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20 Jahre Porsche Cayenne: Wie der erste SUV den Stuttgarter Sportwagenbauer revolutionierte

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Von: Julian Baumann

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Ein Porsche Cayenne Turbo GT fährt auf einer Straße.
20 Jahre Porsche Cayenne: Der Turbo GT (im Bild) ist seit Mitte 2021 auf dem Markt. © Porsche AG

Mit dem Cayenne erweiterte Porsche die zuvor ausschließlich aus Sportwagen bestehende Fahrzeugflotte um einen SUV. In diesem Jahr feiert das beliebte Modell seinen 20-jährigen Geburtstag.

Stuttgart - Wer an Porsche denkt, denkt vermutlich zunächst an eine hohe Qualität, viel Power und Sportwagenmodelle wie den legendären 911, den Boxster oder auch den vollelektrischen Taycan. Zum Fahrzeugportfolio des Unternehmens aus Stuttgart-Zuffenhausen gehören aber auch die Sport Utility Vehicle (SUV) Cayenne und Macan. Der große Porsche Cayenne hat seinen Hauptmarkt in den Vereinigten Staaten, während der kleinere Macan in China ganz besonders beliebt ist. Dort ist Porsche sogar eher als Hersteller von großen SUV bekannt, statt wie in der westlichen Welt als Sportwagenbauer.

Für eine lange Zeit bestand die Fahrzeugflotte von Porsche allerdings nur aus leistungsstarken Sportwagen „Made in Germany“. Deshalb stellte die Einführung des ersten SUV im Jahr 2002 wohl eine ebenso große Revolution dar, wie die des ersten vollelektrischen Sportwagens Taycan. In diesem Jahr feiert der Cayenne seinen 20-jährigen Geburtstag. Angekündigt wurde der erste SUV aus Zuffenhausen allerdings bereits im Jahr 1998.

Porsche Cayenne: Das erste SUV-Modell sollte Ende der 90er einen erneuten Absturz verhindern

Die 90er-Jahre waren für Porsche keine einfache Zeit. Im Jahr 1992 hatte das Unternehmen einen Verlust von 240 Millionen D-Mark zu verzeichnen und musste darauf entsprechend reagieren. Eine vom Ressort des damaligen Vertriebsvorstands Hans Riedel beauftragte Analyse habe laut einer Porsche-Pressemitteilung zum 20-jährigen Geburtstag des Cayenne ergeben, dass Sportwagenmodelle wie der 911 und der Roadster Boxster den Hersteller nicht alleine in eine sichere Zukunft führen könnten. „Man hat gemerkt, dass man mit den Sportwagen allein im Markt an Grenzen stößt“, erinnert sich Anton Hunger, Kommunikationschef des früheren Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking. „Der Vertrieb hatte das mithilfe der Marktforschung klar belegt. Auf lange Sicht wäre Porsche wieder auf einem absteigenden Ast gelandet.“

Um das zu vermeiden wurden laut der Mitteilung für eine insgesamt dritte Porsche-Fahrzeugklasse insgesamt fünf Fahrzeugtypen geprüft. Schon damals seien große Geländewagen quer durch alle Einkommensschichten sehr beliebt gewesen, erinnert sich Anton Hunger. Unterstützung fand Porsche zunächst in der Stuttgarter Nachbarschaft, bei Mercedes-Benz und der M-Klasse. „In dieser Phase haben wir uns den Porsche-SUV als High-Performance-Ableger des Mercedes vorgestellt“, sagt Klaus-Gerhard Wolpert, von 1998 bis 2010 der erste Baureihenleiter des Cayenne. „Mit eigener Außenhaut, viel Technik der M-Klasse, aber Motoren und Fahrwerk-Komponenten von uns.“

Mitarbeiter schieben einen verhüllten Porsche Cayenne im Jahr 2000 auf dem Entwicklungscenter in Weissach.
Die Entwicklung eines Porsche-SUV wurde im Jahr 1998 bekannt gegeben. Der Name war zu diesem Zeitpunkt noch geheim. © Porsche AG

Zwischen den beiden Stuttgarter Autobauern gab es nachfolgend aber unterschiedliche Ansichten über die wirtschaftliche Beziehung. Einen neuen Partner für das Projekt fand Porsche schließlich in Wolfsburg. „Porsche hat das Konzept bei VW vorgestellt, und Ferdinand Piëch hat entschieden: So ein Auto können wir auch brauchen“, erinnert sich Wolpert. Ferdinand Piëch, der Enkel von Ferdinand Porsche, war zu diesem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, zu dem Porsche heute gehört. Die Entwicklung des Cayenne lag bei Porsche, VW sollte die Produktion des SUV übernehmen, wie 1998 öffentlich gemacht wurde. Der Name war zu diesem Zeitpunkt laut der Mitteilung aber noch geheim.

20 Jahre Cayenne: Porsche wollte die Sportlichkeit in einen Geländewagen transferieren

Für ein Unternehmen, das zu dem damaligen Zeitpunkt bereits weltweit für seine leistungsstarken Sportwagen bekannt war, galt das Ziel, diese Sportlichkeit auch in einen großen SUV zu transferieren. Um den Porsche-Ingenieuren ein Gefühl für die Entwicklung eines SUV zu vermitteln, ergriff der Baureihenleiter Klaus-Gerhard Wolpert eine eher ungewöhnliche Methode. „Ich habe alle meine Bereichsleiter angewiesen, ihre Porsche Dienstwagen abzugeben. Wir haben stattdessen verschiedene SUV angeschafft, zum Beispiel BMW X5, Ford Explorer, Jeep Grand Cherokee und Mercedes M-Klasse“, erinnert er sich. „Die Kollegen sollten diese Modelle im Alltag fahren, und alle vier Wochen haben wir durchgetauscht.“

Ein Prototyp des Porsche Cayenne auf Testfahrt.
Der Porsche-Cayenne sollte die Sportlichkeit der Marke in einen Geländewagen transferieren. © Porsche AG

Somit konnten die Ingenieure trotz anfänglichem Murren auch die Stärken und Schwächen der Konkurrenz ausloten. „Das war einer der Schlüssel zum Erfolg“, ist sich Wolpert laut der Pressemitteilung sicher. Vier Jahre nach der Bekanntgabe der Entwicklung, im September 2002, feierte der Porsche Cayenne seine Weltpremiere in Paris. „Porsche steht in der Tat vor seiner vielleicht größten Herausforderung“, sagte Wendelin Wiedeking bei der Vorabend-Veranstaltung im Innenhof des Hotels d’Evreux. „Dieser Tag, daran gibt es für mich keinen Zweifel, wird für das Unternehmen von historischer Bedeutung sein.“

Porsche Cayenne wird zum Erfolg - vollelektrische Version für 2024 erwartet

Mit dieser Aussage im Jahr 2002 behielt der ehemalige Porsche-Chef recht. Inzwischen wurden von dem Cayenne weit über eine Million Modelle verkauft und im Jahr 2017 wurde die bereits dritte Modellgeneration vorgestellt. „Mit dem Cayenne ist es uns erstmals gelungen, den Mythos Porsche erfolgreich auf ein völlig neues Marktsegment zu übertragen“, sagte der amtierende Porsche-Chef Oliver Blume anlässlich der Weltpremiere der dritten Generation 2017 auf dem Dach des Porsche Museums. „Unser Sportwagen im SUV-Segment hat sich über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg als Bestseller und Wachstumsmotor erwiesen. Mehr noch: Der Cayenne hat Porsche die Türen in viele neue Märkte geöffnet und ganz wesentlich zur Internationalisierung unseres Vertriebsnetzes beigetragen. Und zu einer erheblichen Verbreiterung unserer Kundenbasis.“

In Zukunft will sich Porsche neben der Erforschung von synthetischen Kraftstoffen verstärkt auf E-Autos konzentrieren. Neben der sehr erfolgreichen Taycan-Baureihe sollen zunehmend auch andere Modelle elektrifiziert werden. Basierend auf der Plattform PPE will Porsche im Jahr 2023 zunächst das kleinere SUV Macan in einer vollelektrischen Version anbieten. Eine elektrische Version des Cayenne wird für das Jahr 2024 erwartet.

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