutschlands und lag in umliegenden Regionen sogar noch deutlich darunter.

Tesla-Neuzulassungen in Berlin-Brandenburg: Nur geringer Anstieg seit Eröffnung der „Giga Berlin“

Eigentlich sollte man meinen, dass nach der Eröffnung einer riesigen Autofabrik in dem jeweiligen Gebiet der Anteil an Fahrzeugen der Marke deutlich ansteigt. Im Falle der Stuttgarter Traditionsunternehmen Mercedes-Benz und Porsche steigt der Anteil allein schon deshalb, weil die Mitarbeiter in den oberen Ebenen Geschäftswagen der Marken erhalten und die in den unteren zumindest Rabatte beim Kauf. Im Falle von Tesla macht das Unternehmen aber noch nicht mal am Standort selbst wirkliche Werbung für das Model Y, die Niederlassung in Schönfelde ist beispielsweise nicht ausgeschildert.

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Durch den Missbrauch der E-Auto-Prämie ist fast jedes vierte Tesla-Modell bereits wieder von den deutschen Straßen verschwunden, insgesamt ist der Anteil an Tesla-Modellen in den Städten dennoch gestiegen. In Berlin und Brandenburg war der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr aber kaum bemerkbar. Dem Tagesspiegel zufolge lag der Tesla-Anteil in Berlin im Jahr 2021, also vor der Eröffnung der „Giga Berlin“, bei 2,2 Prozent. Von Januar bis Ende August 2022 seien in der Bundeshauptstadt 1.003 Teslas zugelassen worden, was einem Anteil von 2,6 Prozent entspricht. Im Landkreis Oder-Spree, in dem sich auch die Tesla-Fabrik befindet, lag der Anteil im selben Zeitraum sogar nur bei 1,5 Prozent, was dem Bundesdurchschnitt entspricht.

Tesla und die Region Berlin-Brandenburg: Experte erwartet engere Beziehung in der Zukunft

Wie gering die Tesla-Dichte ausgerechnet am deutschen Standort des US-Autobauers ist, zeigt ein direkter Vergleich. Im gesamten Landkreis Oder-Spree wurden demnach zwischen Januar und Ende August 2022 nur 62 Tesla-Modelle neu zugelassen. Im gleichen Zeitraum waren es in Stuttgart, der Heimat von Mercedes-Benz, 150 neu zugelassene Tesla-Modelle und knapp 6.000 neu zugelassene Modelle mit Stern. Bei VW in Wolfsburg und BMW in München sehe es ähnlich aus, sagte Alfred Paul vom Center Automotive Research (CAR) in Duisburg laut dem Tagesspiegel.

Die deutschen Hersteller sind seit vielen Jahrzehnten in den jeweiligen Städten ansässig und haben auch langjährige Beziehungen gebildet. Mercedes-Benz, beziehungsweise die Mobility-Sparte Mercedes-Benz Bank, ist beispielsweise Hauptsponsor des VfB Stuttgart und BMW sponsert das Tennisturnier „BMW Open“. Tesla hat solche Ambitionen bislang nicht, ist allerdings auch erst seit wenigen Monaten in Deutschland ansässig. Alfred Paul geht aber davon aus, dass die Beziehungen zwischen dem Autobauer und der Region Berlin-Brandenburg bald enger werden wird. „Im Laufe der Zeit wird sich das ändern“, sagte er.

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