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Mercedes-Benz bekommt im Kampf gegen Rohstoffmangel Unterstützung vom Bund

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Von: Julian Baumann

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Ein EQC von Mercedes-Benz mit geöffneter Motorhaube am Standort in Bremen.
Mercedes-Benz und Projektpartner wollen im Kreis Rastatt eine Batterie-Recycling-Fabrik errichten. Der Bund fördert das Vorhaben mit einer Investition. © Mercedes-Benz AG - Global Communications

Mercedes-Benz setzt im Rahmen der E-Auto-Strategie auf das Recycling von Batterien. Das Bundeswirtschaftsministerium will dieses Vorhaben mit einer Investition fördern.

Stuttgart - Mit der EU-Entscheidung, ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen zu erlauben, wird der Umstieg auf E-Autos wohl noch schneller voranschreiten. Mercedes-Benz will bereits ab 2030 ausschließlich E-Autos produzieren. Mit dem Fokus auf die Produktion von batterieelektrischen Fahrzeugen steigt weltweit auch der Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien und dadurch auch der Bedarf an Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel. Laut einem Bericht reicht das Lithium-Vorkommen allerdings nur noch für etwa 11 Jahre. Mercedes setzt deshalb, wie beispielsweise auch Volkswagen, neben dem Einkauf von Batterien und der Herstellung eigener Batteriezellen auch auf das Recycling.

Bereits Mitte des vergangenen Jahres kündigte Mercedes-Benz den Bau einer Batterie-Recycling-Fabrik am Standort Gaggenau an. Damit will Mercedes den größten Makel von E-Autos ausmerzen: die hohe Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien. Den einheitlichen Recycling-Ansatz will das Bundeswirtschaftsministerium dem Handelsblatt zufolge finanziell unterstützen. Am Dienstag, 5. Juli, soll Mercedes-Benz mit Projektpartnern, unter anderem dem einst zum Konzern gehörende Lkw-Hersteller Daimler Truck, den Förderbescheid erhalten.

Mercedes-Benz, Daimler Truck und Co.: Pilotanlage für Batterierecycling bei Rastatt in Planung

Da die E-Autos vor der wasserstoffbasierten Brennstoffzelle und synthetischen Kraftstoffen als effizienteste Alternative zum wohl bald verbotenen Verbrenner gelten, rüsten derzeit nahezu alle Autohersteller auf die E-Mobilität um. Dementsprechend hoch ist auch der Bedarf an Batteriezellen für die Produktion. Die Rohstoff-Knappheit könnte den E-Auto-Boom allerdings deutlich ausbremsen. Um diesem Fall vorzubeugen, ist das Recycling von Batterien und die Rückgewinnung von Rohstoffen aus den Lithium-Ionen-Zellen eine praktikable Lösung, die zudem noch einen weiteren Vorteil bietet: deutlich weniger Elektroschrott.

Das Bundeswirtschaftsministerium plant dem Handelsblatt zufolge mit den Projektpartnern den Aufbau einer Recycling-Anlage, die eine effiziente Kreislaufwirtschaft von Batteriematerialien ermöglichen soll. In das Projekt mit dem Namen „LiBinfinity“ investiert das Ministerium überschaubare 17 Millionen Euro, könnte die Versorgung mit Batteriezellen dadurch aber längerfristig decken. Der Aufbau von Recyclingkapazitäten und die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Lithium-Ionen-Batterien seien für die Elektromobilität von zentraler Bedeutung, sagte Michael Kellner, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Die Pilotanlage soll am Standort von Mercedes-Benz in Kuppenheim (Kreis Rastatt) entstehen und eine Jahreskapazität von rund 2.500 Tonnen haben.

Batterie-Recycling: Neues Verfahren soll zusätzlichen Verlust von Energie vermeiden

Damit beim Recycling der Batterien nicht noch zusätzliche Energie verloren geht, entwickelten die Projektpartner ein neues Vorgehen. Demnach soll beim mechanisch-hydrometallurgischen Verfahren auf energieintensive Prozessschritte vollständig verzichtet werden. Das Projekt, bei dem neben Mercedes-Benz und Daimler Truck auch Forschungseinrichtungen wie die TU Clausthal und die TU Berlin beteiligt sind, gehört zu einer Maßnahme mit verschiedenen Vorhaben rund um die Forschung zur Batteriezellfertigung. Laut dem Handelsblatt stellt das Bundeswirtschaftsministerium 80 Millionen Euro für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bereit, mit denen der Ladevorgang für E-Autos in die Strommärkte integriert werden soll.

Der Bedarf an Batteriezellen für E-Autos wird sich in den kommenden Jahren wohl noch weiter erhöhen. Autokonzern Stellantis investierte in den Lithium-Förderer Vulcan aus Karlsruhe. Die Lithium-Knappheit wirkt sich derzeit bereits massiv auf die Preise aus, dabei ist Lithium geologisch gesehen keine knappe Ressource. Im Oberrhein versteckt sich Rohstoff für 400 Millionen E-Autos, doch der Abbau gestaltet sich sehr schwierig. Mercedes arbeitet bereits an einer neuen E-Auto-Batterie, die deutlich leichter und weniger entflammbar sein soll. Doch auch bei den Feststoffbatterien bestehen die Anoden weiterhin aus Lithium.

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