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„Eben kein Luxus“: Smart will genau dort glänzen, wo sich Mercedes zurückzieht

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Von: Julian Baumann

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Der elektrische SUV Smart #1 der Automarke Smart fährt auf einer Straße.
Mercedes-Tochter Smart sieht den elektrischen SUV #1 als Ergänzung zum Luxus-Portfolio des Mutterkonzerns. © Smart Europe

Mercedes-Benz setzt auf Luxus und will das Einstiegssegment deutlich verkleinern. Tochter-Smart will diese Lücke mit dem elektrischen SUV #1 füllen.

Stuttgart/Böblingen - Der Vorstand von Mercedes-Benz verkündete am 19. Mai in Nizza die erweiterte Luxus-Strategie des Weltkonzerns aus Stuttgart. Demnach will sich Mercedes noch mehr auf den Luxus konzentrieren und drei Modelle streichen. „Im Einstiegssegment, dem Entry Luxury Segment, gibt es aktuell sieben Aufbauvarianten und wir werden uns zukünftig auf vier fokussieren“, erklärte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß im Interview mit BW24. „Ziel ist es, die Produkte noch attraktiver für den Kunden zu machen.“ Zwangsläufig wird sich die Kernmarke demnach aus dem Einstiegssegment zurückziehen und den Fokus auf die hochpreisigen Modelle und die Luxus-Marken Mercedes-Maybach und Mercedes-AMG legen.

Ein weiteres Tochter-Unternehmen des großen Autokonzerns mit dem Stern könnte durch die Luxusstrategie allerdings profitieren. Die angeschlagene Mercedes-Tochter Smart will mit dem E-SUV Smart #1 „raus aus der Nische“ der Kleinwagen und sich im Bereich der Premiumfahrzeuge etablieren. Dem Mutterkonzern nacheifern will das Unternehmen, das seinen Sitz noch immer in Böblingen hat, die ausschließlich elektrischen Modelle inzwischen jedoch in China produziert, aber nicht. Stattdessen sehe man die Fahrzeuge als Ergänzung zum Mercedes-Portfolio im Einstiegssegment, sagte Smart-Europa-Chef Dirk Adelmann im Gespräch mit der Automobilwoche.

Mercedes-Tochter Smart: E-SUV #1 als „logische Ergänzung“ zur Luxus-Strategie

Die Marke Smart, die seit 2019 jeweils zur Hälfte Mercedes-Benz und dessen größtem Aktionär Geely gehört, ist weltweit hauptsächlich für die beliebten Zweisitzer Fortwo bekannt, die bis zuletzt im französischen Hambach produziert wurden. Anfang 2021 verkaufte Mercedes das Smart-Werk, die Kleinwagen sollen aber noch bis 2024 vom neuen Besitzer Ineos in Frankreich produziert werden. Durch den Verkauf des Standorts und die Verlagerung der Smart-Produktion nach China, wurden allerdings Rufe lauf, die eine zu große Abhängigkeit der Marke vom Reich der Mitte befürchteten.

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Dieser Befürchtung widersprach der Smart-Europa-Chef im Interview mit der Automobilwoche. „Für uns ist das ein internationales Projekt“, sagte Dirk Adelmann in Bezug auf das elektrische SUV #1. „Das komplette Design kommt ja von Mercedes-Benz, unter der Ägide von Gorden Wagener.“ Auch der Vertrieb des E-Autos laufe in Europa über die Mercedes-Vertragshändler und wird dementsprechend in deren Showrooms stehen. „Da sich Mercedes mit der Luxus-Strategie aus diesem Segment zurückzieht, ist es für uns eine logische Ergänzung des Portfolios im Einstiegsbereich für Premiumfahrzeuge“, so Adelmann. „Aber eben kein Luxus.“

Smart setzt auf elektrischen SUV, will die beliebten Kleinwagen aber nicht aufgeben

Das erste Smart-SUV #1 liegt mit rund 41.500 Euro in der günstigsten Ausführung zwar unter dem Preis des elektrischen Mercedes-SUV EQA, übersteigt aber dennoch den des direkten Konkurrenten ID.3 von Volkswagen. Der Mercedes-Veredler Brabus motzte das Smart-SUV noch zusätzlich auf. Dass sich die Mercedes-Tochter von den Kleinwagen zu einem großräumigen SUV entwickelte, traf zudem bei den Kunden auf Kritik. Der Konzern hatte bereits 2020 angekündigt, die Marke umbauen zu wollen, die Fans erkannten das Kultauto nicht wieder.

Smart selbst sieht den #1 als Fünfsitzer aber dennoch als klassischen Vertretet der Marke. „Wir können auch mal raus aus der Stadt, und wir haben mit rund 440 Kilometer Reichweite pro Ladung auch ein Erstfahrzeug, was wir so bisher noch nicht hatten“, sagte Dirk Adelmann. „Es bleibt aber auch ein tolles Zweitfahrzeug für Mercedes-Kunden.“ Der Preis für den Smart #1 sei zwar kein Kampfpreis, befinde sich aber immer noch so weit vom Preis des EQA entfernt, damit man sich nicht selbst Konkurrenz mache.

Auch den beliebten Zweisitzer will die Mercedes-Tochter offenbar nicht aufgeben. „Der Fortwo ist ja noch immer da“, sagte der Europa-Chef. „Und wer weiß, ob wir nicht irgendwann wieder ein Fahrzeug im A-Segment nachlegen, wenn der Vorgänger wirklich ausläuft.“

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