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Porsche will mit E-Fuels Verbrenner retten - Studie offenbart große Risiken

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Von: Julian Baumann

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Die Porsche AG setzt mit E-Fuels auf eine Alternative zum E-Auto. Laut einer Studie sollen die Preise für den Antriebsstoff aber drastisch steigen.

Stuttgart - Die Porsche AG aus Stuttgart produziert mit der Modellreihe Taycan vollelektrische Sportwagen und will auch andere Modelle in Zukunft elektrifizieren. Allerdings soll bei der weltbekannten Marke nicht alles auf E-Autos ausgerichtet werden. Der ikonische Porsche 911 soll beispielsweise ein Verbrenner bleiben, Porsche arbeitet aber an einem alternativen Antrieb, von dem auch Bill Gates überzeugt ist. Deshalb errichtete die VW-Tochter aus Zuffenhausen in Chile eine große Anlage, in der Energie aus Wind erzeugt werden soll. Laut einem Porsche-Manager führt an dieser Alternative „kein Weg vorbei“.

Der weltweite Fokus der Autobauer auf E-Autos ist der immer deutlicheren Forderung nach einer klimaneutralen Produktion geschuldet. Den batteriebetriebenen Autos stehen manche Fahrer aber noch immer skeptisch gegenüber. Mit den E-Fuels könnte die Porsche AG auch weiterhin Verbrenner-Motoren einsetzen, sie aber mit klimaneutraler Energie versorgen. Dieser Hoffnung vieler Verbrenner-Fans macht nun eine Studie des Fraunhofer Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) einen Strich durch die Rechnung.

Porsche AG setzt auf E-Fuels: Import nach Europa laut Studie kein billiges Patentrezept

Als einziger namhafter Autohersteller setzt die Porsche AG im großen Stil auf E-Fuels. Die Pilotanlage wurde in Chile errichtet, da dort optimale Bedingungen für die Gewinnung der erneuerbaren Energie herrschen. Noch ist der grüne Sprit aber nahezu unbezahlbar, weswegen die Strategie des Sportwagenbauers nicht gerade risikofrei ist. E-Fuels statt Benzin könnten Autofahren in Deutschland zum Luxus machen, hieß es bereits im vergangenen Jahr. Derzeit liegt der Preis für den synthetischen Kraftstoff bei 10 Euro pro Liter, was in den kommenden Jahren laut der Studie noch deutlich steigen könnte. Die Studie schockiert Fans von Verbrennermotoren, berichtet 24auto.de*.

Die Studie unter Beteiligung des IEG und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die in der Dezemberausgabe des Journals Computers & Industrial Engineering erschien, bewertete das Potenzial von Energieexporten aus benachbarten Sonnenstaaten. Unter dieser Grundannahme wurden Preise für grünen Wasserstoff und Methan von über 100 Euro je Megawattstunde im Jahre 2030 und knapp unter 100 Euro je Megawattstunde im Jahre 2050 berechnet. „Die hohen Kosten zeigen, dass der Import von E-Fuels nach Europa kein billiges Patentrezept ist, um Engpässe beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu umgehen oder eine Transformation auf der Angebotsseite zu erreichen“, sagte Benjamin Pfluger vom Fraunhofer IEG laut einer Pressemitteilung.

Porsche AG: E-Fuel-Strategie wird immer mehr zum Risiko

Die Porsche AG will bis 2030 eine emissionsfreie Produktion erreichen und setzt deshalb sowohl auf E-Autos wie den Taycan und auch auf die Produktion von E-Fuels. Die Pilotanlage in Chile steht allerdings noch in der Anfangsphase. Das erklärte Ziel des Stuttgarter Autobauers ist es, die bestehende eigene Fahrzeugflotte und auch die anderer Hersteller mit dem synthetischen Kraftstoff zu versorgen. Bis die heutigen Verbrenner-Modelle vollständig durch E-Autos ausgetauscht sind, werde es noch 20 oder 30 Jahre dauern, sagte Frank Walliser, Leiter der legendären Porsche-Reihe 911, im vergangenen Jahr. „Und in dieser Zeit muss man sich auf jeden Fall mit synthetischen Kraftstoffen helfen.“

Fahraufnahme eines Porsche 911 Carrera 4 GTS Cabriolet
Mit den E-Fuels will Porsche den Verbrenner retten. Auch der ikonische 911 soll in naher Zukunft keinen elektrischen Antrieb erhalten. © Porsche

Für die Pilotanlage der Porsche AG ist der Standort in Chile deshalb günstig, weil dort der Wind 24 Stunden am Tag heftig über das Land fegt. Für die Produktion der E-Fuels beziehungsweise für den Antrieb der Anlage ist erneuerbare Energie vonnöten, die Porsche in Chile eben aus Wind speist. Deshalb hat sich der Sportwagenbauer aus Stuttgart bewusst für eine Produktion außerhalb Deutschlands entschieden. Dennoch muss auch Porsche den synthetischen Kraftstoff nach Europa und Deutschland importieren und das könnte laut der Studie zu einem hohen Risiko werden.

Die Analyse zeige, dass die E-Fuel-Produktion in der Region von Nordafrika bis in den Mittleren Osten zwar attraktiv ist, heißt es in der Studie. Die Entwicklungen bei den Kapital- und Transportkosten könnten die Vorteile der Region aber schmälern oder sogar zunichtemachen. Obwohl aktuell die Benzinpreise und auch die Stromkosten immer weiter steigen, könnten die E-Fuels demnach künftig noch mehr zu Luxusgütern werden. *24auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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