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Mercedes-Chef Källenius: Distanzierung von China „absolut unvorstellbar“

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Von: Julian Baumann

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Ola Källenius, Vorsitzender des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG, präsentiert den AMG EQE SUV im Musée Rodin während einer Mercedes-Benz Präsentation in Paris, am dem Vorabend der Eröffnung des Pariser Autosalons.
Mercedes-Chef Ola Källenius hat sich angesichts der Bedeutung Chinas für die deutsche Autoindustrie gegen eine Distanzierung ausgesprochen. © Eric Piermont/dpa/AFP

Wenige Tage nach der China-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sich Mercedes-Chef Ola Källenius gegen eine Distanzierung von der umstrittenen Volksrepublik aus.

Stuttgart/Berlin - Der chinesische Automarkt ist für die gesamte westliche Autoindustrie von großer Bedeutung, beim Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz spielt das Land aber eine noch prägendere Rolle. Wie im vergangenen Jahr bekannt wurde, halten chinesische Investoren inzwischen rund 20 Prozent am schwäbischen Traditionskonzern. Dass die Luxus-Strategie den Autohersteller noch abhängiger von China machen könnte, sieht Mercedes-Chef Ola Källenius aber nicht, wie er im September erklärte. Auch nach der China-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), die mitunter scharf kritisiert wurde, sprach sich der Konzernchef gegen eine Distanzierung von China aus.

Als erster westlicher Regierungschef hat Bundeskanzler Olaf Scholz die Volksrepublik China besucht und sich mit Präsident Xi Jinping getroffen. Im Gegensatz zum vorherigen Staatsbesuch von Angela Merkel im Jahr 2019 war die Wirtschafts-Delegation trotz der wichtigen Verbindungen zwischen Deutschland und China stark ausgedünnt. Mercedes-Chef Ola Källenius begleitete den Regierungschef wegen „wichtigen Terminen“ nicht nach China. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erklärte der schwedische Manager am Montag, 7. November, dennoch, dass die Reise des Bundeskanzlers richtig gewesen sei.

Mercedes-Chef nicht Teil von Scholz Delegation - hält die China-Reise des Kanzlers aber für richtig

Die deutsche Autoindustrie ist seit langem stark von China abhängig und verkauft einen Großteil der Fahrzeuge auf dem dortigen Markt. Die Volksrepublik ist aufgrund des autoritären bis totalitären Regierungsstils der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) aber auch sehr umstritten. Zudem stellte sich die chinesische Regierung in jüngerer Zeit immer wieder auf die Seite des Aggressors Russland, der in der Ukraine einen Angriffskrieg führt, und drohte offen gegen Taiwan. Der Taiwan-China-Konflikt könnte auch für die deutsche Autoindustrie fatale Folgen haben. Deshalb waren vor dem Kurzbesuch von Olaf Scholz auch seit langem keine westlichen Regierungsvertreter mehr in dem Land.

Obwohl Mercedes-Chef Ola Källenius den Bundeskanzler bei seiner Reise nach China nicht begleitet hatte, sprach er sich am Montag bei einer Veranstaltung der Berliner Wirtschaftshochschule ESMT für die Richtigkeit des Trips aus. „Von China abzurücken, weil irgendetwas passieren könnte, wäre die falsche Richtung“, erklärte er und sprach sich erneut gegen eine Distanzierung von der Volksrepublik aus. Es sei „absolut unvorstellbar“, das Land abzuschreiben. Es sei wichtig gewesen, dass Olaf Scholz Xi Jinping auf dem Parteitag getroffen habe, so der Mercedes-CEO. Der Präsident Chinas wird seit seiner Machtübernahme im Jahr 2012 von Beobachtern stark kritisiert und hatte seine Amtszeit erst kürzlich verlängert.

Mercedes-Benz, VW, BMW: China ist für die deutschen Hersteller unabdingbar

Jahrzehntelang dominierten die europäischen Autohersteller, allen voran Mercedes-Benz, VW und BMW, den chinesischen Markt. Inzwischen drängen aber auch durch den Hochlauf der E-Auto-Produktion immer mehr chinesische Start-ups auf den heimischen Markt, die ihre Modelle deutlich günstiger anbieten als die Traditionskonzerne aus Europa. Dadurch entsteht ein regelrechter Preiskampf, Mercedes und BMW sollten „beunruhigt“ sein, erklärte ein Experte. „Wir laufen Gefahr, in eine Art Subventionsrennen zu geraten“, sagte auch Ola Källenius am Montag. „Vielleicht hat die EU keine Wahl, in dieses Rennen einzusteigen, wenn wir nicht zurückfallen wollen.“

Neben Mercedes-Benz, das in China gut ein Drittel seines Jahresgeschäfts macht, ist auch Europas größter Autokonzern eng mit der Volksrepublik verknüpft. VW macht rund 40 Prozent des Umsatzes in dem Land. Im Gegensatz zu Mercedes-Chef Ola Källenius war VW-Chef Oliver Blume, der auch weiterhin den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche leitet, Teil der Delegation von Bundeskanzler Scholz. Der Wolfsburger Konzern sieht sich aufgrund seines Werkes in der chinesischen Provinz Xinjiang, in dem laut Menschenrechtlern auch unterdrückte Minderheiten zur Arbeit gezwungen werden, mit anhaltender Kritik konfrontiert. Die Schließung des Werkes ist aufgrund der starken Abhängigkeit von China für den neuen VW-Chef aber wohl schwierig.

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