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Mercedes-Benz baut mit China-Partner Batterien für neue E-Auto-Generation in Ungarn

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Von: Julian Baumann

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Ein Mercedes-Benz EQS SUV wird an einer Wallbox geladen.
Die Batteriefabrik von CATL in Ungarn soll Batteriezellen für die nächste E-Auto-Generation von Mercedes-Benz produzieren. © Mercedes-Benz AG – Communications

Mercedes-Benz intensiviert die Kooperation mit einem chinesischen Batteriehersteller. Im Osten Ungarns soll dafür eine neue Fabrik entstehen.

Stuttgart/Debrecen - Der weltgrößte Hersteller von Batteriezellen für E-Autos, Contemporary Amperex Technology Co., Limited (CATL) aus China, baut in Ungarn eine neue Batteriefabrik. In Debrecen im östlichen Teil des Landes sollen Batterien für die nächste Generation der elektrischen Fahrzeuge von Mercedes-Benz entstehen, teilte der Stuttgarter Autokonzern am Freitag, 12. August, mit. Mercedes hatte bereits vor einiger Zeit acht Batteriefabriken als „Zentrum der Autoindustrie“ angekündigt, von denen das neue Werk von CATL eines darstellen soll. Die Partnerschaft zwischen dem Autobauer und dem Batteriehersteller aus China wurde bereits 2020 verkündet und soll nun deutlich erweitert werden.

Vor fünf Jahren wurde in einer Kleinstadt in Ungarn die erste Batteriefabrik Europas errichtet. Das stetig wachsende E-Auto-Batteriewerk von Samsung belastet die Einwohner der Gemeinde, da sie von dem wirtschaftlichen Aufschwung nicht oder nur geringfügig profitieren. Der umstrittene Regierungschef Viktor Orban bemängelt zwar zum einen die Kolonisierung der ungarischen Wirtschaft, fordert zum anderen aber aktiv die Ansiedlung von asiatischen und deutschen Unternehmen. Mercedes-Benz betreibt etwa in der Stadt Kecskemét ein Produktionswerk, in dem bislang beispielsweise das CLA Coupé und der CLA Shooting Brake vom Band liefen, das zukünftig aber ein Eckpfeiler der E-Auto-Produktion des Konzerns werden soll.

Mercedes-Benz wird erster und größter Abnehmer für Batteriezellen aus ungarischem CATL-Werk

Das neue Produktionswerk von CATL in Ungarn soll einer Pressemitteilung zufolge Batteriezellen für die Mercedes-Standorte in Deutschland und für das Werk im ungarischen Kecskemét liefern. „Dieses neue, hochmoderne europäische CATL-Werk ist ein weiterer Meilenstein für den Hochlauf unserer EV-Produktion, den wir gemeinsam mit unseren Partnern umsetzen“, erklärte Mercedes-CTO Markus Schäfer. „Auf dem Weg in eine emissionsfreie und vollelektrische Zukunft brauchen wir auch das volle Engagement unserer Zulieferer.“ Mercedes soll demnach als erster und größter Abnehmer CO₂-neutrale Batteriezellen aus dem CATL-Werk in Debrecen geliefert bekommen. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Ambition 2039 durch CATLs Einsatz für eine CO₂-neutrale Produktion unterstützt wird“, so Schäfer.  

Mercedes-Benz hatte bereits im Juli 2021 angekündigt, ab 2030 überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen, ausschließlich E-Autos zu verkaufen. Für dieses Ziel benötigt der Konzern allerdings eine Gesamtkapazität von mehr als 200 Gigawattstunden und plant deshalb in Kooperation mit Partnern insgesamt acht Batteriefabriken. Am 19. Mai 2022 stellte der Autobauer zudem die erweitere Luxus-Strategie vor, die Hand in Hand mit der E-Auto-Strategie geht. Nach dem großen Erfolg des elektrischen Flaggschiffs EQS brachte Mercedes-Benz vor wenigen Wochen den EQE gefolgt von der SUV-Version des EQS auf den Markt. Das neue Werk von CATL im ungarischen Debrecen soll dazu beitragen, den Hochlauf der E-Auto-Produktion aufrechterhalten zu können.

Batteriewerk in Ungarn soll „Transformation zur E-Mobilität in Europa beschleunigen“

Ungarn ist als Standort für eine Fabrik durch die Politik Viktor Orbans umstritten. Der Ministerpräsident und Putin-Freund förderte beispielsweise das Batteriewerk von Samsung finanziell, während die Gemeinde selbst Gefahr läuft, Bankrott zu gehen, wie der Bürgermeister von Göd vor wenigen Wochen dem Handelsblatt sagte. Die Förderung von deutschen und asiatischen Unternehmen in Ungarn kann für die Autoindustrie Europas aber auch gewisse Vorteile haben. Neben Mercedes-Benz produziert auch die VW-Tochter Audi in Ungarn und ebenso BWM hat eine große E-Auto-Fabrik angekündigt - in derselben Stadt wie die Batteriefabrik von CATL.

Als weltgrößter Hersteller von Batteriezellen kooperiert CATL nicht nur mit Mercedes-Benz, sondern beliefert auch andere namhafte Autohersteller. Dazu zählen unter anderem der BMW-Konzern und der E-Autobauer Tesla. Demnach könnte die Fabrik in Ungarn neben Mercedes-Benz in Zukunft auch BMW und Audi mit Batteriezellen beliefern. „Mit unserem Werk in Debrecen werden wir unseren Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen, indem wir von hier aus besser auf unsere Kunden in Europa eingehen und die Transformation zur Elektromobilität in Europa beschleunigen“, sagte CATL-Chef und -Gründer Robin Zeng.

Mercedes-Benz selbst hatte bereits im März angekündigt, gemeinsam mit dem französischen Autokonzern Stellantis und Batteriehersteller Saft das Joint-Venture ACC zu einem Batterie-Champion mit globalen Ambitionen aufbauen zu wollen. Zudem setzen die Schwaben nicht nur auf die Batterieproduktion für ihre E-Autos, sondern auch auf das Recycling. Dafür bekam Mercedes-Benz finanzielle Unterstützung vom Bund.

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