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Mercedes kann Flottenwerte bislang nur in Europa einhalten - „darf nicht im Imagedesaster enden“

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Von: Julian Baumann

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Bei der Hauptversammlung von Mercedes-Benz zeigten sich die Aktionäre mit dem Gewinn des Autobauers zufrieden. Die Flottenwerte bereiten außerhalb Europas aber Sorgen.

Stuttgart - Am 29. April lud der Autokonzern Mercedes-Benz zum ersten Mal seit der Abspaltung des Nutzfahrzeuggeschäfts zur jährlichen Hauptversammlung. Dabei hatte Mercedes-Chef Ola Källenius für die Aktionäre des Dax-Konzerns eigentlich durchweg gute Nachrichten. Das Traditionsunternehmen aus Stuttgart trotzte im ersten Quartal 2022 gleich mehreren Krisen und konnte den Umsatz deutlich steigern. Das begrüßten auch die Anteilseigner des Konzerns. „Der Stern strahlt wieder“, sagte etwa Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets bei Union Investment, laut dem Handelsblatt in Bezug auf den legendären Mercedes-Stern.

Mercedes-Benz: Aktionäre gespalten - Ertrag überzeugt, Nachhaltigkeit nur in Teilen

Die deutliche Gewinnsteigerung trotz Chipkrise und Ukraine-Krieg ist der Luxus-Strategie von Mercedes-Benz geschuldet. Die Schwaben konzentrieren sich darauf, vorrangig hochpreisige Modelle wie die S-Klasse oder das elektrische Pendant EQS zu produzieren. Für einen weltweit agierenden Großkonzern ist der reine Gewinn aber nur eines der Ziele, weswegen die Aktionäre auch auf soziale und ökonomische Aspekte achten. In Bezug auf die Flottenwerte des Autobauers mit dem Stern waren die Anteileigner allerdings nicht ganz zufrieden.

Seit Ola Källenius an der Spitze des Stuttgarter Autokonzerns steht, hat er Mercedes-Benz eine strenge Sparkur verordnet, die sich nun offenbar bezahlbar macht. „Das Management erntet jetzt die Früchte seiner Arbeit“, sagte Ingo Speich, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment. „Die Marge und der Cashflow steigen, die Produkte sind begehrt.“ Das zeigt sich derzeit beispielsweise beim Geländewagen: Mercedes-Kunden können die G-Klasse bis 2024 nicht mehr bestellen. Bei der Nachhaltigkeit sehen die Aktionäre von Mercedes-Benz laut dem Handelsblatt allerdings noch Luft nach oben.

In Europa konnte Mercedes-Benz die Flottengrenzwerte ohne Probleme einhalten. Auf den weltweit größten Automärkten in China und den USA musste der Konzern allerdings Verschmutzungsrechte erwerben, um Strafzahlungen zu vermeiden. „Die Klimabilanz enttäuscht“, kritisierte ESG-Experte Werning. „Das darf nicht zum Dauerzustand werden, sonst kostet es nicht nur viel Geld, sondern auch Glaubwürdigkeit und Reputation in den wichtigsten Märkten der Welt.“ Deka-Manager Speich erklärte laut dem Handelsblatt, dass sich Mercedes künftig keine Überschreitungen der Flottenwerte in den beiden Hauptmärkten mehr erlauben könnte. „Die hohe Nachfrage nach PS-Boliden darf für Mercedes nicht im Imagedesaster enden.“

Mercedes-Chef verspricht Besserung - „Abhängigkeit von fossilen Energien auf Dauer reduzieren“

Ein Ende des Verbrenner-Baus wurde bereits besiegelt; Mercedes-Benz will ab 2030 ausschließlich E-Autos produzieren. In Bezug auf die Flottenwerte versprach Ola Källenius auf der Hauptversammlung Besserung. „Der Krieg in der Ukraine und seine wirtschaftlichen Folgen machen erneut deutlich: Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energien auf Dauer reduzieren“, sagte der Mercedes-Chef. „Bis 2030 wollen wir die Hälfte des Weges erreicht haben. Dieses Jahr werden wir dabei weiter vorankommen.“ Nach aktuellem Stand erzielt der Traditionskonzern allerdings noch rund 95 Prozent des Gesamterlöses mit Verbrenner-Modellen.

Kürzlich stellte Mercedes-Benz bei einer virtuellen Weltpremiere die SUV-Version des Elektro-Flaggschiffs EQS vor. Dieses Modell soll laut Källenius nun auch in China und den USA eingeführt und später mit der SUV-Version des EQE ergänzt werden. Dadurch soll auch auf diesen Märkten der Flottenverbrauch kontinuierlich gesenkt werden. „Mercedes muss den Spagat zwischen der Produktion von aus der Zeit gefallenen Autos, wie zum Beispiel der G-Klasse, auf der einen Seite und der Elektrowelt auf der anderen Seite leisten“, forderte Speich. Konkurrenten wie der US-Autobauer Tesla hätten gezeigt, dass sich steigende Margen auch mit Massenmodellen realisieren lassen.

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