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Mercedes-Benz arbeitet mit Panzerwagenhersteller aus Russland zusammen

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Von: Nadja Pohr

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Das gepanzerte Fahrezeug „Typhoon-K“ des russischen LKW-Herstellers Kamaz.
Kamaz ist der führende Hersteller für russische Panzerwagen wie den „Typhoon-K“. Auch Mercedes-Benz arbeitet mit dem Unternehmen zusammen. © Vadim Savitsky/IMAGO

Mercedes-Benz gerät wegen Anteilen an einem russischen Panzerwagenhersteller in die Kritik und prüft bereits juristische Schritte, um die Kooperation zu beenden.

Stuttgart - Mit dem „Typhoon-K“ fahren derzeit russische Soldaten in die Ukraine ein. Der Panzerwagen ist ein Fahrzeug, dem weder Minen, Sprengfallen noch direkter Beschuss gefährlich werden können. Führender Hersteller des 20 Tonnen schweren gepanzerten Wagens ist Kamaz, der größte Lkw-Hersteller Russlands. Neben verschiedenen Autozulieferern wie ZF kooperiert auch Mercedes-Benz mit dem Hersteller. Dafür ist der Autobauer aus Stuttgart in die Kritik geraten.

Der Ukraine-Krieg bereitet der deutschen Autoindustrie große Sorgen. Nun löst das Bündnis zwischen Mercedes und Kamaz große Diskussionen aus, denn der Autohersteller aus Baden-Württemberg hält 15 Prozent der Anteile des russischen Unternehmens. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), fordert deshalb: „Mercedes-Benz muss diese Beteiligung bereinigen. Das hätte eigentlich schon vor Jahren passieren müssen, aber jetzt ist der späteste Zeitpunkt.“

Mercedes-Benz hält Anteile an russischem Panzerwagen-Hersteller Kamaz, der im Ukraine-Krieg beteiligt ist

Laut Marc Tüngler müsse Mercedes bereits aus ökologischen, sozialen und ethischen Standards das Engagement bei Kamaz verbieten und nach dem Einmarsch der russischen Soldaten in die Ukraine Konsequenzen ziehen. „Das geht nicht. Die Vorstände müssen ihren Laden jetzt sauber halten“, erklärte Tüngler dem Handelsblatt. Das Kuriose: Vorstandschef Ola Källenius und das Unternehmen haben mit Kamaz eigentlich ohnehin nichts mehr zu tun, denn seit der Abspaltung kooperiert lediglich die Daimler Truck AG mit den Russen.

Das Unternehmen ist mit zwei Managern im Verwaltungsrat von Kamaz vertreten und führt ein Gemeinschaftsunternehmen zur Montage von Lastwagen für den russischen Markt. Bei der Abspaltung übertrug Daimler Truck die Anteile jedoch an Mercedes-Benz und zieht sie so mit in die Verantwortung. „Man muss das dringend lösen. Je länger das Management an dieser Kooperation und Kapitalbeteiligung festhält, desto stärker wird es in die Defensive geraten“, warnt Marc Tüngler.

Ukraine-Krieg: Daimler Truck beendet Kooperation mit Kamaz - Mercedes-Benz arbeitet „mit Hochdruck“ an Lösung

Inzwischen kündigte Daimler Truck das Ende der Zusammenarbeit mit dem russischen Panzerwagenhersteller Kamaz an. Martin Daum, Vorstand der Daimler Truck AG, verkündete dies in einem Schreiben. „In Anbetracht der Ereignisse der letzten Tage haben wir uns entschlossen, mit sofortiger Wirkung unsere geschäftlichen Aktivitäten in Russland bis auf Weiteres einzustellen“, heißt es darin.

Mercedes-Benz prüft indessen auch juristisch, wie sich das Unternehmen schnellstmöglich von den 15-prozentigen Anteilen an Kamaz lösen kann. Laut eines Sprechers des Autobauers aus Stuttgart werde das Thema gerade „mit Hochdruck geklärt“. Wie die Lösung aussehen könnte, sei bisher unklar. Ebenso wie die Frage, was der Ausstieg von Mercedes und Daimler Truck bei Kamaz kosten dürfte.

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