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„Mitnichten so, dass unsere Heimat weniger wichtig ist“: Mercedes-Chef bekennt sich zu Baden-Württemberg

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Von: Julian Baumann

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Mercedes-Chef Ola Källenius bekannte sich im SWR-Interview klar zum Standort Baden-Württemberg und zerstreute auch Sorgen der Kunden in Bezug auf die Luxus-Strategie des Konzerns.

Stuttgart - Im Interview mit dem Südwestrundfunk, das am Dienstagabend (20. Dezember, 20.15 Uhr) im SWR-Fernsehen ausgestrahlt wurde, bekannte sich Mercedes-Chef Ola Källenius deutlich zum Standort Baden-Württemberg. Als international tätiges Unternehmen baut Mercedes-Benz die Modelle, zu denen inzwischen auch eine wachsende Zahl an vollelektrischen Autos der Marke Mercedes-EQ gehören, zwar auf der ganzen Welt, die Heimat sei für den Weltkonzern deshalb aber nicht weniger wichtig, wie Källenius betonte. Die Autoindustrie in Baden-Württemberg gilt als Wohlstandsmotor der Region, in der gleich mehrere wichtige Unternehmen ihren Hauptsitz haben.

Gerade in der jüngeren Vergangenheit wurde Mercedes-Benz immer wieder vorgeworfen, sich zu sehr auf den inzwischen weltweit größten Automarkt in China und auf den US-Markt zu fokussieren und die Produktion in Europa zu vernachlässigen. Beispielsweise werden die Kleinwagen von Tochter Smart inzwischen ausschließlich in China produziert und auch andere Produktionsschritte wurden in die Volksrepublik verschoben. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der Einfluss Chinas auf Mercedes-Benz größer ist, als zuvor gedacht. Ola Källenius ließ im SWR-Interview aber keinen Zweifel daran, dass er den Weltkonzern nach wie vor als Teil der baden-württembergischen Schlüsselbranche sieht.

Mercedes-Chef zur Autoindustrie in Baden-Württemberg: „Dieses Cluster ist unglaublich wichtig“

Das Automobil ist zweifelsohne eine Erfindung aus Baden-Württemberg. Schließlich stammten die Köpfe hinter der wichtigsten Entwicklung der Mobilität mit Carl Benz (Karlsruhe), Gottlieb Daimler (Schorndorf) und Wilhelm Maybach (Heilbronn) allesamt aus dem südwestlichen Bundesland. Auch heute hat Mercedes-Benz seinen Hauptsitz noch immer im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim und sein weltweit größtes Werk im nahen Sindelfingen. Durch die fortschreitende Digitalisierung und internationale Vernetzung ist die Autoindustrie aber beständig im Wandel und auch der Mercedes-Chef muss sein Unternehmen entsprechend auf die Zukunft vorbereiten. Der Sorge, dass sich der Konzern früher oder später ganz aus der Heimat zurückziehen könnte, widersprach Ola Källenius aber deutlich.

Mercedes-Chef Ola Källenius und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann stehen bei der Präsentation einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg mit dem Titel „The Länd“ im Hafen von Stuttgart.
Mercedes-Benz und Baden-Württemberg sind untrennbar miteinander verbunden. Die Verbundenheit zur Heimat bekräftigte Konzernchef Ola Källenius (links) in einem Interview erneut. © Bernd Weißbrod/dpa

„Wir beschäftigen hier, im Großraum Stuttgart, 70.000 Menschen“, erklärte der Mercedes-Chef im SWR-Interview. „Und hier sitzen so wichtige Partner von uns - Bosch, Mahle etc.“ Zudem haben mit Trumpf und Co. auch weitere wichtige Partner des großen Autokonzerns ihren Sitz in der Region. „Dieses ganze Automotive-Cluster ist unglaublich wichtig“, so Källenius weiter. „Es ist mitnichten so, dass unsere Heimat Baden-Württemberg irgendwie weniger wichtig ist.“ Abseits der Wirtschaft zeigt Mercedes-Benz die Verbundenheit mit der Heimat auch als Sponsor des VfB Stuttgart oder auch als einer der Sponsoren des jährlich in Stuttgart stattfindenden Musikfestivals JazzOpen.

Mercedes-Benz will sich nicht gänzlich von klassischen Einstiegsmodellen verabschieden

Eben weil Mercedes-Benz nach wie vor untrennbar mit Stuttgart und Baden-Württemberg verknüpft ist, muss sich der Konzern auch die Kritik aus dem Bundesland in Bezug auf die Luxus-Strategie gefallen lassen. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte kritisiert, dass Mercedes „nur noch Autos für Scheichs und die Reichen“ bauen wolle. Konkret hatte der Vorstand im Mai angekündigt, sich stärker auf die hochpreisigen Modelle der Kernmarke und der Marken Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach und Mercedes-EQ zu fokussieren. Einen ersten Vorgeschmack auf ein besonders luxuriöses Modell gab der Konzern mit der Präsentation der Mercedes-Maybach S-Klasse Haute Voiture.

Zudem will Mercedes-Benz nach eigenen Angaben das Einstiegssegment von derzeit sieben auf vier Modelle verkleinern. Dass die beliebte A- und B-Klasse der Strategie zum Opfer fallen werden, hatte Ola Källenius in einem Medien-Q&A im Mai zwar noch offen gelassen. Kunden befürchteten nachfolgend aber, dass sie sich künftig kein Modell mit dem Stern mehr leisten können werden. Dass sich der Autobauer von klassischen Einstiegsmodellen verabschieden wird, verneinte der Mercedes-Chef im SWR-Interview jedoch. „Wir werden weiter in den Segmenten präsent sein, in denen wir es heute sind“, machte er deutlich. „Ich weiß um die Wichtigkeit der Kompaktautos.“

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