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Deutsche Autoindustrie kämpft gegen Fälschungen an - „sind nicht frei von den Schäden“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter von Porsche führt die finale Qualitätskontrolle an einem Panamera durch.
Die Autoindustrie kämpft seit langem gegen Produktfälschungen. Auch Porsche ist davor nicht gefeit. (Symbolfoto) © Jan Woitas/dpa

Die Autoindustrie kämpft seit langem gegen gefälschte Produkte im Umlauf. Eine Zunahme durch den aktuellen Teilemangel ist zwar nicht bestätigt, aber durchaus möglich.

Stuttgart - Der Handel mit gefälschten Produkten hat durch den Siegeszug der Online-Shops insgesamt zugenommen. Davon sind auch die deutschen Autohersteller- und Zulieferer nicht gefeit. Mercedes-Benz hatte erst Anfang August vor der Zunahme von Produktfälschungen im Handel gewarnt, und das nicht zum ersten Mal. BW24 hatte bereits im Juli 2020 und im August 2021 von den Problemen mit gefälschten Bauteilen beim Stuttgarter Autokonzern berichtet. Auch VW meldete laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) für das Jahr 2021 doppelt so viel beschlagnahmte Bauteile der Kernmarke als im Jahr zuvor.

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Obwohl Mercedes-Benz und andere Unternehmen der deutschen Autoindustrie gezielt gegen die Produktpiraterie, die mitunter auch für Kunden erhebliche Sicherheitsrisiken bedeuten können, vorgehen, nimmt der Handel mit gefälschten Bauteilen weiter zu. Dass die Produktfälscher aktuell gezielt Fälschungen von Bauteilen und Komponenten anbieten, die aufgrund der Lieferengpässe nicht oder nur schwer erhältlich sind, ist bei den großen Unternehmen der baden-württembergischen Autoindustrie nicht festzustellen, wie sie auf BW24-Anfrage erklärten. Eine Rolle spielt die wirtschaftliche Lage beim Vorgehen der Produktpiraten dennoch.

Mercedes-Benz: „Herausforderungen im Supply-Chain-Management können Rolle spielen“

Durch die Corona-Pandemie ist der Online-Handel mit nahezu allen Produkten aufgeblüht, da eine Bestellung über das Internet ein ansteckungs- und damit risikofreies Einkaufen ermöglicht. Das machten sich in den vergangenen zwei Jahren aber auch Produktpiraten zunutze, die ihre Fälschungen auf Online-Plattformen und auch über Social Media anbieten. „Die gesamtwirtschaftliche Lage und beispielsweise auch Herausforderungen im Supply-Chain-Management können dabei eine Rolle spielen“, erklärte Marco Löhrer, Sprecher für Integrity & Legal Affairs bei Mercedes-Benz, auf Anfrage von BW24. „Unsere Markenschützer prüfen daher weltweit verdächtige Angebote, unter anderem auf Online-Plattformen und Social Media oder Messen und können so Fälscher identifizieren.“

Felgen nach Belastungstest: Original (links) und Fälschung (rechts)
Optisch sind die Fälschungen oftmals nicht vom Original zu unterscheiden. Im Straßenverkehr zeigt sich dann aber der Qualitätsunterschied. © Mercedes-Benz AG Corporate Communications

Denn im Gegensatz zum „besten Mercedes-Stern ever“, den eine Frau auf Wish entdeckte, sind die professionellen Fälschungen optisch kaum von den echten Komponenten zu unterscheiden. Dass die Produktfälscher den aktuellen Teilemangel ausnutzen, um Kunden gezielt gefälschte Bauteile anzubieten, deren Originale schwer oder nicht zu bekommen sind, liegt demnach im Bereich des Möglichen. Bei Mercedes-Benz lässt sich das aber nicht nachweisen. „Uns liegen keine konkreten Daten oder Erhebungen vor“, so Löhrer.

Porsche: Sportwagenbauer ist vor Fälschungen nicht gefeit - „und auch nicht frei von den Schäden“

Bei Porsche zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Sportwagenbauer, der weltweit für die hohe Qualität seiner Fahrzeuge bekannt ist, ist ebenfalls nicht vor Produktfälschern gefeit. „Gerade in China müssen wir immer wieder feststellen, dass Bauteile im Umlauf sind, die nicht aus unserem Haus stammen“, sagte Nadescha Vornehm, Pressesprecherin für Vertrieb und Marketing bei Porsche, gegenüber BW24. „Davon sind wir nicht frei, und auch nicht frei von den Schäden.“ Eine Zunahme dieses Phänomens, bedingt durch die aktuelle Teileknappheit, könne Porsche aber bisher ebenfalls nicht feststellen.

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass es im Aftermarket derzeit keine großen Lieferschwierigkeiten gebe und der Konzern die Händler zuverlässig beliefern könne. „ZF hatte bereits frühzeitig eine dezidierte Taskforce eingerichtet und konnte daher Versorgungsengpässe abfedern. Daher können wir aktuell auch keine dadurch bedingte Zunahme an Produktfälschungen feststellen“, sagte Fabiola Wagner, Head of Competence Communications der ZF Friedrichshafen.

Bosch und Co.: Unternehmen der Autoindustrie gehen gemeinsam gegen Fälschungen vor

Für die Unternehmen, die von Produktfälschungen betroffen sind, stellt die Zunahme an Plagiaten im Umlauf aber finanzielle und wirtschaftliche Schäden dar. Zudem können minderwertige Felgen, Bremsbeläge oder andere Komponenten im schlimmsten Fall für die Kunden zum Sicherheitsrisiko werden. Carolin Luedecke, Sprecherin für den Automotive Aftermarket bei Bosch, erklärte auf BW24-Anfrage, dass der Anteil von Plagiaten im europäischen Automarkt im Vergleich zu anderen Branchen zwar deutlich geringer sei, die Autoindustrie aber gemeinsame Aktivitäten unternehme, um gegen Fälschungen vorzugehen.

Der weltgrößte Autozulieferer hat gemeinsam mit anderen Unternehmen der Branche eine Lösung gegen Fälschungen, basierend auf Sicherheitscodes entwickelt. Mit dem „MAPP-Code“ (Manufacturers against Product Piracy) auf den Produkten können Händler, die Werkstatt oder auch die Endverbraucher die Echtheit über eine Website oder über eine App verifizieren. „Bosch arbeitet mit Sicherheitsetiketten auf Verpackungen, in die der MAPP-Code integriert ist“, erklärte Luedecke. „Zusätzliche Sicherheit für den Käufer entsteht durch ein Hologramm, in das die letzten Stellen des individuellen MAPP-Codes eingebracht sind. Mit dem MAPP-Code lässt sich die Echtheit der Produkte von jedem Ort der Welt aus online überprüfen.“

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