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Neuwagen-Preise um bis zu 44 Prozent angestiegen - ADAC appelliert an Hersteller

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Von: Julian Baumann

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Das am 18.11.20919 zur Verfügung gestellte Foto zeigt den neuen Ford Mustang Mach-E.
Laut dem ADAC sind Neuwagen in den Jahren 2017 bis 2022 sehr viel teurer geworden. Der Preis für einen Ford Mustang Mach-E (im Bild) ist innerhalb eines Jahres um rund 10.000 Euro angestiegen. © Carlos Osorio/AP/dpa

Der Automobilclub ADAC hat sich die Preisentwicklung von Neuwagen in den vergangenen fünf Jahren angesehen. Der Kostenanstieg ist enorm.

Stuttgart/München - Durch Lieferengpässe und Rohstoffmangel konzentrieren sich die großen Autohersteller aktuell verstärkt auf die Produktion hochpreisiger Modelle. Mercedes-Benz setzt insgesamt deutlicher auf Luxus und will das Einstiegssegment ausdünnen. Demnach müssen die Kunden künftig für ein Modell der Marke mit Stern tiefer in die Taschen greifen. Laut einer Untersuchung des Automobilclubs ADAC sind die Preise für Neuwagen seit 2017 aber insgesamt enorm angestiegen.

Laut einer ADAC-Pressemitteilung stiegen die Durchschnittspreise aller angebotenen Modelle von 44.908 Euro im Jahr 2017 auf 53.525 Euro im Juli 2022. Zudem stellten die Experten auch bei den immer mehr dominierenden E-Autos eine enorme Preissteigerung beziehungsweise eine hohe Einpreisung fest, seit die staatliche Kaufprämie verdoppelt wurde.

Neuwagenpreise: Anstieg laut ADAC in den unteren Fahrzeugklassen am größten

Dass sich die Autohersteller immer mehr auf die Modelle der Oberklasse konzentrieren, spiegelt sich auch in der Berechnung des ADAC wider. Demnach gab es im Fünfjahresvergleich die höchsten prozentualen Preissteigerungen in den unteren Fahrzeugklassen. „Bei den Kleinstwagen stiegen die Neuwagenpreise um 44 Prozent, bei Kleinwagen um rund 30 Prozent und bei der unteren Mittelklasse um rund 21 Prozent“, schreibt der Automobilclub. Dieser Umstand lässt sich damit erklären, dass die Hersteller vor allem seit dem Jahr 2020 vermehrt mit Lieferproblemen, dem Halbleitermangel und steigenden Rohstoffkosten zu kämpfen hatten. Durch die hohen Energiekosten ist auch das Autofahren in Deutschland sehr viel teurer geworden.

Durchschnittspreise und Preisanstieg nach Fahrzeugklassen:

FahrzeugklasseDurchschnittspreis Oktorber 2017Durchschnittspreis Juli 2022Preisanstieg
Kleinstwagen15.275 Euro22.048 Euro6.773 Euro / 44,3 Prozent
Kleinwagen20.237 Euro26.325 Euro6.088 Euro / 30,1 Prozent
Untere Mittelklasse30.266 Euro36.707 Euro6.551 Euro / 21,3 Prozent
Mittelklasse43.645 Euro52.781 Euro9.136 Euro / 20,9 Prozent
Obere Mittelklasse54.725 Euro64.948 Euro10.223 Euro / 18,7 Prozent
Oberklasse105.302 Euro118.345 Euro13.043 Euro / 12,4 Prozent

(Quelle: ADAC e.v)

Zudem fiel den Experten bei der Untersuchung auf, dass einige Autohersteller ihre günstigeren Modelle mit weniger Ausstattung und einer schwächeren Motorisierung anbieten. Mercedes-Benz will die A-Klasse dagegen ab 2025 ganz streichen. Im vergangenen Jahr sei der VW Golf als Basisversion mit 90 PS noch für den Preis von 20.700 Euro angeboten worden, schreibt der ADAC. Inzwischen gebe es das Modell nur noch mit 130 PS für 29.560 Euro. Im höheren Preissegment seien die Kosten für manche Neuwagen in den vergangenen fünf Jahren auch angestiegen, ohne dass die Hersteller die Ausstattung angepasst hätten. Als Beispiel nennt der ADAC den Preisanstieg eines elektrischen Ford Mustang Mach-E von 46.900 auf 56.500 Euro innerhalb eines Jahres.

Preise für E-Autos aufgrund der staatlichen Förderung besonders angestiegen

Gerade bei den E-Autos, auf die sich inzwischen nahezu alle namhaften Hersteller fokussieren, bemerkte der ADAC eine deutliche Preissteigerung. Nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Förderung beim Kauf eines Stromers, seien die Grundpreise eines elektrischen Modells oftmals deutlich höher als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Renault verlange für den elektrischen Kleinwagen Twingo sogar doppelt so viel, wie für das Verbrenner-Pendant. Bereits ab 2023 bekommen E-Auto-Fahrer aber nicht mehr für alle Modelle eine Kaufprämie, ab 2024 sollen dann nur noch Fahrzeuge unter einem Neukaufwert von 45.000 Euro subventioniert werden.

Der ADAC fordert in der Pressemitteilung die Autohersteller auf, wieder zu einer Preispolitik zurückzukehren, die Bezahlbarkeit der Autos im Blick hat. „Zusätzlich sollten Hersteller wieder Fahrzeuge in Basisausstattung anbieten, damit sich auch Menschen mit geringeren finanziellen Möglichkeiten ein neues Fahrzeug leisten können“, schreibt der Automobilclub. „Mobilität muss für alle bezahlbar bleiben.“

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