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Keine Rückkehr nach Kriegsende: Mercedes-Benz verkauft russische Standorte und zieht sich vollständig zurück

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Von: Julian Baumann

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In einem Autohaus in St. Petersburg stehen Mercedes-Benz Fahrzeuge den Kunden für Probefahrten zur Verfügung.
Mercedes-Benz zieht sich vollkommen aus Russland zurück und will die Standorte im Land an einen Investor verkaufen. © Igor Russak/dpa

Mercedes-Benz hat sich früh aus Russland zurückgezogen, eine Rückkehr nach Kriegsende bislang aber offengehalten. Nun sollen die Verbindungen in das Land aber endgültig abgebrochen werden.

Stuttgart - Im Rahmen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben sich die großen westlichen Unternehmen unterschiedlich schnell aus dem Land zurückgezogen. Autokonzern Mercedes-Benz hatte die Produktion im Werk in Moscovia, nahe der russischen Hauptstadt Moskau, und auch den Verkauf im Land bereits im März gestoppt. Zudem stoppte der schwäbische Konzern die Exporte nach Russland, was auch Einfluss auf die deutsche Produktion hatte. Extra gegründete Taskforces sollen die Folgen des Ukraine-Krieges für die deutsche Autoindustrie abfedern.

Bislang hat sich der Weltkonzern aus Stuttgart eine Rückkehr nach einem Ende des Ukraine-Krieges offengehalten. In der „Hall of Shame“ eines Yale-Professors erhielt das Unternehmen deshalb nur die Schulnote B „gut“. Vor wenigen Tagen präsentierte Mercedes-Benz die Zahlen für das dritte Quartal, in dem der Konzern den Gewinn verdoppeln konnte. Im Rahmen der Präsentation erklärte Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm der Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) zufolge, dass der Autohersteller die Geschäfte in Russland vollständig beenden und die Standorte an einen russischen Investor verkaufen werde.

Mercedes-Benz zieht sich vollständig aus Russland zurück - Werk nahe Moskau soll verkauft werden

Mercedes-Benz, damals noch als Daimler AG, hatte erst 2017 den Grundstein für das große Produktionswerk nahe Moskau gelegt. Bei der großen Eröffnung waren neben dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche auch Russlands Präsident und heutiger Kriegstreiber Wladimir Putin vor Ort. „Das Mercedes-Benz-Werk in Moscovia ist ein weiterer Baustein unserer Strategie, dort zu produzieren, wo unsere Kunden sind“, hatte der damalige Daimler-Boss erklärt. „Und davon profitieren beide Partner: Russland und Mercedes-Benz.“ Die Zetsche-Strategie brachte Mercedes-Benz nachfolgend nicht zuletzt aufgrund des Ukraine-Krieges in Bedrängnis.

Das große Produktionswerk von Mercedes-Benz in Moscovia hatte die Produktion im März eingestellt und soll nun vollständig verkauft werden. Die Vertriebsgesellschaft und das Pkw-Montagewerk mit noch mehr als tausend Beschäftigten sollen an den russischen Investor Avtodom verkauft werden, erklärte Harald Wilhelm. Der Finanzchef sagte laut der faz, dass das Russland-Geschäft seit März im „Winterschlaf“ gewesen sei, dieser Zustand aber „auf Dauer nicht haltbar“ wäre. Das dafür zuständige Team habe den vollständigen Verkauf des Russland-Geschäfts seit Monaten vorbereitet. Auch Porsche hatte die Lieferungen nach Russland früh gestoppt, „solange Krieg herrscht, wird nicht geliefert“, hatte Porsche-Chef Oliver Blume erklärt.

Mercedes-Benz hält offenbar eine Verbindung zu Russland aufrecht - Anteile an Panzerwagenhersteller

Mit dem Verkauf der russischen Standorte an den Autohändler Avtodom beendet Mercedes-Benz die Geschäfte in Russland endgültig. Laut russischen Medien könnten in dem großen Produktionswerk nahe Moskau künftig chinesische Autos gefertigt werden. Die chinesische Regierung hatte sich nach dem Beginn des Ukraine-Krieges mehrfach auf die Seite des Aggressors gestellt und auch offen gegenüber Taiwan gedroht. Die chinesisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen litten darunter, weswegen mehrere hochrangige Führungskräfte beim ersten Amtsbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in China nicht dabei sein werden. Auch Mercedes-Chef Ola Källenius wird Olaf Scholz nicht nach China begleiten.

Mit dem Verkauf der russischen Standorte reißt Mercedes-Benz die Brücken nach Russland allerdings nicht komplett ab. Bereits zu Beginn des Ukraine-Krieges geriet der Autokonzern in die Kritik, da Mercedes mit einem Panzerwagenhersteller aus Russland zusammenarbeitet. Die 15 Prozent Anteile an Kamaz hält der Stuttgarter Traditionshersteller auch weiterhin. Wie die Nachrichtenagentur Reuters in Bezug auf Daten des europäischen Unternehmensverbandes AEB berichtet, seien zwischen Januar und September rund 9.500 Fahrzeuge mit dem Stern nach Russland ausgeliefert worden. Mercedes selbst gab an, dass es sich dabei um Restbestände der Händler handele, da der Konzern selbst die Auslieferung bereits im März gestoppt habe. Russland importiert mit einer hinterlistigen Masche allerdings weiterhin Produkte von Mercedes, Tesla und Co.

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