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Elon Musk packt vor Gericht über schwere Tesla-Phase aus: „Sie dachten, Elektrofahrzeuge sind ein Witz“

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Von: Julian Baumann

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Elon Musk, Tesla-Chef, nimmt an der Eröffnung der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg teil.
Tesla- und Twitter-Chef Elon Musk sprach vor Gericht von einer schweren Zeit beim E-Autobauer und ließ auch Pläne für seine Nachfolge bei den beiden Unternehmen durchscheinen. © Patrick Pleul/dpa

Inmitten des Twitter-Trubels muss Elon Musk vor Gericht auch noch seine gigantische Vergütung verteidigen. Dabei packte der Tesla-Chef über eine schwierige Zeit beim E-Autobauer aus und ließ auch Nachfolgepläne für die Twitter- und die Tesla-Leitung durchscheinen.

Stuttgart/Delaware - Elon Musk hatte erst vor wenigen Wochen Twitter für 44 Milliarden US-Dollar übernommen und krempelt den wirtschaftlich angeschlagenen Kurznachrichtendienst vollständig um. Im Zuge der Neuausrichtung reißt die Kritik am Vorgehen des Multimilliardärs nicht ab und Musk hat offenbar alle Hände voll damit zu tun, seine Vorstellungen auf seinem eigenen Twitter-Kanal zu verteidigen. Zudem musste sich der Unternehmer, in seiner Funktion als Chef des E-Autobauers Tesla, am Mittwoch, 16. November, in Delaware (Ohio) wegen seines gigantischen Vergütungspakets über 56 Milliarden US-Dollar verantworten.

Bei diesem Termin vor Gericht, bei dem der Tesla-Chef und auch andere Führungskräfte des Autoherstellers als Zeugen geladen waren, kamen mitunter interessante Details zur Vergangenheit, und zur Zukunft des Unternehmens mit Hauptsitz in Austin (Texas) ans Licht. Unter anderem erklärte der reichste Mensch der Welt, laut einem Bericht des Manager Magazins, vor Gericht, dass Tesla zum Zeitpunkt der Vereinbarung des Vergütungspakets nahezu keine Erfolgsaussichten gehabt habe. Der Tech-Unternehmer hatte bereits zuvor in einem Interview über die schwierige Anfangszeit des heutigen Branchenprimus gesprochen und zugegeben, dass Mercedes-Benz Tesla damals gerettet habe.

Elon Musk über schwere Tesla-Phase: „Wahrscheinlichkeit eines Überlebens war extrem niedrig“

Das im Vergleich zu Traditionskonzernen wie Mercedes-Benz oder auch General Motors noch vergleichsweise junge Unternehmen Tesla wurde mit dem Ziel gegründet, die E-Mobilität für jedermann erschwinglich zu machen. Inzwischen gelten E-Autos - trotz anhaltender Kritik - weltweit als Zukunft der Mobilität, vor einigen Jahren wurde Tesla aufgrund der Ausrichtung aber noch belächelt. „Sie dachten, Elektrofahrzeuge sind ein Witz“, sagte der Tesla-Boss vor Gericht. Als das Aktienpaket mit dem heutigen Wert von 50 Milliarden US-Dollar für Elon Musk damals beschlossen wurde, hätten die Aktionäre gedacht, „dass wir scheitern und bankrott gehen werden“.

In der Verhandlung in Delaware ging es um eine im Jahr 2018 von Tesla-Aktionär Richard Tornetta eingereichte Klage gegen die Milliarden-Vergütung des CEO. Dieser wirft Musk dem Manager Magazin zufolge vor, seine Macht ausgenutzt und den Bonusplan selbst bestimmt zu haben. Musk erklärte vor Gericht allerdings, dass er zu diesem Zeitpunkt schlicht das Überleben seines Unternehmens im Sinn hatte und die Konditionen keines Wegs diktiert habe. „Wir waren damals in einer ziemlich harten Lage, wir verloren viel Geld“, führte er aus. „Die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens war extrem niedrig.“

Nachdem das junge Unternehmen Tesla zu Beginn noch elektrische Antriebsstränge unter anderem für die Mercedes-Tochter Smart entwickelt hatte, schaffte der Autobauer mit dem immensen Erfolg des Tesla Model 3 den internationalen Durchbruch. Von dem Kläger hieß es im Prozess in Delaware, dass Musk bei Tesla von Anfang an nur ein Teilzeitchef gewesen sei, da er nebenbei auch das Weltraumunternehmen SpaceX und weitere kleinere Unternehmen leitete. Demnach seien die Ziele als Voraussetzungen für das gigantische Vergütungspaket für den Unternehmer leicht zu erreichen gewesen. Musks Verteidiger hatten aber erklärt, dass die Konditionen von externen Beratern und Großaktionären erarbeitet worden seien.

Elon Musk denkt über Nachfolger bei Tesla und Twitter nach: „Bin mehr ein Ingenieur“

Inzwischen ist Elon Musk nicht mehr nur der Chef von Tesla, SpaceX und mehreren kleineren Firmen, sondern verantwortet auch Twitter. Das wächst dem Tech-Milliardär offenbar zunehmend über den Kopf. Elon Musk sagte, er arbeite „sieben Tage die Woche, von morgens bis Abends“ und gab zu, mit der Neuausrichtung von Twitter überlastet zu sein. Vor Gericht erklärte er allerdings, dass früher oder später wohl jemand anderes Twitter leiten werde. „Nach der Übernahme muss es zunächst einen Sturm der Aktivität geben, um das Unternehmen zu reorganisieren“, sagte der Milliardär. „Aber ich erwarte, danach meine Zeit bei Twitter zu reduzieren.“

Offenbar will der umstrittene Visionär aber nicht nur bei Twitter kürzertreten. Wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) aktuell berichtet, denkt er zudem auch über einen neuen Chef bei Tesla nach. James Murdoch, Mitglied des Tesla-Verwaltungsrats, hatte vor Gericht ausgesagt, dass Musk in den vergangenen Monaten bereits eine Person für die Nachfolge als CEO identifiziert habe. Um wen es sich dabei handelt, sagte Murdoch nicht. „Unternehmenschef wird oft als eine auf das Business fokussierte Rolle gesehen“, erklärte auch Musk selbst in dem Prozess am Mittwoch. „Aber in Wirklichkeit bin ich mehr ein Ingenieur, der Technologie entwickelt.“

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