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Mercedes-Betriebsratschef kritisiert Sparplan: „Leidtragende sind die Mitarbeiter“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz hat in der Produktion der S-Klasse einen Mundschutz an.
Der Mercedes-Betriebsratschef fordert ein Ende der Sparmaßnahmen und Zukunftsperspektiven für die Mitarbeiter. © Marijan Murat/dpa

Mercedes-Benz fährt seit langem einen strengen Sparplan und baut massiv Stellen ab. Der Betriebsratschef kritisiert das Vorgehen des Vorstands und fordert ein Ende der Sparmaßnahmen.

Stuttgart - Als Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius im Mai 2019 an die Spitze des Stuttgarter Traditionskonzerns rückte, der zu diesem Zeitpunkt noch Daimler hieß, kündigte er einen umfassenden Sparplan an. Die Gründe für den massiven Stellenabbau bei dem weltbekannten Autobauer sind Altlasten, die Corona-Pandemie und ganz besonders die groß angelegte Transformation zum E-Auto. Daimler droht allein in sechs deutschen Werken ein Stellenabbau, bei dem 20.000 Jobs betroffen sind, hieß es im Jahr 2020. Auch im Jahr 2022 und nach dem vollzogenen Namenswechsel von Daimler zu Mercedes-Benz dauern die Sparmaßnahmen an.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 11.02.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Der ehemalige Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hatte das Vorgehen des Vorstands um Ola Källenius bereits in der Vergangenheit deutlich kritisiert. Die Stimmung bei Daimler ist am Boden und die Mitarbeiter „zu Tode erschreckt“. Auch sein Nachfolger Ergun Lümali, der zuvor Brechts Stellvertreter war, kritisiert die anhaltenden Sparmaßnahmen bei Mercedes-Benz mit deutlichen Worten. Der Betriebsratschef fordert ein Ende des Stellenabbaus und will den Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten, berichtete Business Insider.

Mercedes-Benz: Betriebsratschef kritisiert Vorstand - „Kosten schrubben alleine ist keine Strategie“

Der Autokonzern Mercedes-Benz ist der älteste und auch einer der wichtigsten Autobauer der Welt. Allein in Deutschland arbeiten 116.000 Menschen für das Unternehmen mit dem Stern, weltweit sind 170.000 bei Mercedes angestellt. Für die Mitarbeiter waren die vergangenen zwei Jahre alles andere als einfach. Durch die E-Auto-Transformation fallen viele bisherige Tätigkeiten weg. Ein internes „Jobportal“ soll diese Mitarbeiter auffangen und ihnen ihren Qualifikationen entsprechend neue Aufgaben zuteilen. Das wird innerhalb des Konzerns aber scharf kritisiert. Es sei „ein Albtraum, aus dem man nicht erwacht“, sagten Mercedes-Mitarbeiter im vergangenen Jahr.

Der vom Vorstand von Mercedes-Benz initiierte Sparplan „Move“ sieht eine Reduzierung der Belegschaft in fünfstelliger Höhe vor. Zugleich sollte aber auch die Arbeitsstruktur so angepasst werden, dass die verbleibenden Mitarbeiter nicht die doppelte Arbeit leisten müssen. „Der Vorstand hat im Rahmen des Personalprogramms MOVE versprochen, dass die Kürzung von Stellen Hand in Hand gehen würde mit einer Überarbeitung der Arbeitsprozesse, um keine zusätzliche Leistungsverdichtung entstehen zu lassen“, sagte Betriebsratschef Ergun Lümali gegenüber Business Insider. Die Kopfzahl sei zwar verringert, die Prozesse aber nicht angepasst worden. „Wir bleiben bei unserer Aussage: Kosten schrubben alleine ist keine Strategie! Es müssen Strukturen und Prozesse optimiert werden.“

Auswirkungen des Mercedes-Sparplans auf die Mitarbeiter - „sind bis zum Anschlag beschäftigt“

Für die Mitarbeiter von Mercedes-Benz, deren Arbeitsstellen durch die Sparmaßnehmen wegfallen, hat das Vorgehen einen besonders großen Einfluss. „Daimler macht sich kaputt“, Mitarbeiter wehrten sich mit einem letzten Verzweiflungsakt. Gegenüber Business Insider erklärte Betriebsratschef Ergun Lümali aber auch die Folgen für die Angestellten, die beim großen Autobauer bleiben. „Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter“, machte er deutlich. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Werken, egal ob Montage oder Powertrain, sind bis zum Anschlag beschäftigt – sofern die Lieferketten halten.“

Der Betriebsratschef von Mercedes-Benz fordert deshalb die Einstellung des Sparprogramms und kündigte weitere Forderungen an den Vorstand an. Vor allem am Zukunftsstandort in Sindelfingen, wo derzeit das Elektro-Flaggschiff EQS und der kleinere EQE gefertigt werden. „Am Standort Sindelfingen werden wir jetzt die Forderung stellen, eine signifikant hohe Zahl an Zeitarbeitskräften zu übernehmen“, so Lümeli. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen eine Zukunftsperspektive am Standort bieten.“ Während Mercedes-Benz seit rund zwei Jahren massiv stellen abbaut, geht der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche in Bezug auf die Transformation einen anderen Weg. Die Mitarbeiter-Strategie von Porsche stellt Mercedes in den Schatten.

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