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Unzureichender Schutz vor schädlichem Staub: Bericht deckt gravierende Mängel an deutscher Tesla-Fabrik auf 

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Von: Julian Baumann

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An einer riesigen Plane an einem Baugerüst steht «Giga» am neuen Werk der Tesla-Fabrik Berlin Brandenburg.
Beim Bau und der Inbetriebnahme der Tesla-Fabrik in Brandenburg wurde der Arbeitsschutz offenbar nicht so ernst genommen, wie ein Bericht des Gesundheitsministeriums zeigt. © Patrick Pleul/dpa

Immer wieder Ärger in Grünheide: Laut einem Bericht des Gesundheitsministeriums Brandenburg schützt Tesla seine Mitarbeiter in der „Giga Berlin“ nicht ausreichend vor schädlichem Staub.

Stuttgart/Grünheide - Ende März hat US-Autobauer Tesla in Grünheide bei Berlin eine riesige Autofabrik für seine E-Auto-Modelle eröffnet. Das erste europäische Tesla-Werk hatte zu Beginn mit erheblichen Problemen zu kämpfen, Tesla-Chef Elon Musk nannte die „Giga Berlin“ in einem internen Interview einen „riesigen Geldverbrennungsofen“. Inzwischen ist das deutsche Werk des E-Auto-Branchenprimus aber profitabel und Tesla hat bereits mit der Rodung weiterer Waldflächen für einen Erweiterungsbau begonnen. Die Probleme in Grünheide reißen dennoch nicht ab.

Erst Ende September wurde bekannt, dass das deutsche Tesla-Werk auch ein halbes Jahr nach der Eröffnung nicht über eine Brandmeldeanlage verfügt. Stattdessen patrouillieren Mitarbeiter auf dem riesigen Gelände südöstlich der deutschen Bundeshauptstadt. Ein jetzt vorgelegter Bericht des Gesundheitsministeriums des Landes Brandenburg deckte weitere Mängel beim Arbeitsschutz in der Tesla-Fabrik in Grünheide auf.

Tesla-Fabrik in Grünheide: Mitarbeiter sehen unzureichenden Arbeitsschutz als „normal“ an

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in Bezug auf den Bericht des brandenburgischen Gesundheitsministeriums berichtet, wurden die Mängel bei einer Überprüfung zum Arbeitsschutz in der deutschen Tesla-Fabrik aufgedeckt. Demnach hätten Mitarbeiter des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) bei Kontrollen mehrfach festgestellt, dass sowohl im Innen- als auch im Außenbereich der E-Autofabrik ohne entsprechende Staubschutzmaßnahmen gearbeitet wurde. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass sich der nun vorgelegte Bericht auf das Jahr 2021 bezieht. Die aufgedeckten Mängel wurden demnach festgestellt, als sich die Tesla-Fabrik in Grünheide noch im Bau befand. Erst kürzlich hatten Bauarbeiter der Tesla-Fabrik in Texas über extreme Arbeitsbedingungen geklagt.

Beim Bau der „Giga Texas“ am Hauptstadtort des Autobauers in Austin hätte das Team beispielsweise nachts ohne Licht auf dem Dach arbeiten müssen und an rauchenden Turbinen ohne Schutzmaske. Auch bei der nur wenige Wochen vor der US-Fabrik eröffneten „Giga Berlin“ seien Schutzmaßnahmen wie staubarme Arbeitsverfahren sowie der Einsatz spezieller Entstauber anstelle von Baustaubsaugern bei der Beseitigung nicht ausreichend bekannt gewesen, heißt es in dem Bericht des Gesundheitsministeriums. Im Gegensatz zu den amerikanischen Bauarbeitern, die am 15. November Klage eingereicht hatten, bezeichneten die Arbeiter am deutschen Standort die Umstände als „normal“, wie der dpa zufolge Befragungen ergaben.

Tesla: Arbeitsschutzmaßnahmen waren Arbeitern laut Bericht bekannt aber nicht vertraut

Dass die Bedingungen in der deutschen Tesla-Fabrik beziehungsweise auf der Baustelle der Anlage alles andere als „normal“ sein sollten, geht aus dem Bericht deutlich hervor. Demnach entsteht bei der Arbeit mineralischer Staub mit unterschiedlichen Quarzgehalten der beim Einatmen zu Tuberkulose oder im schlimmsten Fall zu Lungenkrebs führen kann. Zur Vermeidung müssten zum Absaugen des entstandenen Staubs spezielle Entstauber verwendet werden. Eben solche Vorschriften seien den oftmals aus dem Ausland stammenden Arbeitern nicht vertraut gewesen, da in ihren Heimatländern in Sachen Arbeitsschutz andere Vorgehen an der Tagesordnung seien.

Der dpa zufolge kommt der Bericht des brandenburgischen Gesundheitsministeriums zu dem Schluss, dass die Mitarbeiter von Tesla zwar in die klar geregelten Arbeitsschutzmaßnahmen eingewiesen worden seien, diese aber aus Unwissen in vielen Fällen nicht umgesetzt wurden. Ende 2021 waren in der Tesla-Fabrik in Grünheide rund 800 Mitarbeiter mit dem Betrieb oder der Vorbereitung auf den Betrieb beschäftigt. Inzwischen sind am deutschen Standort des US-Unternehmens rund 7.000 Menschen angestellt, diese Zahl soll bei der finalen Ausbaustufe der Gigafactory auf 12.000 anwachsen.

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