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Porsche könnte mit einem Projekt Europa vor dem Energiekollaps retten

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Von: Julian Baumann

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Porsche arbeitet seit einiger Zeit an einem synthetischen Kraftstoff. Damit könnten möglicherweise auch Benzin und Diesel aus russischer Förderung ersetzt werden.

Stuttgart - Der Krieg in der Ukraine hat erhebliche Folgen für ganz Europa. Seit einigen Tagen steigen die Benzin- und Dieselpreise immer weiter und lagen am Montag (14. März) bereits bei über zwei Euro pro Liter. Grund dafür ist auch, dass Ölfirmen wie Shell in Zukunft kein Erdöl aus Russland mehr beziehen wollen und auch die USA haben einen Boykott beschlossen. Nun rückt eine mögliche Alternative in den Fokus, an der der Autobauer Porsche aus Stuttgart seit langem arbeitet.

Porsche errichtete in Chile eine Pilotanlage für die Herstellung sogenannter E-Fuels aus Windenergie. Mit dem synthetischen Kraftstoff will Porsche den Verbrenner retten und beispielsweise den legendären Porsche 911 trotz Verbrenner-Motor umweltfreundlich antreiben. Der Biosprit könnte jetzt aber auch dazu dienen, das Benzin und den Diesel aus der russischen Erdölförderung zu ersetzen, berichtet Autobild. Damit könnte der befürchtete Energiekollaps in Europa aufgrund der immer weiter steigenden Benzinpreise zumindest reduziert werden.

Porsche: E-Fuels galten bislang als wenig lukrativ, könnten nun aber die Rettung sein

Der Sportwagenhersteller Porsche hat mit dem vollelektrischen Taycan vor rund zwei Jahren ein erstes E-Auto präsentiert. Im Gegensatz zu anderen namhaften Herstellern wie dem Nachbarn Mercedes-Benz will sich das Unternehmen aus Zuffenhausen aber nicht ausschließlich auf die E-Mobilität verlassen. Porsche setzt auf eine Alternative zum E-Auto, die auch Bill Gates begeistert. Während E-Auto-Käufe vom Staat finanziell gefördert werden, sind die E-Fuels nach aktuellem Entwicklungsstand noch nahezu unbezahlbar. E-Fuels statt Benzin könnte Autofahren in Deutschland zum Luxus machen.

Nun könnte der in Chile von Porsche und Siemens produzierte synthetische Kraftstoff allerdings das russische Öl ersetzen. Im Spätsommer 2022 soll die Pilotanlage mit der Produktion der E-Fuels beginnen. „Wir wollen damit zeigen, dass es geht“, erklärte Hermann-Josef Stappen, Leiter der Technikpresse bei Porsche, laut Autobild. Pro Jahr sollen rund 130.000 Liter des Biokraftstoffes hergestellt werden. Für die Autofahrer wird der Kraftstoff aber nicht an den Tankstellen als Alternative angeboten werden. „Es wird auch zukünftig keine E-Fuels-Zapfsäule an Tankstellen geben“, so Stappen. Die E-Fuels werden dem konventionellen Kraftstoff beigemischt.

Porsche nennt keinen Literpreis für E-Fuels aber Preise sollen sich bis 2030 angleichen

Der deutlichste Vorteil von E-Fuels aus Windenergie, Sonnenenergie und grünem Strom ist, dass die Ressourcen im Gegensatz zu Erdöl unendlich verfügbar sind. Deshalb wählte Porsche auch Chile als Standort für die Pilotanlage aus, da dort rund um die Uhr ein starker Wind weht. Für die Herstellung des synthetischen Kraftstoffes wird viel Energie benötigt, die eben aus Wind- oder Solarstrom gewonnen wird. Damit wird in einer chemischen Reaktion Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Wasserstoff wird wiederum mit CO2 verbunden, das aus der Luft gewonnen wird. Nach der Beigabe von Additiven entsteht so ein synthetischer Kraftstoff, der wie Benzin vom Verbrenner-Motor verbrannt werden kann.

Simulation der Pilotanlage in Chile.
Die Pilotanlage von Porsche und Siemens soll im Spätsommer mit der Produktion von E-Fuels starten. Jährlich sollen 130.000 Liter des synthetischen Kraftstoffes hergestellt werden. © Porsche AG

Die innerhalb eines Jahres in Chile von Porsche und Siemens produzierte Menge von 130.000 Litern Biosprit ist im Vergleich zum derzeitigen Benzinverbrauch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Produktionsmenge soll jedoch beständig weiter erhöht werden. Es stellt sich aber die Frage, wie viel ein Liter des Kraftstoffes letztendlich kosten wird. Laut Hermann-Josef Stappen von Porsche könne das auch nicht klar festgelegt werden, da der Autobauer E-Fuels nicht als eigenständiges Produkt vermarkten wird. Man rechne aber damit, „dass die Prozesskosten von klimaneutralem Sprit und demjenigen aus fossilen Ressourcen sich bis zum Ende dieses Jahrzehnts angleichen“.

Durch die nicht unendlich verfügbaren Ressourcen wird Benzin und Diesel in den kommenden Jahren wohl noch teurer werden. Der Ukraine-Krieg und der Boykott von russischem Erdöl lassen die Vorräte weiter schrumpfen. Synthetische Kraftstoffe dürften dagegen günstiger werden, wenn mehr Anlagen wie die von Porsche in Chile errichtet werden und so eine Massenproduktion der E-Fuels ermöglicht wird. Damit könnte nicht nur die Bestandsflotte an Fahrzeugen, die noch viele Jahre mit Verbrenner fahren werden, CO2-neutral betrieben werden, sondern auch die Abhängigkeit von Öllieferanten wie Russland reduziert werden. Zunächst will Porsche die E-Fuels allerdings vorrangig im Motorsport einsetzen.

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