1. bw24
  2. Auto
  3. Porsche

E-Auto-Brandgefahr: Porsche gründet Werkfeuerwehr am Stammsitz - „Einsätze gibt es jeden Tag“

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Die Berufsfeuerwehr Stuttgart übergibt die Verantwortung für den Porsche Hauptsitz in Zuffenhausen an die neue Werkfeuerwehr Porsche Stuttgart.
Am Hauptsitz von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen sorgt eine eigene Werksfeuerwehr nun für noch mehr Brandschutz. © Porsche AG

Am Porsche-Stammsitz in Stuttgart gab es bislang keine Werkfeuerwehr. Wegen der erhöhten Brandgefahr von E-Autos entschied sich der Autobauer nun um.

Stuttgart - Durch den immer größer werdenden Anteil an E-Autos im Straßenverkehr steigt auch die Zahl der Unfälle mit den batteriebetriebenen Fahrzeugen. Laut einer Studie fangen Hybride und Verbrenner zwar häufiger Feuer als E-Autos, die Stromer stellen die Feuerwehren aber vor ganz neue Herausforderungen. Der Sportwagenbauer Porsche verließ sich am Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen bislang auf die Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Berufsfeuerwehr. In den vergangenen Jahren hat Porsche den Standort umgebaut und auf die Produktion des vollelektrischen Taycan ausgerichtet. Durch die Hochvoltkomponenten der elektrischen Antriebe musste demnach auch die Brandsicherheit überdacht werden.

Im Dezember 2020 kündigte Porsche an, doch eine eigene Werksfeuerwehr am Stammwerk in Zuffenhausen aufbauen zu wollen. Beim Nachbarn Mercedes-Benz gab es eigene Feuerwehreinheiten an den Standorten bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Durch die Ausrichtung auf die E-Mobilität und den deutlichen Ausbau des Standortes sorgen seit vergangenem Jahr auch am Porsche-Hauptsitz 35 Feuerwehrleute für noch mehr Brandsicherheit, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz).

Porsche setzt am Hauptsitz in Stuttgart erst spät auf eigene Feuerwehr

Das Werk im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen ist nicht nur der Hauptsitz von Porsche, sondern auch das Herz der Produktion des weltbekannten Autobauers. Während andere Standorte wie das Werk in Leipzig oder das Entwicklungszentrum in Weissach seit langem über eigene Feuerwehreinheiten verfügen, konnte Porsche am Stammsitz bisher darauf verzichten. Das liege an der „langjährigen und sehr, sehr guten Verbindung zur Berufsfeuerwehr Stuttgart“, sagte Florian Haacke, Leiter der Werkfeuerwehr, der faz. Durch die Neustrukturierung und den Wandel der Antriebstechnik hat man sich aber letztendlich doch für eine eigene Feuerwehr entschieden.

Im vergangenen Jahr sorgte ein Akku-Brand im Porsche-Werk in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Als das erste Löschfahrzeug am Standort von Porsche-Engineering eintraf, stand der Lithium-Ionen-Akku bereits in Flammen. Mit der eigenen Werkfeuerwehr in Zuffenhausen kann ein solcher Vorfall deutlich schneller unter Kontrolle gebracht werden. „Mit unserer eigenen Werkfeuerwehr liegen wir bei einer Eintreffzeit von unter fünf Minuten, das ist ein erheblicher Faktor bei der Gefahrenabwehr“, sagte Andreas Kaiser, Leiter Konzernbrandschutz bei Porsche, der faz.

Kaiser ist selbst Feuerwehrmann und zugleich Chef der Werksicherheit in Zuffenhausen. Die Kenntnisse des Standortes seien bei der Brandbekämpfung von deutlichem Vorteil. „Unser Standort ist teilweise mehrfach überbaut, das Werk erstreckt sich nicht nur in die Fläche, sondern auch in die Höhe – deshalb sind detaillierte Ortskenntnisse hilfreich“, erklärte er. Die Werkfeuerwehr von Porsche ist jedoch nicht nur bei Akku-Bränden gefordert. „Einsätze gibt es jeden Tag – auch wenn es nicht brennt“, sagte Michael Bayer. Dazu zählen beispielsweise auch medizinische Notfälle, Alarme durch die Brandmeldeanlagen und andere Hilfsleistungen.

Porsche baut an Stammsitz eigene Feuerwache - Fuhrpark umfasst auch E-Autos

Wenn in Zuffenhausen ein Alarm ausgelöst wird, rückt die Werkfeuerwehr derzeit von einem Gebäude des Werks 2 mit einem Porsche Cayenne Coupé mit Blaulichtbalken und Frontblitzern sowie einem Hilfeleistungs-Löschfahrzeug aus, berichtet die faz. Im Bau befindet sich derzeit aber bereits eine eigene Feuerwache, die in etwa zwei Jahren bezogen werden soll. Auch der Fuhrpark der Ende 2021 gegründeten Porsche-Werkfeuerwehr soll noch deutlich erweitert werden. Neben den genannten Fahrzeugen kommen auch zwei vollelektrische Modelle zum Einsatz, die vor allem Aufgaben in der Logistik und kleinere Einsätze übernehmen.

Wie auch bei Mercedes-Benz, Bosch oder ZF Friedrichshafen ist die Werkfeuerwehr von Porsche ausschließlich für Einsätze auf dem eigenen Betriebsgelände gedacht. Untereinander tauscht man sich im Bereich der Brandsicherheit aber regelmäßig aus. Porsche bietet laut der faz beispielsweise Fortbildungen für die öffentlichen Feuerwehren an und erklärt ein genaueres Vorgehen bei einem verunfallten Porsche-Modell. Ein Unternehmen aus Maulbronn (Enzkreis) hat sich dagegen das Ziel gesetzt, die Feuerwehren insgesamt besser auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten. „Q4Flo“ hilft Feuerwehren im Kampf gegen brennende E-Autos.

Auch interessant

Kommentare