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Mercedes-Personalchefin kündigt Stellenabbau an bestimmten Standorten an

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Von: Julian Baumann

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Interview mit Sabine Kohleisen, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group AG, in der Zentrale des Konzerns in Stuttgart-Untertürkheim.
Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen hebt die Wichtigkeit der Digitalisierung hervor, bestätigt aber auch, dass der Wandel mit einem Stellenabbau einhergehen wird. © Julian Rettig/dpa

Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen sieht große Veränderungen auf den Autokonzern zukommen. Digitalisierung und Transformation werden an bestimmten Standorten Arbeitsplätze kosten.

Stuttgart - Die zentralen Themen für die Zukunft des Autokonzerns Mercedes-Benz sind zum einen der Wandel zur E-Mobilität und zum anderen der stärkere Fokus auf den Luxus. Im Rahmen der E-Auto-Transformation hat Mercedes-Benz in diesem Jahr mit der Präsentation des EQE SUV das E-Auto-Quartett komplettiert, 2024 soll zudem die bereits mit Spannung erwartete elektrische G-Klasse auf den Markt kommen. Für den großen Wandel hat der Weltkonzern aus Stuttgart kürzlich den Plan für mehrere wichtige Werke vorgestellt. Mercedes-Benz stellt die wichtigsten Motorenwerke ab 2024 auf Elektro um.

Die Umstellung wird an bestimmten Standorten von Mercedes-Benz, vor allem an denen, die Antriebsstränge produzieren, aber wie bereits befürchtet, mit einem Stellenabbau einhergehen, wie Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte. „Es wird so sein, dass wir weniger Beschäftigung an diesen Standorten haben werden“, sagte die Managerin. Wie viele Stellen wegfallen werden, könne sie aktuell nicht sagen, da dies von dem Hochlauf der E-Mobilität abhänge.

Mercedes-Benz: Große Veränderungen für Standorte - Personalchefin sieht aber auch Chancen

Obwohl Mercedes-Benz das Angebot an elektrischen Autos der Marke Mercedes-EQ immer weiter ausbaut - laut Berichten ist eine neue elektrische C-Klasse auf Basis des Forschungsautos EQXX geplant - produziert der Konzern zum jetzigen Stand noch immer deutlich mehr Pkw mit Verbrennungsmotor. Deshalb herrsche aktuell auch in den Antriebsstrangwerken noch Vollbeschäftigung, da der Verbrenner noch immer einen großen Anteil an der Produktion habe, sagte Sabine Kohleisen. Für die Produktion eines Motors und Getriebes brauche es mehr Menschen als für den Antrieb eines Elektrofahrzeugs. Vom Mercedes-Betriebsrat hieß aber, die neue Ausrichtung dürfe „nicht zum Nachteil der Beschäftigten“ umgesetzt werden.

Mitarbeiter von Mercedes-Benz arbeiten an der vollelektrischen Luxuslimousine EQS im Werk in Sindelfingen.
Für die Konzeption eines E-Auto-Modells braucht es weniger Personal als für die Produktion von Motoren und Getriebe. © Mercedes-Benz AG - Global Communication

Entsprechend kämen große Veränderungen auf die Standorte zu, wie auch echo24.de berichtet. Andererseits würden auch neue Produkte und Technologien an die Standorte gebracht, verbunden mit der Möglichkeit, sich für neue Beschäftigungsprofile zu qualifizieren. Es gehe darum, „den Wandel zu umarmen“, erklärte die Personalchefin von Mercedes-Benz. Im Sommer hatte Kohleisen eine Offensive bei der Weiterbildung verkündet. Bis 2023 sollen in Deutschland 1,3 Milliarden Euro investiert werden, „um den Herausforderungen der Transformation gerecht zu werden“. Mit dem Anlauf zeigte sich Kohleisen zufrieden. Von 80 000 Lizenzen hätten seit September 25 000 Mitarbeiter ihre Zugänge aktiviert. „Wir freuen uns, dass das so gut angenommen wird und die Beschäftigten selbst aktiv werden“, sagte sie.

Mercedes-Personalchefin: Digitalisierung genauso wichtig wie E-Autos - „wenn nicht sogar noch mehr“

Die Umstellung auf die Produktion von E-Autos sei aber nur ein Teil der Transformation der Autoindustrie. „In meiner Wahrnehmung sprechen alle immer von Elektromobilität. Dabei ist die Digitalisierung mindestens eine genauso historische Wende, wenn nicht sogar noch mehr“, machte die Personalchefin von Mercedes-Benz gegenüber der dpa deutlich. Die Digitalisierung erfasse alle Bereiche des Unternehmens, nicht nur die Antriebsstrangwerke. „Überall stellt sich beispielsweise die Frage: Wie gehe ich mit Daten um, und wie kann ich aus Daten Erkenntnisse ziehen?“

Es gehe auch darum, sich zu fragen, welche Prozesse digitalisiert und automatisiert werden können, um in der dann zur Verfügung stehenden Zeit wertigere Dinge zu tun. „Das ist aus meiner Sicht die riesengroße Transformation“, sagte Kohleisen. Das Ziel, weltweit 3.000 Softwareentwickler einzustellen, habe Mercedes-Benz nahezu erreicht. 2.300 seien mittlerweile an Bord, sagte die Personalchefin. Am Standort in Sindelfingen, wo 1.000 Softwareentwickler eingestellt werden sollten, sei das Ziel erreicht. Ein neues übergeordnetes Einstellungsziel sei derzeit nicht geplant. (mit Agenturmaterial)

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