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Tesla-Autopilot im Test: Wer sich nicht an Regeln hält, fliegt raus

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Von: Julian Baumann

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Auf dem Lenkrad des Elektroautos Model 3 von Tesla in einem Ausstellungsraum ist das Logo zu sehen.
Tesla testet aktuell den Autopiloten in einer Beta-Phase. Wer sich nicht an die Regeln hält, verliert schnell den Zugriff auf die Software. © Christophe Gateau/dpa

Etwa 100.000 Autofahrer testen derzeit den „Full Self Driving“-Autopilot von Tesla. Bei dem Beta-Test ahndet der Hersteller Regelverstöße mit knallharten Konsequenzen, wie der Bericht eines Teilnehmers zeigt.

Stuttgart/Austin - US-Hersteller Tesla gilt im Bereich der E-Autos zwar als Platzhirsch, hinkt beim autonomen Fahren den europäischen Unternehmen aber noch immer deutlich hinterher. Der bisherige „Autopilot“ des Unternehmens von Elon Musk wurde von Experten eher als „Assistent“ angesehen. Aktuell testet der Autobauer aus Austin (Texas) aber den neuen Autopiloten „Full Self Driving“ in einem Beta-Test mit rund 100.000 Teilnehmern. Die Teilnehmer erhielten die Software allerdings nicht umsonst und Verstöße gegen die Regeln des Beta-Tests werden mit deutlichen Konsequenzen bestraft.

Wie Arthur Frederick „Fritz“ Hasler, ehemaliger Leiter des NASA Goddard Space Center Scientific Visualisation & Analysis Laboratory und emeritierter Forschungsmeteorologe, in einem Gastbreitrag für das Portal Clean Technica erklärt, haben er und seine Frau den Tesla-Autopiloten 206 Tage lang verwendet, bevor sie aus dem Programm geworfen wurden. Grund dafür ist laut Angaben von Hasler, dass Tesla den Beta-Autopiloten fünfmal aus der Ferne deaktivieren musste.

Tesla-Beta-Test: Teilnehmer müssen sich an 3 Regeln halten - und dürfen sie maximal 5 Mal brechen

Laut dem Gastbeitrag von Fritz Hasler hatten er und seine Frau den Autopiloten „Full Self Driving“ beim Kauf des Tesla-Modells im Oktober 2019 für zusätzliche 6.000 US-Dollar (rund 5.900 Euro) erworben. Beim Kauf eines aktuellen Modells von Tesla kostet die Software stellenweise sogar bereits das doppelte. Zum Zeitpunkt des Erwerbs war die Software allerdings noch in einem so frühen Stadium, dass eine Aktivierung noch nicht möglich war. Tesla-Kunden wie Hasler und seine Frau erwarben zu diesem Zeitpunkt demnach ein Vorrecht auf die Technologie, die irgendwann der Tesla-Autopilot werden soll. Erst im Oktober 2021 konnten sie die Software herunterladen, mussten vor der Aktivierung allerdings noch einen Sicherheitstest bestehen.

Nach Bestehen des Tests konnten sie die Software schließlich am 1. Dezember 2021 aktivieren. „Seitdem haben wir den Beta-Autopiloten obsessiv verwendet, 206 Tage lang“, führt Fritz Hasler in seinem Beitrag für Clean Technica aus. „Wir wurden aber gewarnt, dass wir bei fünf erzwungenen Deaktivierungen den Zugang wieder verlieren werden.“ Eine automatische Deaktivierung des Beta-Autopiloten nimmt Tesla bei den folgenden Fällen vor:

Für die Teilnehmer des Tesla-Beta-Tests ist es also wichtig, diese Regeln nicht öfter als fünfmal zu brechen. Auch Fritz Hasler und seine Frau bemühten sich, die Regeln des Autoherstellers einzuhalten. „In den vergangenen 206 Tagen habe ich drei erzwungene Deaktivierungen gehabt, weil mich der Verkehr abgelenkt und ich Schwierigkeiten bei der Navigation in großen Metropolen hatte“, schreibt Hasler in seinem Beitrag. Seine Frau habe bis zu diesem Zeitpunkt beim Fahren mit aktiviertem Autopiloten keine erzwungene Deaktivierung verschuldet.

Tesla ahndet Verstöße gegen Beta-Regeln mit Entzug des Zugriffs - „ich finde es nicht fair“

Alle Vorsicht zahlte sich letztendlich aber doch nicht aus. Bei einer kurzen Fahrt vor einigen Tagen habe Tesla den Beta-Autopiloten zweimal deaktivieren müssen. Dabei sei seine Frau von drei kleinen Kindern abgelenkt worden. Tesla zeigt bei fünf Regelverstößen im Beta-Test aber offenbar keine Gnade. „Ihr Zugang zum FSD Beta wurde aufgrund ihres kürzlichen Fehlverhaltens widerrufen“, hieß es laut Fritz Hasler im Autopilot-Menü seines Tesla-Modells. Mit einem neuen Software-Release soll der Zugang laut Tesla aber wieder aktiviert werden. Wann genau die Software, für die Hasler und seine Frau rund 6.000 Euro bezahlt hatten, wieder nutzbar ist, ist allerdings nicht bekannt.

Tesla ahndet Verstöße gegen die Regeln im Beta-Test demnach mit strengen Konsequenzen, was bestimmt nicht allen Teilnehmern schmecken dürfte. „Ich glaube, 206 Tage mit nur fünf erzwungenen Deaktivierungen ist für ein Fahrerteam aus Ehemann und Ehefrau eine tolle Leistung“, schreibt Fritz Hasler bei Clean Technica. „Ich finde es nicht fair, uns deshalb den Beta-Zugang wegzunehmen.“ Zumindest sollte es eine Möglichkeit geben, den Zugang wieder herzustellen, etwa durch ein erneutes Bestehen des Sicherheitstests, so Hasler. Ob er nochmal bei einem solchen Test teilnehmen würde, ist angesichts seines Fazits fraglich. „Ihr werdet in absehbarer Zeit von mir nichts mehr über den Full Self Driving-Beta von Tesla hören!“

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