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Mercedes und Co. reagieren auf Druck von Tesla und wollen in Rekordzeit Autos bauen

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Von: Julian Baumann

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Da Tesla in Grünheide bei Berlin in Rekordzeit Autos baut, müssen auch Mercedes-Benz und Co. reagieren. Sie wollen die Bauzeiten der Modelle deutlich reduzieren.

Stuttgart - Seit Ende März produziert das US-Unternehmen Tesla die beliebten E-Auto-Modelle auch in Deutschland. In der finalen Kapazitätsstufe sollen in der „Giga Berlin“ in Grünheide (das verdienen Mitarbeiter am deutschen Standort in Brandenburg) jährlich 500.000 Fahrzeuge vom Bahn laufen. Aktuell kämpft Tesla in Berlin zwar mit zahlreichen Problemen und liegt hinter dem angestrebten Zeitplan, die Produktion des Model Y geht dennoch schnell voran. Auch der bekannte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Tesla als „Vorbild für alle anderen“.

Die großen deutschen Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW und VW wollen auf den steigenden Druck von E-Auto-Konkurrenten wie Tesla, aber auch kleineren Unternehmen wie Lucid (ebenfalls USA) oder Nio (China) reagieren und die Bauzeiten ihrer Fahrzeugmodelle deutlich beschleunigen, berichtet das Handelsblatt. Kürzere Entwicklungszeiten haben zudem den Vorteil, dass auch die Kosten spürbar sinken.

Mercedes-Benz will Produktionszeit von der Skizze bis zum fertigen Auto um 18 Monate reduzieren

Mercedes-Benz, der Traditionskonzern aus Stuttgart, stellt von den beliebten Fahrzeugklassen wie der S-Klasse oder der E-Klasse auch Abweichungen her. Dazu zählen beispielsweise Coupé- oder Kombi-Versionen. Vor wenigen Tagen stellte Mercedes die SUV-Version des E-Auto-Flaggschiffs EQS vor. Insgesamt setzt der schwäbische Autobauer inzwischen stark auf das E-Auto und will ab 2030 ausschließlich batteriebetriebene Modelle produzieren. Deshalb begibt sich das Unternehmen nicht nur in die direkte Konkurrenz mit E-Autobauern wie Tesla oder Nio, sondern auch mit Software-Konzernen wie Siemens oder Apple. Um diesem steigenden Druck der Mitwettbewerber entgegenzuhalten, will Mercedes den gesamten Entwicklungsprozess beschleunigen.

Mercedes-Benz hat am Produktionsstandort Sindelfingen eine Software-Integrationsfabrik eröffnet.
Durch den zunehmenden Konkurrenzdruck wollen auch die deutschen Autobauer Mercedes-Benz, BMW und VW ihre Produktionsabläufe deutlich beschleunigen. © Mercedes-Benz AG – Communications

Im Kampf gegen den steigenden Druck der Konkurrenz müssten die etablierten Autohersteller in „ganz neue Zyklen kommen“, sagte Markus Schäfer, Entwicklungschef von Mercedes-Benz, laut dem Handelsblatt. „Die Formel heißt Geschwindigkeit“, machte er deutlich. Konkret bedeute das, dass Mercedes die Entwicklungszeit der Haupttypen, beispielsweise der E-Klasse oder dem GLC, von aktuell 58 Monaten auf 40 Monate reduzieren wolle. Abweichungen wie Kombis oder Coupé-Versionen könnten sogar noch schneller konzipiert werden, erklärte Schäfer. Dabei geht es nicht nur um die tatsächliche Bauzeit eines Autos, sondern um den gesamten Entwicklungsprozess von der ersten Skizze bis zum fertigen Fahrzeug.

Steigender Druck durch Tesla und Co.: Auch VW und BMW müssen reagieren

Durch die „Giga Berlin“ von Tesla in Deutschland verspürt die gesamte deutsche Autoindustrie einen zunehmenden Konkurrenzdruck. Neben Mercedes-Benz haben auch der VW-Konzern und BMW das Problem erkannt und wollen reagieren. Weil Tesla inzwischen im eigenen Land zeigt, dass bestimmte Entwicklungsprozesse deutlich schneller und flexibler abgewickelt werden können, wirbt vor allem VW dafür, dass künftige Modellgenerationen schneller durchlaufen werden. „Wir verkürzen die Entwicklungszeiten um 25 Prozent“, sagte Thomas Ulbrich, Entwicklungschef von Volkswagen, laut dem Handelsblatt. „Fahrzeugprojekte werden künftig in 40 Monaten statt wie bisher in 54 Monaten entstehen.“

Der zweitgrößte Autobauer der Welt will die Entwicklungszeit demnach um 14 Monate reduzieren. Ein so genaues Zeitfenster wurde in München dagegen noch nicht festgelegt. BMW spricht dagegen davon, dass die Entwicklungszeit mithilfe neuer Arbeitsmodelle reduziert werden sollen. „Ressort-übergreifende Teams, das Arbeiten nach agilen Methoden und ausschließlich an Wertschöpfung orientierte Prozesse sind der wichtigste Bestandteil für ein signifikantes Plus an Flexibilität und Effizienz“, erklärte ein BMW-Sprecher.

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