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„Werde in dieser Fabrik sterben“: Bauarbeiter in Tesla-Fabrik klagen über extreme Arbeitsbedingungen

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Von: Julian Baumann

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Arbeiter warten am frühen Morgen an einem Eingang zur Baustelle für die Tesla-Autofabrik.
Beim Bau der „Giga Texas“ von Tesla litten Bauarbeiter einem Bericht zufolge an „unmenschlichen“ Zuständen (Symbolbild). © Patrick Pleul/dpa

Bauarbeiter der Tesla-Fabrik in Texas haben sich mit einer Beschwerde an das Arbeitsministerium gewandt. Sie klagen über extreme Arbeitsbedingungen und ausbleibende Löhne.

Stuttgart/Austin - US-Autobauer Tesla hat in diesem Jahr bereits zwei große Produktionswerke eröffnet. Im März feierte die „Giga Berlin“ in Grünheide (Brandenburg) die Auslieferung der ersten Modelle „made in Germany“, nur wenige Wochen später eröffnete der E-Autoprimus am Hauptsitz in Austin (Texas) eine weitere Gigafabrik mit der „vielleicht größten Party der Welt“. Während an der Giga Berlin derzeit bereits mit Vorbereitungen für eine Erweiterung begonnen wurde, dauern die Bauarbeiten am „Herzstück von Tesla“, wie Konzernchef Elon Musk die Fabrik in Austin nannte, weiter an.

Während sich die Fußballwelt derzeit über die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen im Gastgeberland der Weltmeisterschaft 2022 echauffiert und vielerorts ein Boykott des Wettbewerbs in Katar gefordert wird, haben offenbar auch Arbeiter in Texas mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, reichten Bauarbeiter der Tesla-Gigafactory in Austin Beschwerde beim zuständigen Arbeitsministerium ein. Auch in der Tesla-Fabrik in Shanghai sollen die Arbeitsbedingungen schwierig sein. Während eines Corona-Lockdowns mussten die Mitarbeiter auf dem Boden der Fabrik übernachten, um die Produktion aufrechterhalten zu können.

Tesla-Fabrik in Texas: Bauarbeiter prangern „unmenschliche“ Zustände beim Bau der Anlage an

Laut dem Bericht des Guardian soll es sich bei den Beschwerdeführern nicht direkt um Tesla-Mitarbeiter handeln, sondern um Angestellte von Fremdfirmen, die beim Bau und Ausbau der Tesla-Fabrik in Austin beschäftigt sind. Ein Angestellter, der laut der britischen Zeitung Victor heißt, hatte am Dienstag, 15. November, Beschwerde eingelegt, da Tesla offenbar Abschlusszertifikate für vorgeschriebene Schulungen gefälscht haben soll, die laut seiner Aussage niemals stattgefunden hätten. Zudem klagte der Bauarbeiter über „unmenschliche“ Zustände während der Arbeit. Beispielsweise habe sein Team nachts ohne Licht auf dem Dach der Fabrik arbeiten müssen und auf rauchenden Turbinen ohne Schutzmasken.

Der Bauarbeiter Victor schilderte zudem einen Vorfall, bei dem sich einer seiner Arbeitskollegen bei der Arbeit in der Tesla-Fabrik in Texas einen Arm gebrochen habe und wegen Geldmangels mit gebrochenem Arm auf die Baustelle zurückgekehrt sei. „Ich werde in dieser Fabrik sterben“, soll Victor laut dem Guardian seiner Frau gesagt haben. Andere „Whistleblower“, deren Namen nicht bekannt sind, hätten sich wegen ausbleibender Lohnzahlungen und nicht angemessenen Vergütungen von Überstunden beschwert. Auch in der „Giga Berlin“ von Tesla sorgten ungleiche Löhne für großen Ärger. Neue Mitarbeiter wurden offenbar besser bezahlt als die, die schon länger beim E-Autobauer angestellt sind.

Tesla: Ehemalige Mitarbeiter klagten bereits über rassistische Äußerungen

Dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter auf den Baustellen der Gigafabriken von Tesla nicht einfach waren, sollte eigentlich nicht verwundern. Der US-Autohersteller hat die riesige Produktionsanlage in Grünheide, und auch die in Austin, in Rekordzeit errichtet und plant mit weiteren Ausbauten. „Tesla war nicht – oder schien nicht – daran interessiert, seine Macht zu nutzen, um sicherzustellen, dass jeder am Ende des Tages ohne Verletzungen nach Hause gehen kann, mit all dem Geld in der Tasche, das ihm zusteht“, sagte Hannah Alexander, eine Anwältin des Workers Defense Project, einer Organisation, die die Arbeiter unterstützt.

Schon zuvor war der E-Autobauer Tesla immer wieder mit fatalen Anschuldigungen konfrontiert worden. Eine ehemalige Mitarbeiterin des Unternehmens hatte von rassistischen Äußerungen gegen ihre Person in der ältesten Tesla-Fabrik in Fremont berichtet. „Wir wurden in die übelsten Abteilungen von Tesla gesteckt, um dort zu arbeiten – kaltes, feuchtes Klima. Die schlimmsten Orte, die man sich vorstellen kann“, sagte sie im ARD. Als Afroamerikanerin sei sie als „Hure“ und „Affe“ beschimpft worden. Aktuell leidet das Image von Tesla auch unter den Twitter-Eskapaden von Konzernchef Elon Musk. Der neue Eigentümer des Kurznachrichtendienstes hatte während der Midterms in den USA zur Wahl der Republikaner aufgerufen.

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