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Mission Wertzuwachs: Kann Porsche VW aus dem Börsen-Mittelmaß ziehen?

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Börsengang des Autoherstellers Porsche
Vor zwei Wochen ist die Porsche AG erfolgreich an der Börse gestartet. Mutterkonzern VW hofft, von dieser Strahlkraft zu profitieren. © Boris Roessler/dpa

Zwei Wochen ist es her, dass die Porsche AG den größten Börsengang in Deutschland seit der Telekom und den weltweit zweitgrößten des Jahres 2022 in Angriff nahm. Die Konzernmutter VW will von der Strahlkraft etwas abbekommen. Ob sich die Erwartungen erfüllen, muss sich zeigen.

Wolfsburg/Stuttgart (dpa) - Es gab so viele Hoffnungen und Vorschusslorbeeren - doch dann verpuffte der «Porsche-Effekt» wieder. Vorerst jedenfalls. Während der Sportwagenbauer selbst seit seinem Börsenauftakt am 29. September etwas an Wert zulegen konnte, scheint der Dachkonzern Volkswagen am Finanzmarkt weiter nicht so richtig aus dem Quark zu kommen. Dabei sollte der Glanz der gewinnstarken Tochter aus Stuttgart auf den Wolfsburger Dax-Dickfisch abfärben. Braucht es dafür einfach mehr Zeit, oder wird es nichts mit den hehren Zielen?

Bisher muten die Zahlen eher ernüchternd an, zumindest aus Sicht der Mutter. Den Vorzugsaktien der Porsche AG gelang in ihren beiden ersten Handelswochen in Frankfurt immerhin ein Plus von 82,50 auf knapp 87 Euro. Derweil rutschten die entsprechenden VW-Papiere von 138 auf zuletzt gut 123 Euro ab. Bereits über weite Strecken der vergangenen Jahre hatte der Kurs - einige Zwischenhochs inbegriffen - vor sich hin gedümpelt. Nicht nur im Vergleich zum US-Rivalen Tesla.

Die Platzierung von einem Achtel der Anteile am operativen Geschäft von Porsche spülte VW 9,1 Milliarden Euro in die Kasse. Damit sollen Investitionen in E-Mobilität und Vernetzung erweitert werden. Es war der größte deutsche Börsengang seit der Telekom 1996 und dieses Jahr weltweit der zweitgrößte nach dem Batteriezellhersteller LG Energy Solution. Für den Wert von VW hat Porsches Gang aufs Parkett bisher kurzfristig aber keinen positiven Effekt. Im Gegenteil: Er sank von 87 Milliarden Euro Mitte September auf jetzt 72,7 Milliarden Euro.

«Die Situation an den Kapitalmärkten ist nun mal so, wie sie ist», sagt Michaels Muders vom Fondsanbieter Union Investment. Autowerte seien generell stark von der makroökonomischen Großwetterlage abhängig - da mache die aktuelle Multi-Krise keine Ausnahme. Wie schwierig das Umfeld ist, zeigt auch, dass mehrere Investmentbanken den Porsche-Kurs zunächst mit Stützungskäufen absichern mussten.

Derzeit ist Porsche mit 79,1 Milliarden Euro sogar höher bewertet als die VW AG. Eine Momentaufnahme, so Muders, die sich mittelfristig normalisieren dürfte. Rechne man Porsche heraus, mache der Rest der Gruppe immer noch über 10 Milliarden Euro Gewinn im laufenden Geschäft. «Das wird derzeit faktisch nicht bewertet von der Börse.»

Grundsätzlich will VW Porsche als Zugpferd für die eigene Finanzkraft nutzen. Der von Oliver Blume abgelöste Konzernchef Herbert Diess hatte 200 Milliarden Euro zur Wunschmarke beim Börsenwert erklärt und «Big Playern» wie Toyota oder Tesla nachgeeifert. Die Japaner kamen als größter Autohersteller jüngst auf etwa 228 Milliarden Euro, die Firma von Elon Musk - nachdem sie schon einmal die Schwelle von einer Billion US-Dollar überschritten hatte - auf 699 Milliarden Euro.

Derlei Summen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn an der Börse zählt oft nicht so sehr die realwirtschaftliche Substanz, sondern das Spiel mit den Erwartungen. Die deutschen Wettbewerber BMW und Mercedes erreichen derzeit 48 Milliarden bzw. 56 Milliarden Euro. Auch VW kann von Tesla-Dimensionen bisher nur träumen. Aber die Strategie, mehr Attraktivität für weitere Geldgeber durch einen höheren Börsenwert zu signalisieren, soll mit Porsche zusätzlich unterfüttert werden.

Manche Marktbeobachter sähen die Einstufung der Volkswagen AG beim Doppelten des heutigen, viel zu niedrigen Niveaus, argumentiert man in Konzernkreisen. Und das müsse nicht das Ende sein. Die Stuttgarter könnten ein Werttreiber für das ganze Firmengeflecht werden - die nötige Mindestbewertung als Voraussetzung für den Teilbörsengang war mit dem Emissionspreis von 82,50 Euro erreicht.

Der Wert der Tochter sei nun klar sichtbar, sagt Fondsmanager Muders. «Offensichtlich erkennt man auch bei VW, dass der Markt bisher nicht bereit war, dieses Potenzial entsprechend zu bewerten.» Stattdessen hätten die schlechte Performance der ID-Modelle in China, Probleme mit der Software-Sparte Cariad oder die Debatte um den Führungsstil im Konzern Anleger abgeschreckt. Da sei es gut, gegenzusteuern. Mit Lamborghini, Bentley oder Audi gebe es weitere interessante Marken.

Auch bei den stimmberechtigten Stammpapieren von VW ging es jedoch erst einmal abwärts. Sie gaben binnen zwei Wochen von 194 auf 160 Euro nach. Volkswagen behält die große Mehrheit an der Porsche AG, verkaufte aber ein Viertel plus eine Aktie der Stämme an die Porsche SE. Diese von den Familien Porsche/Piëch kontrollierte Holding hat damit qua Sperrminorität ein zentrales Mitspracherecht, ähnlich wie das VW-Gesetz dies dem Land Niedersachsen bei der VW AG garantiert.

Für den Kaufpreis von 10,1 Milliarden Euro will die PSE Schulden machen. Es gibt jedoch auch so schon reichlich Kritik am Ausbau des Einflusses der Großaktionäre. Handelt es sich in erster Linie um ein machtstrategisches Manöver und persönliches Kalkül des schwerreichen Auto-Clans, notfalls auf Kosten des Gesamtwertes und kleiner Eigner?

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sieht den Börsengang der Porsche AG als Stärkung der «finanziellen Flexibilität von VW, um den Transformationsprozess zu stemmen». Das trage zur Sicherung von Standorten bei. Einige Kommentatoren fragen sich indes, warum das Land und auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat es zuließen, zusätzlich so viele Anteile in die Hände der Großeigentümer zu geben.

«Hauptversammlungen werden zu Showveranstaltungen», meint etwa Markus Dufner vom Verband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. «Die Vorzugsaktionäre werden mit ein paar Cent höherer Dividende abgespeist, können aber keine Verantwortung übernehmen.» Der Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, findet, es sei «angesichts schwacher Börsenzeiten ganz gut, dass man nicht zu viel direkt auf einmal in den freien Markt gegeben hat».

Ob der Porsche-Börsengang den angepeilten Wertzuwachs bringt, dürfte wesentlich von der wackligen Konjunktur abhängen. Die Inflation der Energiepreise, weniger billiges Geld durch die Zinsanhebungen der Notenbanken und eine Konsumdelle sind nur einige der Gefahren. «Die wichtigsten Volkswirtschaften und Finanzmärkte stehen unter Druck», betont Berater Martin Steinbach von EY - obgleich es Chancen gebe.

Werden bald schon die nächsten Börsenpläne Wirklichkeit? Das Vorhaben reift, die VW-Batteriesparte PowerCo in nicht allzu ferner Zukunft ebenso am Kapitalmarkt zu etablieren. Sie soll die gesamte Wertschöpfungskette bei E-Auto-Zellen abdecken und dem Vernehmen nach bis zu 20 000 Jobs umfassen. Investoren sind auch hier willkommen.

Zwar entspanne sich die Chipkrise zusehends, heißt es in Wolfsburg. Doch andere Risiken wie der Fortgang des Ukraine-Krieges und der Verlust von Kaufkraft ließen die Sorgen eher wachsen. So oder so: Von Normalität könne man bei VW wie Porsche noch lange nicht sprechen. (Von Jan Petermann und David Hutzler, dpa)

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