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Neue Machtverhältnisse: Zulieferer zwingt Mercedes Konditionen auf - „Angst über den Tisch gezogen zu werden“

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Von: Valentin Betz

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Mercedes mit Autopilot
Die Level 3-Freigabe hat Mercedes-Benz beim autonomen Fahren bereits. Für mehr ist der Konzern auf Software von Partnern wie Nvidia angewiesen - doch das birgt Gefahren. © Mercedes-Benz Global Communications

Mercedes-Benz verbaut in seinen Fahrzeugen immer mehr Software. Die liefern auch externe Unternehmen - was zu verschobenen Machtverhältnissen führt.

Stuttgart - Für Fahrzeughersteller wie Mercedes-Benz bedeutet die Produktion von Autos längst mehr, als schöne Designs und leistungsstarke Motoren. Die Digitalisierung macht vor dem Konzern aus Stuttgart nicht Halt, die Kunden erwarten in ihren Fahrzeugen inzwischen auch ein umfangreiches Softwareangebot.

Mercedes-Benz erklärte deshalb, führenden Unternehmen wie Tesla und Google Konkurrenz zu machen und stieg selbst in die Entwicklung von Software ein. Allerdings ist und bleibt der Konzern im Kern ein Fahrzeughersteller, die Kompetenzen im Bereich Software erreichen also Grenzen. Diese will Mercedes mittels Kooperationen überwinden. Wie das Handelsblatt berichtet, verschiebt sich so das Machtverhältnis zwischen Autoindustrie und Zulieferern - nicht ohne Gefahren für Mercedes-Benz und andere.

Mercedes-Benz entwickelt Software selbst - und kann doch nicht ohne Kooperationspartner

Insgesamt investiert Mercedes-Benz 4,9 Milliarden Euro in das eigene Betriebssystem MB.OS. Damit sind aber nicht alle notwendigen Bereiche abgedeckt. Stattdessen bekommen alle Modelle von Mercedes-Benz ab 2024 Hard- und Software der US-Firma Nvidia. Letztere haben bei den Verhandlungen eine starke Position für sich ausgehandelt. „Die alte Praxis der Autoindustrie, Lieferanten mit Festpreisen abspeisen zu können, erodiert bei digitaler Schlüsseltechnik“, schreibt das Handelsblatt dazu. Denn: Mercedes-Benz muss laut Insidern jeden Euro beim Verkauf von Software-Komponenten für das autonome Fahren mit Nvidia teilen. Der US-Konzern werde geschätzte 40 Prozent an Umsatzbeiträgen erhalten.

Gerade beim autonomen Fahren hat Nvidia nämlich die Nase vorn. Zwar feierte Mercedes-Benz unlängst sein erstes Auto, das autonom auf der Autobahn fahren darf. Dabei ging es aber „nur“ um die sogenannte Level-3-Freigabe, danach folgen noch Level 4 und Level 5. Letzteres würde ein komplett selbst fahrendes Auto bedeuten, was aus aktueller Sicht noch eine Utopie ist. Will Mercedes-Benz diese verwirklichen, führt kein Weg an Nvidia vorbei, heißt es aus Konzernkreisen. Weil sich Mercedes offenbar für bis zu 15 Jahre an Nvidia bindet, spricht das Handelsblatt auch von einer „Schicksalsgemeinschaft“ der beiden Konzerne.

Hard- und Software von Nvidia: Kooperation birgt für Mercedes-Benz auch Risiken

Sollte die Kooperation reibungslos funktionieren, ist sie für Mercedes-Benz und Nvidia eine Win-win-Situation. Schwierig werde es erst dann, wenn Mercedes-Benz die Hoheit über Daten und deren Interpretationsfähigkeit verliere, so ein Strategieberater laut dem Handelsblatt. „Wer diesen strategischen Kontrollpunkt freiwillig aufgibt oder ungewollt verliert, wird sich schwertun, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und sich zu differenzieren“, erklärt er.

Dem Handelsblatt zufolge gibt es bei Mercedes-Benz sogar schon Befürchtungen, von Nvidia „über den Tisch gezogen zu werden“. Denn Nvidia verdient einerseits an der verkauften Hard- und Software, andererseits aber auch an späteren Updates. Mercedes will deshalb wohl sogar nachverhandeln. Wie sehr sich das Machtverhältnis zwischen Autokonzern und Zulieferer aber inzwischen gewandelt hat, lässt sich auch am Börsenwert erkennen. Nvidia ist derzeit 570 Milliarden Euro wert - das fünffache von Mercedes-Benz.

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