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Stellantis will sich offenbar von größtem Automarkt verabschieden - „brauchen keine Werke in China“

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Von: Julian Baumann

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Der französische Präsident Emmanuel Macron (r) spricht neben Carlos Tavares, dem Vorstandsvorsitzenden von Peugeot und Stellantis, auf dem Pariser Autosalon.
Stellantis-CEO Carlos Tavares (l.), neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, erwägt einen Rückzug aus China. © Gonzalo Fuentes/dpa/Pool Reuters

Der chinesische Automarkt ist seit einiger Zeit der größte Einzelmarkt der Autoindustrie. Der Stellantis-Konzern erwägt laut CEO Carlos Tavares aber einen Rückzug aus dem Land.

Stuttgart/Hoofddorp - Für europäische und US-amerikanische Autokonzerne ist der chinesische Automarkt, als größter Einzelmarkt, beim Absatz der Fahrzeuge ganz besonders wichtig. Während die westlichen Unternehmen jahrzehntelang in China vorherrschend waren, etablieren sich auch immer mehr heimische Hersteller auf dem dortigen Markt. Aufgrund des dadurch entstehenden Preiskampfes sollten sogar Mercedes und BMW „beunruhigt“ sein, sagte ein Experte.

Obwohl der chinesische Automarkt weltweit der wichtigste ist, erwägt einer der größten Autokonzerne der Welt den Abschied aus China. Stellantis, mit rechtlichem Sitz im niederländischen Hoofddorp, vereint 14 Automarken unter seinem Dach - darunter beispielsweise Peugeot, Chrysler, Maserati oder auch den deutschen Autobauer Opel. Der Automobilwoche zufolge erklärte Stellantis-Chef Carlos Tavares bei der Pariser Autoshow, die Produktion in China einstellen zu wollen.

Stellantis-Chef Tavares sieht westliche Hersteller in China im Nachteil

China ist nicht nur beim Absatz wichtig für die westlichen Autohersteller, viele Unternehmen betreiben auch große Produktionswerke im Reich der Mitte. Das erste große Produktionswerk von E-Auto-Primus Tesla außerhalb der US-Heimat befindet sich beispielsweise in Shanghai und auch Mercedes-Benz und BMW haben Fabriken in dem Land. Die Zukunft der Produktion der zu Stellantis gehörenden Automarken Peugeot und Citroen in China steht aktuell aber zur Debatte. Laut dem Konzernchef behindert der Staat die ausländischen Hersteller, während die chinesischen Unternehmen in Europa mit offenen Armen empfangen werden. Deshalb überlegt der Konzern offenbar, die dortige Produktion einzustellen.

Mitarbeiter von Peugeot Citroen inspizieren ein fertiges Modell im Werk in Wuhan, China.
Der Autokonzern Stellantis, zu dem unter anderem die Marken Peugeot und Citroen gehören, überlegt, die Produktion in China zu stoppen. © Shepherd Zhou/dpa

„In Europa wird den chinesischen Autobauern der rote Teppich ausgerollt, aber das ist absolut nicht der Fall mit uns in China“, sagte Carlos Tavares laut der Automobilwoche in Paris. „Wenn man unsere Strategie zu Ende denkt, dann brauchen wir keine Werke in China. In einer Welt mit wachsenden Spannungen müssen wir nicht zusätzliche Verletzbarkeiten schaffen.“ Aktuell expandieren mit BYD, Nio und Co. immer mehr chinesische Autohersteller nach Europa. E-Autobauer Nio will in Deutschland beispielsweise mit drei E-Auto-Modellen starten, diese aber nicht zum Kauf anbieten.

Chinas Automarkt ist für westliche Autobauer nicht nur wegen dem Absatz wichtig

Sollte sich Stellantis wirklich dazu entscheiden, die Produktion in China zu beenden, wird der Konzern mit Sicherheit nicht riskieren, den Verkauf seiner Marken auf dem dortigen Markt zu stoppen. Obwohl die europäischen Autohersteller deutlich auf die Produktion von E-Autos setzen, wollen viele ihre Verbrenner-Modelle weiterhin in China anbieten. China fördert den Verkauf von Benzinern und Diesel sogar, während der EU-Entscheid, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zu erlauben, in Europa de facto einem Verbrenner-Verbot gleichkommt.

Für die westlichen Autohersteller wird die Lage sowohl in Europa und den USA, als auch in China in Zukunft schwieriger werden. In China bieten inzwischen heimische Hersteller eigene Modelle, deren Qualität immer besser wird, deutlich günstiger an als die Europäer und die US-Amerikaner. Ford-Chef Jim Farley warnte bereits, dass die westlichen Autohersteller in China den Anschluss verlieren. Doch auch auf den westlichen Märkten steigt der Konkurrenzdruck durch die Zunahme an Modellen chinesischer Hersteller, die dort angeboten werden.

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