1. bw24
  2. Auto
  3. Mercedes-Benz

Mercedes schüttet 5,35 Milliarden Euro an Aktionäre aus und erntet Kritik - „eigene Mitarbeiter verarscht“

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Zwei Mercedes-Mitarbeiter in der Factory 56 bei der Produktion des Mercedes-AMG EQS.
Mercedes-Benz hat durch den Fokus auf hochpreisige Modelle den Gewinn vervielfacht. Die Ausschüttung von 5,35 Milliarden Euro an die Aktionäre trifft auf Kritik. © Mercedes-Benz AG – Communication

Mercedes-Benz hat seinen Gewinn vervielfacht und schüttet die höchste Dividende der Firmengeschichte an die Aktionäre aus. Das trifft im Netz auf Kritik.

Stuttgart - Im Dezember des vergangenen Jahres hat sich die Pkw-Sparte von der Daimler AG abgespalten. Der in Mercedes-Benz unbenannte Stuttgarter Autokonzern ist knapp drei Monate später so profitabel wie niemals zuvor. Die G-Klasse ist ausverkauft, und kann bis 2024 nicht mehr bestellt werden und der stärkere Fokus auf den Luxus und die Marken Maybach und AMG scheinen sich auszuzahlen. Trotz Chipmangel und anhaltender Corona-Pandemie blickt der Traditionskonzern mit dem Stern auf ein regelrechtes Rekordjahr zurück, von dem jetzt auch die Aktionäre profitieren sollen.

Bereits im Jahr 2020 erregte die damalige Daimler AG mit der Erhöhung der Dividenden für die Aktionäre die Gemüter. Daimler schüttete 1,4 Milliarden Euro für die Aktionäre aus, während tausenden die Kündigung drohte. Die Ausschüttung, über die sich die Aktionäre von Mercedes-Benz nun freuen können, ist laut dem Handelsblatt die höchste Dividende der über 136-jährigen Firmengeschichte des schwäbischen Autokonzerns. Pro Aktie sollen die Anteilseigner fünf Euro erhalten, insgesamt werden 5,35 Milliarden Euro ausgeschüttet. Im Netz trifft das auf deutliche Kritik, da Mercedes auch nach der Aufspaltung am strengen Sparplan mit massivem Stellenabbau festhält.

Mercedes-Benz trotzt Krisen und vervielfacht den Gewinn - Sparplan zeigt Wirkung

Mercedes-Benz zählt zu den wichtigsten und erfolgreichsten Automarken der Welt. Das zurückliegende Jahr stellt aber sogar für den Traditionskonzern einen Rekord dar. Nach der Abspaltung der inzwischen wirtschaftlich eigenständigen Daimler Truck AG hat sich der Gewinn beim Autokonzern vervierfacht und lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 29,1 Milliarden Euro. Dieses Rekordergebnis ist laut dem Handelsblatt durch einen sogenannten Einmaleffekt durch die Entkonsolidierung des Nutzfahrzeuggeschäfts im vierten Quartal 2021 aber überzeichnet. Dennoch entspricht der bereinigte Gewinn von 19,2 Milliarden Euro immer noch der doppelten Summe wie im Geschäftsjahr 2020.

Der Rekordgewinn von Mercedes-Benz hängt zum einen mit der deutlich gestiegenen Nachfrage nach den E-Auto-Modellen zusammen. Mercedes verkaufte im vergangenen Jahr mehr E-Autos als jemals zuvor. Der Fokus auf Luxusmodelle und Derivate der Luxusmarke Maybach und der Tuning-Marke AMG haben zudem den Umsatz pro Fahrzeug gesteigert. Dieser lag im Jahr 2021 im Durchschnitt bei 49.800 Euro. Allerdings macht sich bei dem Erfolg des Autobauers trotz der anhaltenden Krisen auch der strenge Sparplan im Konzern bemerkbar. Die Fixkosten sind seit 2019 um rund 16 Prozent gesunken.

Der strenge Sparplan, den Mercedes-Chef Ola Källenius aufgrund von Altlasten, Corona-Krise und der Transformation zur E-Mobilität bereits bei seinem Amtseintritt im Jahr 2019 angekündigte, bedeutet aber auch einen massiven Stellenabbau im Konzern. Der Mercedes-Betriebsratschef kritisierte den anhaltenden Sparplan kürzlich öffentlich. Die erneute sehr hohe Ausschüttung an die Aktionäre trotz anhaltendem Stellenabbau wird die Gemüter wohl weiter erhitzen.

Rekordausschüttung von Mercedes-Benz trifft auf Kritik - „Ich war mal stolz auf den Stern“

Nach dem Rekordjahr 2021 blickt Mercedes-Chef Ola Källenius zuversichtlich in die Zukunft und auf den Rest des Geschäftsjahres 2022. „2021 war für Mercedes-Benz ein Jahr des strategischen Fortschritts“, erklärte er. „Der Konzernabsatz unserer Top-End-Modelle stieg um 30 Prozent, der Absatz von elektrischen Pkws erhöhte sich um 64 Prozent, und unser bereinigtes Ebit wuchs um 105 Prozent. Das zeigt das Potenzial unseres Teams und unserer Marke.“ Für die kommenden Monate vermutet der CEO, dass sich die Pkw-Verkäufe wegen der Chipkrise nur leicht erhöhen werden. Dafür sollen die Verkäufe der Premiummodelle wie der Mercedes-S-Klasse oder dem elektrischen Pendant EQS deutlich ansteigen.

Im Netz trifft die hohe Dividendenausschüttung von Mercedes-Benz vor dem Hintergrund des anhaltenden Sparplans mitunter auf massive Kritik. „Warum nehmen die das Geld zumindest nicht und investieren in ihre eigene Zukunft durch Forschung und Entwicklung?“, fragt ein Nutzer auf Facebook. „Kurzarbeit für die Arbeitnehmer, aber für die Aktionäre mehr als ordentliche Ausschüttung? Geht‘s noch?“, kommentiert ein anderer. Dieser Meinung ist auch ein anderer User. „Super die eigenen Mitarbeiter verarscht“, schreibt er. „Ich war mal stolz auf den Stern vor meiner Brust, aber der Glanz wird sehr matt.“

Auch interessant

Kommentare