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„Beschränktes Fahrvergnügen“: Porsche-Fahrer klagt auf Schadenersatz, weil er Ford fahren musste

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Von: Julian Baumann

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Fahraufnahme eines Porsche 911 Carrera 4S (Symbolbild)
Laut Gericht ist einem Porsche-Fahrer auch ein Ford Mondeo als Ersatzwagen zuzumuten (Symbolbild). © Porsche

Weil sein Porsche 911 lange Zeit in einer Werkstatt war, musste ein Fahrer notgedrungen auf ein Ford-Modell zurückgreifen. Er klagte auf Schadenersatz.

Stuttgart/Frankfurt - Die Modelle von Porsche sind nicht gerade etwas für den kleinen Geldbeutel und hauptsächlich im oberen Marktsegment angesiedelt. Mit dem vollelektrischen Taycan ist der Hersteller aus Stuttgart sehr erfolgreich und auch die SUV-Modelle Cayenne und Macan erfreuen sich auf den internationalen Automärkten großer Beliebtheit. Der Klassiker der Zuffenhausener ist und bleibt aber der legendäre Neunelfer. Ein Porsche-Fan fährt gleich zehn knallbunte 911er. „Es musste unbedingt ein Porsche 911 sein, weil die Form des ursprünglichen 911 für mich zeitlos schön ist“, erklärte er Ende 2021 gegenüber BW24.

Für einen Mann aus Hessen war sein Porsche 911 wohl ebenfalls besonders wichtig, der Sportwagen wurde allerdings bei einem Verkehrsunfall beschädigt und musste deshalb für lange Zeit in der Werkstatt bleiben. Der Porsche-Fahrer hatte zwar noch vier weitere Fahrzeuge, wovon zwei aber von Familienmitgliedern benutzt wurden und eines keine Straßenzulassung hatte. Deshalb musste der Mann aus Hessen für 112 Tage einen Ford Mondeo fahren, was für einen Porsche-Fahrer offenbar nicht zumutbar war. Seine Klage auf eine Nutzungsausfallentschädigung für die Reparaturzeit wurde vom Oberlandesgericht in Frankfurt am Main allerdings abgewiesen.

Porsche-Fahrer beschwert sich - Ford Mondeo als Ersatzauto für Neunelfer nicht zumutbar

Ein Modell von Porsche ist für viele Autofahrer nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein regelrechtes Statussymbol. Als solches ist der legendäre Porsche 911 auch bereits mehrfach Teil der Popkultur geworden. Nachdem der besagte Porsche-Fahrer aus Hessen seinen Neunelfer bei einem Verkehrsunfall demoliert hatte, und deshalb vollumfänglich für den Schaden haftete, kam er laut einer Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main nur für einen Teil des Schadens auf und verlangte für den Rest der Summe eine Nutzungsentschädigung für die Reparaturzeit von 112 Tagen.

Der neue Ford Mondeo wird am Freitag (13.04.2007) auf der Automesse in Leipzig präsentiert.
Ein Ford Mondeo ist nach Ansicht eines Porsche-Fahrers kein zumutbarer Ersatz für einen Neunelfer - auch nicht temporär. © Jan Woitas/dpa

Wenn ein Auto aufgrund eines Schadens in einer Werkstatt repariert werden muss, steht dem Fahrer normalerweise der Anspruch auf ein Ersatzfahrzeug für die Dauer der Reparatur zu. Auf diesen Anspruch kann allerdings verzichtet werden, wenn der Besitzer des zu reparierenden Autos selbst einen Zweitwagen zur Verfügung hat. Der Porsche-Fahrer hatte, wie bereits genannt, neben dem dem Neunelfer noch vier weitere Autos, konnte aber nur auf den Ford Mondeo zurückgreifen. Dass er dieses Modell des US-Herstellers, das die Familie eigentlich nur für Lasten- und Urlaubsfahrten verwendete, für 112 Tage für alltägliche Fahrten verwenden musste, sei nicht zumutbar, beschwerte er sich.

Ford Mondeo statt Porsche 911 führte laut Gericht „lediglich zu einer Beschränkung des Fahrvergnügens“

Der Ford Mondeo ist ein Mittelklasse-Modell, das von 1993 bis 2021 für den europäischen Markt hergestellt wurde. Das Modell ist immerhin noch eine Limousine, mit einem Porsche 911 in Sachen Motorleistung und Fahrdynamik aber wohl kaum vergleichbar. Laut dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main reicht der Ford aber für die täglichen Fahrten zur Arbeit vollkommen aus und ist damit als Ausgleich zum materiellen Vermögensschaden durch den Verlust des Porsche 911 ausreichend. Das Gericht hatte ihm deshalb zwar die Differenz der Reparaturkosten zugesprochen, die Ansprüche auf eine Nutzungsentschädigung aber abgewiesen.

„Dass es sich bei dem beschädigten Fahrzeug, einem Porsche 911, mithin einem Sportwagen, aufgrund seiner Motorisierung, Fahrleistung und Ausstattung um ein Fahrzeug aus dem deutlich gehobenen Marktsegment handelt, während es sich bei dem Ford Mondeo ledig um ein Mittelklassefahrzeug handelt, führt nicht zur Unzumutbarkeit der Nutzung des Ford Mondeo“, heißt es in der Pressemitteilung des Oberlandesgerichts. Die notgedrungene Nutzung des Ford Mondeo anstelle des Porsche 911 führe „lediglich zu einer Beschränkung des Fahrvergnügens.“ Ein Ferrari-Fahrer hatte im vergangenen Jahr ein vergleichbares Problem. Er verlangte einen Lamborghini als Ersatzauto, weil ein Porsche 911 unter seiner Würde war.

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