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Mitarbeiter-Strategie von Porsche stellt Ansatz von Mercedes-Benz in den Schatten

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter der Porsche AG hat in der Produktion des batterieelektrische angetriebenen Sportwagens Porsche Taycan einen Mundschutz an
Die Porsche AG setzt bei der Transformation zum E-Auto auf eine Strategie, durch die Mitarbeiter neue Kompetenzen und Qualifikationen erlernen sollen. © Marijan Murat/dpa

Der Porsche AG stehen große Veränderungen bevor. Der Sportwagenbauer aus Stuttgart macht bei der Mitarbeiter-Strategie dem Nachbarn Mercedes-Benz einiges vor.

Stuttgart - Obwohl die Porsche AG in Zukunft nicht ausschließlich E-Autos bauen will, steht auch die VW-Tochter aus Stuttgart vor der groß angelegten Transformation. Im vergangenen Jahr stellte Porsche mit dem Taycan den ersten vollelektrischen Sportwagen aus Zuffenhausen vor, viele weitere Modelle sollen ebenfalls elektrifiziert werden. Der Wandel vom Verbrenner zum E-Auto in der Industrie beeinflusst aber nicht nur die Automodelle, sondern ganz besonders die Belegschaften der großen Hersteller. Weil durch die Umstellung viele bisherige Tätigkeiten entfallen, will die Porsche AG die Mitarbeiter entsprechend umschulen und vorbereiten. Damit geht die VW-Tochter einen anderen Weg als der Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 2.02.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Die Transformation zur E-Mobilität ist in der Autobranche auf jedem Level deutlich zu spüren. Produktionsanlagen müssen umgerüstet oder neu errichtet werden, neue Tätigkeitsfelder entstehen und viele alte entfallen. Porsche kündigte wegen der E-Autos zwar einen harten Sparplan an, will die Belegschaft allerdings nicht so drastisch ausdünnen wie andere Autobauer. Porsche setzt auf eine Strategie, von der Daimler-Mitarbeiter nur träumen können. Statt massivem Stellenabbau sollen die Porsche-Mitarbeiter neue Kompetenzen erlernen und ihr Jobprofil nach und nach anpassen. Im Lern-Labor am Hauptstandort in Zuffenhausen initiiert der Sportwagenbauer den größten Umbau in der Unternehmensgeschichte, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Porsche: Mitarbeiter sollen für Fertigung von E-Autos neue Kompetenzen lernen

Im Gegensatz zu vielen anderen Autobauern mit Weltrang konzentriert sich die Porsche AG nicht ausschließlich auf E-Autos, sondern errichtete in Chile eine große Pilotanlage für die Produktion von E-Fuels aus Windenergie. Dennoch stehen die Weichen am Stammwerk in Zuffenhausen auf der Transformation zur E-Mobilität. Bis 2030 soll nahezu jedes Jobprofil der Porsche-Mitarbeiter deutlich verändert werden, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Damit geht der Sportwagenhersteller einen anderen Weg als die Mercedes-Benz AG, die seit vielen Monaten massiv Arbeitsplätze abbaut und neue Spezialisten aus dem Ausland anwirbt.

Unter dem Motto „Transformation der Belegschaft“ organisiert Andreas Haffner, Personalvorstand der Porsche AG, die Jobprofile von 36.000 Porsche-Mitarbeiten um. Haffner schätzt, dass bis zum Jahr 2030 rund ein Viertel der VW-Belegschaft einen ganz anderen Arbeitsplatz haben werde. „Wir gehen davon aus, dass sich die meisten Jobprofile im Konzern im Laufe der kommenden acht Jahre verändern – zumindest teilweise“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Durch die Jobgarantie bis 2030 müssen die Angestellten des Sportwagenbauers demnach neue Kompetenzen im Bereich der E-Mobilität erlernen.

Porsche AG will in Lern-Zentrum in Stuttgart das Lernen neu erfinden

Die Daimler AG hat im Zuge der Transformation im vergangenen Jahr das interne „Job Forum“ eingerichtet. Das Portal soll Mitarbeiter auffangen, deren bisherige Tätigkeiten wegfallen, und ihnen gemäß ihrer Qualifikationen neue Aufgaben zuteilen. Die Belegschaft trieb dieses Vorgehen aber zur Verzweiflung, es sei ein „Albtraum, aus dem man nicht erwacht“, sagten Mercedes-Mitarbeiter. Die Porsche AG will dagegen massiv in die neuen Qualifikationen der Mitarbeiter investieren. Andreas Haffner stellt laut Stuttgarter Zeitung jedes Jahr bis 2030 zehn Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Lern-Labor in Zuffenhausen will Porsche das Lernen neu erfinden.

Im Zuge der Transformation zur E-Mobilität wird auch Software und Digitalisierung immer wichtiger. Wie auch bei den Sportwagen setzt die Porsche AG auch bei der Mitarbeiter-Strategie stark auf die Digitalisierung. Neben dem Lern-Labor mit unterschiedlichen Studios, feinster Technik und Lernmaterialien, gibt es auch eine Online-Akademie. Dort können Porsche-Mitarbeiter an Workshops, Programmierkursen und anderen Weiterbildungen teilnehmen und sogar Hochschulabschlüsse erwerben. „Wichtig ist uns, jeweils maßgeschneiderte Angebote zu machen, die sich am tatsächlichen Bedarf ausrichten“, erklärte Andreas Haffner der Stuttgarter Zeitung. „Damit kann die Qualifizierung höchst individuell in den Arbeitsalltag eingebaut werden, und jeder Mitarbeiter bestimmt selbst das Tempo, mit dem er zusätzliche Kompetenzen aufbaut.“

Porsche AG schafft Chancen für Quereinsteiger und bietet Mitarbeitern Auszeit für Umschulungen

Dass die Porsche AG im Gegensatz zur Mercedes-Benz AG die Umschulung ihrer Mitarbeiter priorisiert statt externe Fachkräfte einzustellen, bedeutet nicht, dass Neueinsteiger für eine Karriere bei Porsche keine Chance mehr haben. Allerdings sind die Chefs laut Andreas Haffner angewiesen, Quereinsteigern eine Chance zu geben. Auch wenn ihr Jobprofil nur zu 80 Prozent auf die Stelle passt und ein Externer mit einer Qualifikation von 100 Prozent warte. Zudem können die Porsche-Mitarbeiter laut der Stuttgarter Zeitung eine Auszeit ihrer Tätigkeit beantragen, um sich entsprechend auf neue Qualifikationen umschulen zu lassen.

Da manche neuen Tätigkeitsfelder schwer intern zu besetzen sind, bieten sich durch die Strategie der Porsche AG aber auch neue Möglichkeiten auf dem Stellenmarkt.

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