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Daimler-Betriebsrat fordert höhere Investitionen in E-Mobilität: „Sparen ist keine Strategie“

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Von: Julian Baumann

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Der Arbeitnehmervertreter Michael Brecht im Mercedes-Werk im badischen Gaggenau.
Michael Brecht, Betriebsratsmitglied von Mercedes-Benz und Daimler Truck, fordert mehr Investitionen in die E-Mobilität. © Benedikt Spether/dpa

Michael Brecht, Betriebsratsmitglied von Mercedes-Benz und Daimler Truck, hat von den Chefs der beiden Fahrzeughersteller mehr Investitionen in die E-Mobilität gefordert.

Stuttgart - Der Daimler-Konzern ist seit Beginn des Jahres zwar Geschichte, Michael Brecht ist jedoch weiterhin im Betriebsrat der nun wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen Mercedes-Benz und Daimler Truck vertreten. Bei dem größten Nutzfahrzeughersteller der Welt ist Brecht sogar der Chef des Gesamtbetriebsrats, doch auch bei dem Autohersteller mit dem Stern hat sein Wort nach wie vor Gewicht. Während sich Mercedes-Benz stärker auf den Luxus zurückbesinnt und ab 2030 überall da, wo es die Marktbedingungen zulassen, ausschließlich E-Autos verkaufen will, fährt Daimler Truck eine Doppelstrategie aus Elektro und Wasserstoff.

Demnach setzen beide wirtschaftlich eigenständigen, im Geiste aber nach wie vor verbundenen Unternehmen in Zukunft auf den Elektroantrieb. Die aktuelle Energiekrise bremst den Hochlauf der E-Auto-Produktion allerdings merklich aus. Die Strompreisexplosion könnte den Umstieg auf E-Autos gefährden, sagte Autoexperte Stefan Bratzel. Michael Brecht sieht dennoch keinen Anlass dafür, dass Mercedes-Benz bei der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte den Fuß vom Gas nehmen sollte, wie er im Gespräch mit dem Manager Magazin erklärte. Stattdessen forderte er Mercedes-Chef Ola Källenius und Daimler Truck-Chef Martin Daum dazu auf, mehr in den Elektroantrieb zu investieren.

Daimler-Betriebsrat Michael Brecht sieht Mercedes-Benz für E-Auto-Transformation gut gerüstet

Aktuell stehen die Luxus- und die E-Auto-Strategie von Mercedes-Benz, die Hand in Hand gehen, auf dem Prüfstand. Der Stuttgarter Autokonzern musste in China die Preise für die E-Auto-Flaggschiffe EQS und EQE deutlich senken. Deshalb wird spekuliert, ob sich Mercedes-Chef Källenius mit dem Fokus auf hochpreisige elektrische Limousinen übernommen hat. Im Gegensatz dazu steht jedoch, dass Mercedes-Benz in den vergangenen drei Quartalen ein Rekordergebnis nach dem anderen vorgelegt hat - trotz deutlicher Krisen in der Industrie. Michael Brecht ist deshalb der Meinung, dass Mercedes-Benz die Geschwindigkeit bei der Transformation nicht drosseln sollte. „Da ist Mercedes-Benz gut positioniert, denke ich“, sagte er. „Am Geld fehlt es jedenfalls nicht.“

Obwohl Mercedes-Benz den Krisen trotzt und hohe Umsatzrenditen einfährt, bleibt der von Ola Källenius auferlegte Sparplan intakt. Als Arbeitnehmerchef hatte Michael Brecht die Sparmaßnahmen bereits in der Vergangenheit deutlich kritisiert. „Denen fließt das Geld aus den Ohren heraus“, wird er zitiert. „Na, die Wortwahl könnte zu mir passen“, sagte Brecht nun im Gespräch mit dem Manager Magazin. „Aber davon unabhängig: Im Moment könnte Mercedes-Benz wahrscheinlich beliebig hohe Renditen abwerfen, ohne dass der Aktienmarkt das honoriert.“ Gewinn habe auch keinen Selbstzweck, sondern werde benötigt, um ordentliche Dividenden auszuschütten und Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter zu schaffen, die sie gesund in die Rente bringen. „Sparen ist keine Strategie“, sagte Brecht.

Die vom Vorstand von Mercedes-Benz ausgerufene Luxus-Strategie scheint diesbezüglich konträr zu sein. Im Interview mit BW24 hatte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß Ende Mai aber erklärt, dass die Strategie auch den Mitarbeitern zugutekommen würde. „Wir machen wir unser Geschäft resilienter und sichern so beispielsweise auch Arbeitsplätze in Deutschland“, sagte sie. Auch Betriebsratsmitglied Michael Brecht erklärte, dass Mercedes durch die Luxus-Strategie Arbeitsplätze sichern könne. „Mercedes verfolgt eine sehr progressive Nachhaltigkeitsstrategie, passt auf, dass die Zulieferer sich an die Menschenrechte halten“, führte er aus. „Solange das passt, spricht nichts gegen eine solche Leitlinie – auch wenn mir das Wort ‚Luxus‘ nicht besonders gefällt.“

Michael Brecht fordert im Konkurrenzkampf mit China und den USA Unterstützung vom Staat

Mercedes-Benz will ab 2030 ausschließlich E-Autos anbieten, Daimler Truck will ab diesem Zeitpunkt zumindest 60 Prozent der Fahrzeugflotte elektrifiziert haben. Dafür benötigen die Konzerne allerdings auch große Mengen an Batteriezellen, die bislang hauptsächlich von externen Zulieferern stammten. „Ich will eine eigene Zellfertigung in Deutschland“, machte Michael Brecht im Gespräch mit dem Manager Magazin deutlich. „Und wenn es das Letzte ist, was ich in meinem Berufsleben erreiche.“ Für eine Unabhängigkeit von externen Zuliefern und auch einer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und den USA bedürfe es aber auch der Unterstützung des Staates.

Die EU fördert zwar den Bau von Batteriezellfabriken, dafür müsste die Region aber zunächst einmal förderfähig sein, sagte der Betriebsrat von Mercedes-Benz und Daimler Truck. „Es kann doch nicht sein, dass Sie Stuttgart oder Baden-Württemberg erst herunterwirtschaften müssen, bevor Sie dort EU-Geld bekommen“, machte Michael Brecht deutlich. „Wir brauchen keine dauerhaften Subventionen. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

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