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„Brauchen keine Verbote“: Mercedes-Chef spricht sich gegen Tempolimit und Fahrverbote aus

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Von: Julian Baumann

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Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, spricht während der Eröffnung im Werk „Factory 56“.
Mercedes-Chef Ola Källenius hat sich gegen Fahrverbote und ein Tempolimit ausgesprochen. Der Autokonzern will den eigenen Gasverbrauch um 50 Prozent senken. © Silas Stein/dpa

Zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs wird derzeit über ein Tempolimit und zeitlich begrenzte Fahrverbote diskutiert. Mercedes-Chef Ola Källenius hat andere Vorstellungen.

Stuttgart - Der Ukraine-Krieg hat für Verbraucher und die Wirtschaft auch fast neun Monate nach dem Beginn noch immer fatale Folgen. Während die Bewohner des osteuropäischen Landes tapfer um Land und Leben kämpfen, sind die anderen europäischen Länder aufgrund der Energiekrise zum Sparen verdammt - was neben den Privathaushalten auch die Industriebetriebe betrifft. Ausgerechnet Markus Duesmann, Chef des Ingolstädter Autoherstellers Audi, hatte sich vor wenigen Wochen zur Einsparung von Kraftstoff und Energie für autofreie Tage, wie sie in den 70er-Jahren bereits umgesetzt wurden, und auch für ein Tempolimit ausgesprochen.

Auf eine BW24-Anfrage, wie Mercedes-Benz zu diesem kontrovers aufgefassten Vorstoß des Audi-Chefs steht, hatte eine Sprecherin des Stuttgarter Autokonzerns erklärt, dass es eines wirksamen „Gesamtpakets an Maßnahmen, um einen Energienotstand abzumildern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren“ bedarf. Mercedes-Benz wolle in der Energiekrise unabhängiger werden. Konzernchef Ola Källenius sprach sich in einem Interview mit dem Handelsblatt nun konkret gegen Verbote aus und erklärte, dass der Verbrauch technologisch reduziert werden könne.

Mercedes-Chef Ola Källenius plädiert für freiwilliges Energiesparen: „Das ist jetzt erste Bürgerpflicht“

Ein allgemeines Tempolimit auf den deutschen Autobahnen wird seit langem kritisch diskutiert. Befürworter nennen weniger Verkehrstote und Unfälle als Hauptargument für die Maßnahme, Gegner sehen darin eher eine drastische Einschneidung für den Verkehr in Deutschland. Porsche- und VW-Chef Oliver Blume sprach sich gegen ein Tempolimit aus. „Heute gibt es auf den begrenzten Strecken ohne Tempolimit noch ein Stückchen individueller Freiheit, die man sich in Deutschland weiter bewahren muss“, sagte Blume. Mercedes-Chef Ola Källenius nannte auf die derzeitige Debatte angesprochen eine ähnliche Begründung. „Wir brauchen keine Verbote, wir können den Verbrauch intelligent technologisch reduzieren“, sagte er. „Zudem sind unsere Autobahnen ein weltweites Gütesiegel für unsere Autos.“

Obwohl die Debatte um ein Tempolimit bereits seit langem andauert, hat sie durch die Folgen des Ukraine-Krieges neuen Aufwind bekommen. Neben dem Audi-Chef nennen auch einige Politiker die Maßnahme als sinnvolles Mittel gegen die Abhängigkeit von russischem Erdöl. „Es ist höchste Zeit für spritsparendes Autofahren und für ein Tempolimit“, hatte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im März erklärt. Statt eines Zwangs oder eines Verbots plädierte Ola Källenius für freiwillige Maßnahmen. „Jeder muss so viel Energie sparen wie möglich, das ist jetzt erste Bürgerpflicht“, machte der Mercedes-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich. „Dann wird der Mercedes-Stern nachts eben nicht beleuchtet.“

Mercedes-Chef setzt Sparmaßnahmen auch privat um - „weniger Lampen und ein paar Grad kühler“

Mercedes-Benz hatte im Rahmen der Energiekrise angekündigt, den Ausfall mit sogenanntem grünen Strom aus erneuerbaren Energiequellen ersetzen zu wollen. Zudem würde die Lackiererei im großen Mercedes-Werk in Sindelfingen im Notfall ganz ohne Gas auskommen. Gerade die Autoindustrie ist von einem Gasmangel ganz besonders betroffen, da das Herunterfahren der Produktionen bei Maschinenbauer, der Chemiebranche und den Stahlkonzernen auch die Autoproduktion zum Erliegen bringen würde. Mercedes-Benz hat deshalb bereits einen Tag nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, am 24. Februar, eine Taskforce gegründet, wie Ola Källenius erklärte. „Ein Ergebnis: Wir können unseren Gasverbrauch um bis zu 50 Prozent reduzieren und durch Strom oder Öl ersetzen.“

Auch der Energieversorger EnBW aus Karlsruhe hatte auf BW24-Anfrage erklärt, die Temperatur in den eigenen Büros bereits runterreguliert zu haben. Man wolle die Mitarbeiter aber „nicht ins Homeoffice zwingen“. Neben der Industrie sind allerdings auch Privatpersonen zum Sparen aufgerufen. Laut einer Umfrage gehen die Deutschen bereits sparsamer mit der Energie um. „Bei uns zu Hause werden weniger Lampen angemacht und es ist ein paar Grad kühler“, sagte auch der Mercedes-Chef. „Die Menschen im Krieg leiden viel mehr.“ Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte erklärt, zu Hause aktuell nur das Wohnzimmer zu beheizen.

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