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Mercedes will das „menschliche Verlangen nach etwas Speziellem“ erfüllen

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Von: Julian Baumann

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Das Konzeptauto Mercedes-Maybach Haute Voiture beim Strategie-Update in Nizza.
Mercedes-Benz konzentriert sich in Zukunft noch stärker auf Luxusmodelle der Kernmarke und der Marken Maybach und AMG. © Mercedes-Benz AG, Communications

Mercedes-Benz will sich noch stärker auf den Luxus besinnen und treibt die Transformation zur E-Mobilität weiter voran. Die Preise dürften in Zukunft steigen.

Stuttgart/Nizza - Mercedes-Benz will sich noch stärker auf den Luxus besinnen und treibt die Transformation zur E-Mobilität weiter voran, wie der Vorstand des Autobauers am 19. Mai bei einem Strategie-Update an der Côte d’Azur erklärte. Unter anderem streicht Mercedes drei Modelle und will sich noch stärker auf den Luxus besinnen. Auch der bereits eingeschlagene Weg zur völligen CO2-Neutralität im Jahr 2039 war Thema bei der Veranstaltung „The Economy of Desire“.

Mercedes-Chef Källenius: „Der Einstieg in die Marke wird in Zukunft ein anderer sein“

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Mercedes-Chef Ola Källenius die Frage, ob es aktuell die richtige Zeit sei, über „Desire“ (‚Verlangen‘) zu sprechen, während die Corona-Pandemie andauere und mitten in Europa ein Krieg tobe. Mit „Desire“ meint der Autobauer nach Angaben des CEO aber das „menschliche Verlangen nach etwas Speziellem“. Dieses Verlangen will Mercedes in Zukunft mit Luxus und streng limitierten Modellen erfüllen. Dass damit auch die Preise für künftige Automodelle mit dem Stern auf einem hohen Level sein werden, verbarg Finanzchef Harald Wilhelm bei seiner Präsentation nicht.

Im Gegensatz zu anderen Autoherstellern, wie etwa E-Auto-Hersteller Tesla, strebt Mercedes-Benz nicht an, beim Volumen konkurrenzfähig zu bleiben. Stattdessen will der Autobauer den Kunden und Investoren Qualität und einen hohen Wert bieten. Das wirkt sich aber auch auf das Produktportfolio aus. „Der Einstieg der Marke wird in Zukunft ein anderer sein“, machte Ola Källenius bei der Veranstaltung deutlich. Der Konzern reduziert das Produktangebot im Einstiegssegment demnach von derzeit sieben auf künftig vier Modelle. Im Vorfeld wurde bereits spekuliert, dass die A- und B-Klasse neuen E-Autos weichen könnten. Dass diese Modelle betroffen sein werden, bestätigte der Mercedes-Vorstand allerdings nicht direkt.

Im Rahmen der Luxus-Strategie fokussiert sich Mercedes-Benz aber deutlich auf die hochpreisigen Modelle der Kernmarke, der Luxusmarke Maybach, der Tuning-Marke AMG und die elektrischen Modelle von Mercedes-EQ. Kürzlich stellte Mercedes bei einer Weltpremiere die SUV-Version des Flaggschiffs EQS vor. Zudem soll das Portfolio auch mit limitierten Editionsmodellen erweitert werden. Gorden Wagener, Design-Chef aller Marken des Mercedes-Konzerns, kündigte eine streng limitierte Modellreihe namens „Mythos-Serie“ an, die nur für die treuesten Kunden gedacht ist.

Mit dem Fokus auf hochpreisige Modelle wird Mercedes-Benz künftig die Margen wohl weiter nach oben treiben, im Gegenzug aber auch deutlich weniger Autos verkaufen. „Luxus ist nicht für Jedermann“, sagte auch Gorden Wagener.

Mercedes-Benz will bis 2039 komplett CO2-neutral sein

Neben der Rückbesinnung auf den Luxus treibt Mercedes-Benz auch die Transformation zur E-Mobilität weiter voran. Seit diesem Jahr produziert der Autobauer bereits CO₂-neutral, ab 2025 soll jedes Mercedes-Modell auch in einer vollelektrischen Version verfügbar sein. Ab 2030 will Mercedes überall, wo es die Marktbedingungen zulassen, nur noch E-Autos verkaufen und im Jahr 2039 komplett CO₂-neutral sein. Der Fortschritt bei der E-Mobilität des Stuttgarter Konzerns zeigt sich bei dem Forschungsfahrzeug EQXX. Mercedes stellte mit dem Super-E-Auto kürzlich einen Reichweitenrekord auf. Das Fahrzeug legte dabei eine Strecke von über 1.000 Kilometern mit einer einzigen Batterieladung zurück.

Das Konzeptauto EQXX setzt in Sachen Reichweite einen neuen Maßstab. „Ich bin von Stuttgart bis hier her (an die Côte d’Azur, Anm.d.Red.) ohne Ladestopp gefahren“, erklärte Designchef Gorden Wagener bei dem Strategy-Update. Die Forschungsergebnisse des Modells sollen zudem zukünftigen E-Auto-Modellen zugutekommen. Als nächstes Modell hat Mercedes-Benz bereits die elektrische G-Klasse EQG für das Jahr 2024 angekündigt. Die G-Klasse wurde bei der Veranstaltung als „Ikone“ und als „eigene Marke“ bezeichnet. Wie beliebt der große Geländewagen ist, zeigt auch ein Bestellstopp der G-Klasse bis ins Jahr 2024.

Mercedes-Finanzchef: Neue Modelle werden preislich im Bereich der S-Klasse und EQS liegen

Das erklärte Ziel von Mercedes-Benz ist es demnach zum einen, die E-Auto-Strategie weiter voranzutreiben und zum anderen, durch den Fokus auf hochpreisige Modelle die Margen zu erhöhen. Das bedeutet aber auch, dass neue Modelle von Mercedes preislich deutlich höher angesetzt werden dürften. „Die preisliche Positionierung bewegt sich im Bereich der S-Klasse, des EQS oder auch des EQS SUV“, erklärte Mercedes-Finanzvorstand Harald Wilhelm. „Erwarten Sie nicht weniger.“

Konkret will Mercedes die Umsatzrendite auch bei ungünstigen Marktlagen wie einer Inflation durch den Fokus auf hochpreisige Modelle dauerhaft auf einem zweistelligen anstelle eines einstelligen Werts halten. Während Fans luxuriöser Automodelle und exklusiver Derivate in Zukunft deutlich eher auf ihre Kosten kommen dürften, müssen die Kunden für ein Mercedes-Modell deutlich tiefer in die Taschen greifen. Auch im Einstiegssegment sollen die Preise steigen.

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