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Mercedes-Betriebsrat: „Essenziell, dass neue Ausrichtung nicht zum Nachteil der Beschäftigten umgesetzt wird“

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Von: Julian Baumann

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Mitarbeiter von Mercedes-Benz in der Software-Integrationsfabrik am Standort Sindelfingen.
Mercedes-Benz setzt auf Luxus und Elektrifizierung. Laut dem Betriebsratschef darf diese Ausrichtung nicht zum Nachteil der Angestellten werden. © Mercedes-Benz AG – Communications

Mercedes-Benz setzt auf Luxus und E-Autos. Für die Arbeitnehmervertreter steht dabei die Sicherung der Arbeitsplätze im Mittelpunkt.

Stuttgart - Autokonzern Mercedes-Benz will sich stärker auf den Luxus konzentrieren und streicht drei Modelle aus dem Einstiegssegment. Das erklärte der Vorstand um Mercedes-Chef Ola Källenius am 19. Mai bei einem Strategie-Update. Die Ausrichtung auf hochpreisige Modelle traf bislang auf ein geteiltes Echo. „Die Reaktionen sind sehr positiv“, erklärte Strategiechefin Carolin Strauß im Gespräch mit BW24. „Ich glaube, es ist gut, dass wir uns einen klaren Fokus setzen, auch in Zeiten der Transformation eine klare Richtung vorgeben und unsere Strategie weiter konsequent umsetzen.“ Kritik kam aber beispielsweise aus der Politik. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) etwa bezeichnete die Mercedes-Strategie als Einladung für asiatische Hersteller.

Die Ausrichtung auf Luxus und die Elektromobilität betrifft natürlich auch die Mitarbeiter des Traditionskonzerns aus Stuttgart. Im Interview mit der WirtschaftsWoche erklärte Ergun Lümali, Gesamtbetriebsratschef von Mercedes-Benz, dass sich die Arbeitnehmervertreter dafür starkmachen, dass die Fahrzeuge auch in Zukunft von Menschen entwickelt, gebaut und verkauft werden. Zudem hoffe er, dass er sich im Rahmen der Transformation keine Sorgen um die deutschen Standorte des Konzerns machen muss.

Mercedes-Benz: Für die Arbeitnehmervertreter geht es um die Struktur im Konzern

Laut Berichten soll der Luxus-Strategie von Mercedes-Benz unter anderem die beliebte A-Klasse zum Opfer fallen. Der Konzern konzentriert sich stattdessen auf die hochpreisigen Modelle. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte erklärt, dass die Modelle im Einstiegssegment von derzeit sieben auf vier reduziert werden sollen. Welche genau das seien, „überlasse ich Ihrer Vorstellungskraft“, so Källenius in einem Medien Q&A im Vorfeld des Strategie-Updates am 19. Mai. Für die Arbeitnehmer sei entscheidend, dass die Volumina stimmen und die Werke weiterhin ausgelastet sind, sagte Betriebsratschef Ergun Lümali der WirtschaftsWoche.

Die Arbeitnehmervertreter von Mercedes-Benz fordern deshalb, dass die deutschen Standorte bei der Luxus-Strategie eine wichtige Rolle spielen. „[Wir] machen uns dafür stark, dass die zukünftigen Fahrzeuge von Menschen entwickelt, gebaut und verkauft werden, die sich seit Jahrzehnten für den Stern einsetzen“, so Lümali. „Um diese Höchstleistung zu erbringen, braucht es die Gewissheit eines zukunftsträchtigen Arbeitsplatzes in einem sicheren Betrieb bei fairer Bezahlung.“

Das Ziel der Luxus-Strategie ist es, profitabler zu wachsen und dadurch höhere Rendite zu erzielen. Damit ist der Autobauer bereits sehr erfolgreich. Laut einer Studie ist Mercedes-Benz die wertvollste Marke Deutschlands. Für die Arbeitnehmervertreter geht es aber vor allem um die Struktur im Konzern. „Für uns ist essenziell, dass die neue Ausrichtung nicht zum Nachteil der Beschäftigten umgesetzt wird“, machte Ergun Lümali deutlich. „Die Auslastung der deutschen Werke muss garantiert werden.“

Mercedes-Betriebsratschef Lümali: „Wir müssen den Beschäftigten Inhalt und Perspektive geben“

Vor allem im Rahmen der Transformation zur E-Mobilität befürchten die Mitarbeiter von Mercedes-Benz seit langem, dass ihre aktuellen Aufgaben entfallen könnten. Ein internes „Job Forum“, das solche Beschäftigte auffangen sollte, traf im vergangenen Jahr auf deutliche Kritik. Dass sogar ganze Standorte des Autokonzerns der Umstellung zum Opfer fallen könnten, sieht der Betriebsratschef allerdings nicht. „Ich hoffe, dass ich mir um keinen deutschen Standort Sorgen machen muss“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Und ich habe auch bis jetzt keine Aussage vom Vorstand gehört, dass ein Werk, ein Standort bei uns besonders infrage gestellt wird.“

Bis Ende 2029 seien betriebsbedingte Kündigungen bei Mercedes-Benz ohnehin ausgeschlossen. „Wir müssen den Beschäftigten Inhalt und Perspektive geben“, sagte Ergun Lümali. „In Rastatt, Bremen und Sindelfingen etwa sind wir da gerade dabei, neue Produkte aus dem Bereich Elektrifizierung zu vereinbaren.“ Ernsthafte Gedanken machen sich die Arbeitnehmervertreter über die Standorte, an denen Komponenten für den Verbrennungsmotor gefertigt werden.

Die EU-Kommission fordert ein Verbrenner-Aus ab 2035. Mercedes hatte diesen Vorstoß begrüßt. Bereits im vergangenen Jahr hat Mercedes den Standort in Berlin-Marienfelde zu einem Kompetenzzentrum für die E-Mobilität umgebaut und legte kürzlich den Grundstein für einen E-Campus am Hauptsitz in Untertürkheim. „Und genau da werden wir weitermachen“, sagte der Betriebsratschef. „Wir werden im Zuge der Elektrifizierung weitere Komponenten an die Verbrenner-Standorte holen.“

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