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„Das ist nicht witzig“: Ungleiche Löhne sorgen in der Tesla-Fabrik bei Berlin für großen Ärger

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Von: Julian Baumann

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Arbeiter warten am frühen Morgen an einem Eingang zur Baustelle für die Tesla-Autofabrik.
Im Tesla-Werk bei Berlin werden neue Mitarbeiter offenbar besser bezahlt, als diejenigen, die bereits länger angestellt sind (Symbolbild). © Patrick Pleul/dpa

In der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin werden neue Mitarbeiter offenbar besser bezahlt, als die, die bereits länger angestellt sind. Das führt zu Unmut.

Stuttgart/Grünheide - Seit Ende März produziert das US-Unternehmen Tesla die inzwischen weltweit beliebten E-Autos auch in Deutschland. In der „Giga Berlin“ im brandenburgischen Grünheide werden die Model Y für den europäischen Markt gefertigt. Tesla-Boss Elon Musk kündigte vor einigen Tagen in einer internen Mail zwar einen drastischen Abbau der weltweiten Belegschaft an, in Grünheide ist das Unternehmen aber weiterhin auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften.

Bereits vor der Eröffnung der Giga Berlin von Tesla sagte der Chef der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), dass die Bezahlung beim E-Autobauer für die Region einen „Kracher“ bedeuten werde. „Tesla zahlt deutlich besser, als es ortsüblich ist, und wird sich am Gehaltstarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie orientieren“, erklärte Jochem Freyer im November 2020 dem Handelsblatt. Die Gehälter bei Tesla in Deutschland überzeugen allerdings nicht alle Mitarbeiter. Aktuell steigt bei der Belegschaft in Grünheide der Unmut, da neu angestellte Mitarbeiter offenbar deutlich besser bezahlt werden, als diejenigen, die schon länger bei Tesla angestellt sind.

Tesla: Fachkräftemangel treibt laut Gewerkschafterin Löhne für Neuanwerbungen nach oben

Die Giga Berlin in Grünheide ist nach der Gigafactory in Shanghai das zweite große Produktionswerk von Tesla außerhalb der Vereinigten Staaten. Das Werk ist auf eine jährliche Produktionskapazität von 500.000 E-Autos ausgelegt und soll in der finalen Ausbaustufe rund 12.000 Menschen in verschiedenen Positionen beschäftigen. Derzeit seien allerdings erst rund 4.500 bis 5.000 Mitarbeiter in Grünheide angestellt, erklärte Gewerkschafterin Birgit Dietze im Interview mit dem Spiegel. „Bis zu 12.000 ist es noch eine Wegstrecke, und Tesla sucht in einer Region, in der Fachkräftemangel herrscht“, so Dietze. „Das bekommt auch Tesla zu spüren.“

Aus der Tesla-Belegschaft bekomme die Gewerkschaft zunehmend Rückmeldungen darüber, dass die Rekrutierung von Fachkräften deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückbleibe. Das erhöhe zum einen den Druck der vorhandenen Belegschaft und sorge zum anderen auch dafür, dass die Gehälter und Arbeitsbedingungen bei Neuanwerbungen nachgebessert werden. „Also werden Neueingestellte besser bezahlt als Mitarbeiter, die schon länger da sind – und das passiert gerade bei Tesla“, führte Birgit Dietze aus. „Das ist nicht witzig, wenn andere bei gleicher Arbeit und Qualifikation plötzlich mehr verdienen als man selbst.“

Gigafabrik bei Berlin: „Wir hören, dass immer öfter Leute Tesla wieder verlassen“

Dass Tesla-Boss Elon Musk kürzlich in einer internen Mail Mitarbeitern mit einer Entlassung gedroht hatte, sollten sie weiter im Homeoffice bleiben, verschärfte die Stimmung in Grünheide noch zusätzlich. „Das ist weder bei den Beschäftigten in den Hallen gut angekommen noch bei Ingenieuren oder Managern“, erklärte Birgit Dietze dem Spiegel. „Wir hören, dass immer öfter Leute Tesla wieder verlassen und zum Teil zu ihren alten Arbeitgebern zurückgehen.“ Auch ein ehemaliger Mercedes-Ingenieur wechselte zu Tesla, arbeitete dort aber keinen einzigen Tag. Tesla sei zwar dafür bekannt, im Gegensatz zu alteingesessenen Traditionskonzernen deutlich flexibler zu sein, eine gerechte Behandlung sei den Mitarbeitern aber ebenso wichtig, erklärte die Gewerkschafterin.

Während die Mitarbeiter bei deutschen Autoherstellern wie beispielsweise Mercedes-Benz oder Porsche nach dem Tarifvertrag der IG Metall bezahlt werden, gibt es eine solche Regelung bei Tesla derzeit nicht. Deshalb kann Tesla offenbar auch die Gehälter bei Neueinstellungen nach oben schrauben, während die Löhne anderer Mitarbeiter gleich bleiben. „Es geht um Leistung und Gegenleistung, und da wird das Zähneknirschen bei Tesla gerade etwas lauter“, so Dietze.

Zwischen der Tesla-Geschäftsführung in Grünheide und dem Betriebsrat gibt es laut der Gewerkschafterin bereits in verschiedenen Punkten Gespräche. Die Frage nach unterschiedlichen Löhnen sei allerdings eine echte Herausforderung, die durch die derzeitige Inflation und einer anstehenden Erhöhung aus der Tarifrunde der Gewerkschaft noch verschärft werde, so Dietze. „Da ist so ein Druck drauf, dass Musk gar nichts anderes übrig bleiben wird, als die Gehälter bald kräftig anzuheben.“

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