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„Chinesisches Übernahmegespenst“ spukt bei Mercedes: Kretschmann und Källenius sprechen Machtwörter

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Von: Nadja Pohr

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Winfried Kretschmann und Ola Källenius
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l.) und Mercedes-Vorstand Ola Källenius sehen keinen Grund zur Sorge für eine Mercedes-Übernahme durch China. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Zwei der größten Aktionäre von Mercedes-Benz kommen aus China. Winfried Kretschmann und Mercedes-Chef Ola Källenius fürchten dennoch keine Übernahme.

Stuttgart - Am 19. Mai hat der schwäbische Autohersteller Mercedes-Benz seine neue Strategie für die Zukunft präsentiert. Der Autobauer will sich künftig noch stärker auf den Luxus besinnen und die hochpreisigen Modelle der Marke in den Fokus stellen. Im Exklusiv-Interview mit BW24 erläuterte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß das enorme Potenzial der Luxus-Strategie.

Kritik für die neue Ausrichtung des Traditionsunternehmens gab es vor allem von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der sie als Einladung für asiatische Hersteller bezeichnete. Generell fürchten Experten, dass China seinen Einfluss in Europa zunehmend durch Investitionen und Infrastrukturprojekte ausweiten und eine Übernahme von Mercedes-Benz starten könnte. Diesem Vorhaben schieben Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Mercedes-Vorstand Ola Källenius nun entschieden einen Riegel vor.

Mercedes-Benz: Winfried Kretschmann und Ola Källenius vertreiben „chinesisches Übernahmegespenst“

Aus der Luft gegriffen ist das Szenario einer Mercedes-Übernahme durch China nicht. Die beiden größten Aktionäre des Unternehmens aus Stuttgart, die BAIC Motor Group und die Investmentfirma Tenaciou3, kommen aus China. Sollten diese weiter aufstocken, könnte es bei Mercedes zu Problemen kommen. Ola Källenius ist sich jedoch sicher, dass es so weit nicht kommen werde. „Wir haben sehr gute und starke Beziehungen zu unseren Investoren“, sagte er im Doppel-Interview mit Winfried Kretschmann gegenüber dem Handelsblatt.

Auch der Ministerpräsident macht sich keine Sorgen, dass der Traditionskonzern aus Baden-Württemberg an China übergehen könnte. „Das würden wir gar nicht zulassen“, versprach er. „Einen ähnlichen Fehler wie beim Roboterbauer Kuka werden wir sicherlich nicht mehr machen“, sagte Kretschmann. Die Firma aus Augsburg wurde vor sechs Jahren von einem chinesischen Konzern für Hausgeräte übernommen. Nach diesem Fall wurde das Außenwirtschaftsgesetz in Deutschland verschärft, weswegen man sich keine Sorgen machen brauche, erläuterte der Ministerpräsident.

Der Experte Marc Tüngler, Hautgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), zeigte sich über die klare Ansage erfreut. „Das große chinesische Übernahmegespenst ist damit erst einmal aus der Mercedes-Burg vertrieben“, sagte er.

China bleibt wichtiger Markt für Mercedes-Benz

In den vergangenen Jahren hat Mercedes-Benz seine Produktion stark nach Fernost ausgelagert. So wird unter anderem in Peking bald ein neuer Elektro-Smart produziert. Es scheint, als würde das Unternehmen bereits nach China abwandern. Mercedes-Chef Ola Källenius bestritt dies jedoch: „Es ist mitnichten so, dass wir deshalb weniger in Deutschland investieren würden. Im Gegenteil. Den Hauptteil der zweistelligen Milliardenbeträge, die wir jedes Jahr ausgeben, wenden wir hier auf.“

Einen bitteren Beigeschmack beim Handel mit China hinterlassen auch die Menschenrechtsverletzungen, die zuletzt immer mehr publik wurden. Das Land verfolgt eine entschieden andere Politik als Deutschland. In Bezug auf den Autobauer sei dies dem Mercedes-Vorstand zufolge aber kein Thema und kein Grund, um den Handel zu beenden. „Bei Mercedes gelten überall dieselben Standards im Hinblick auf Menschenrechte und Arbeitsbedingungen“, sagt Källenius. Würde man sich in China, dem derzeit größten Markt, aufgrund dessen künstlich zurückhalten, würde man im Wettbewerb mit Konkurrenten dramatisch zurückfallen, erklärt der Konzernchef weiter.

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