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Kleine Firma im Saarland bringt das Herz der weltweiten Mercedes-Produktion zum Schlagen

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Von: Julian Baumann

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In der „Factory 56“ in Sindelfingen wird die Karosserie einer Mercedes S-Klasse von einem Roboter zusammengesetzt.
Die Software, die die hochmoderne „Factory 56“ in Sindelfingen und andere Mercedes-Benz-Standorte digital vernetzt, wird vom Unternehmen Abat+ im Saarland entwickelt. © Mercedes-Benz AG - Global Communication

Mit einer eigens entwickelten Software digitalisiert das Unternehmen Abat+ in einer Kleinstadt im Saarland die weltweite Produktion von Mercedes-Benz.

Stuttgart/St. Ingbert - In der weltweiten Autoindustrie sind die Themen Digitalisierung und Software schon lange mindestens genauso wichtig wie Ingenieurskunst und Motorenbau. Im September 2020 eröffnete der Autokonzern Mercedes-Benz in Sindelfingen bei Stuttgart das Werk der Zukunft, in dem beispielsweise die aktuelle Mercedes S-Klasse und das elektrische Pendant EQS entstehen. Die „Factory 56“ ist eine hochmoderne Produktionsanlage, die vollständig digitalisiert und vernetzt ist. Die Konzeption des Zukunftswerks, die im Jahr 2017 begann, war auch die Blaupause für das Unternehmen Abat+, das in der Kleinstadt St. Ingbert im Saarland die Software für die Digitalisierung der weltweiten Mercedes-Standorte entwickelt.

Vor zwölf Jahren gründete Peter Grendel, der ehemals beim Softwareunternehmen SAP aus Walldorf angestellt war, in der Stadt St. Ingbert in einer ehemaligen Brauereivilla das Unternehmen Abat+, berichtet das Handelsblatt. Die Stadt selbst hat rund 37.000 Einwohner und ist damit in etwa mit Backnang in Baden-Württemberg zu vergleichen. Dennoch schlägt im Saarland das Herz der weltweiten Produktion des Weltkonzerns Mercedes-Benz. „Wir digitalisieren Automobilhersteller“, sagte Grendel bei einem Besuch von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Mercedes-Benz: Weltweite Standorte mit „Echtzeitanwendung“ von Abat+ digitalisiert

Die „Factory 56“ von Mercedes-Benz ist das Vorzeigeprojekt einer voll digitalisierten Produktionsanlage. Die Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und auch die Mitarbeiter, die die Prozesse auf Bildschirmen in Echtzeit überwachen, sind in einem leistungsfähigen WLAN- und 5G-Mobilfunknetz miteinander verbunden. Eben diese „hochverfügbare Echtzeitanwendung“, die auch die anderen Standorte des großen Autobauers weltweit vernetzt, stammt von Abat+. Weil die Gründer des Unternehmens zuvor beim Softwarekonzern aus Walldorf angestellt waren, ist die Anwendung laut dem Handelsblatt natürlich SAP-kompatibel.

Mercedes-Benz ist der größte Kunde des Softwareunternehmens aus St. Ingbert, aber auch Audi, Miele und Möbelhersteller wie Nobilia setzen auf die Anwendung. Abat+-Gründer Peter Grendel stammt selbst aus Baden-Württemberg, studierte in Mannheim und lebt inzwischen in Heidelberg. Deshalb ist es auf den ersten Blick auch nicht naheliegend, dass Abat+ seinen Unternehmenssitz in einer Kleinstadt im Saarland hat. „Der Wettbewerb und die Konkurrenz sind hier nicht so groß wie in Baden-Württemberg“, erklärte Grendel dem Handelsblatt.

Mercedes-Benz, Audi und Co. sind Kunden, aber Abat+ sucht weitere Kooperationspartner

Das vor zwölf Jahren gegründete Unternehmen Abat+ begann mit 20 Mitarbeitern. Inzwischen ist das Team auf 230, meist junge IT-Experten an 14 Standorten weltweit angewachsen. Neben der digitalen Vernetzung von Produktionswerken von Mercedes-Benz oder Audi und anderen Unternehmen aus der Wirtschaft entwickelt Abat+ auch andere Lösungsansätze. Beim Besuch von Bundesverkehrsminister Wissing bot Grendel diesem eine mögliche Lösung für eines seiner größten Probleme an. Eine App soll durch Eingabe eines Verkehrsmittels anzeigen, welche CO2-Menge bei einer An -oder Abreise verursacht wird.

Dann könnte ein App-Nutzer sich für die umweltfreundlichere Variante entscheiden und dadurch Bonusmeilen sammeln, berichtet das Handelsblatt. Diese könnten wiederum als Rabatt für eine Bahnfahrt eingetauscht werden, so die Idee von Abat+. „Wir brauchen nur noch einen Kooperationspartner“, sagte Peter Grendel dem Verkehrsminister. „Vielleicht die Deutsche Bahn oder gleich Ihr Ministerium.“ Volker Wissing zeigte sich zum Abschluss seines Besuchs bei Abat+ von der App-Idee angetan. „Ich werde gern mal mit der Bahn reden.“

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