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Mercedes und Co. ziehen sich aus Volumensegment zurück - China wittert Chancen

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Von: Julian Baumann

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Eine Mercedes-Benz A-Klasse Baujahr 2019 mit Hybrid-Antrieb fährt über eine Brücke.
Mercedes-Benz will das Einstiegssegment ausdünnen. Zugleich drängen aber auch immer mehr chinesische Autohersteller nach Europa, die die Lücke schließen könnten. © Daimler AG - Global Communication

Mercedes-Benz und auch BMW setzen zunehmend auf Luxus und ziehen sich aus dem Volumensegment zurück. Das eröffnet chinesischen Herstellern Chancen.

Stuttgart - Mercedes-Benz aus Stuttgart und auch BMW aus München haben in ihrer langen Geschichte noch nie Autos für den Massenmarkt hergestellt. Beide Konzerne kündigten jüngst allerdings an, sich noch mehr auf den Luxus konzentrieren zu wollen. Mercedes-Benz will im Rahmen der Luxus-Strategie sogar drei Modelle aus dem Einstiegssegment streichen und in Zukunft vorrangig hochpreisige Modelle produzieren. Nach der Verkündung der erweiterten Luxus-Strategie des schwäbischen Traditionsherstellers, kritisierte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne), dass Mercedes damit den chinesischen Autoherstellern Türen öffnen würde.

Im Gespräch mit BW24 sagte Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß Ende Mai, dass die Luxus-Strategie keine Nischenstrategie sei. „Wir wollen weiter wachsen, aber eben verstärkt profitabel wachsen“, erklärte sie. Dadurch werde insgesamt aber der Anteil des Einstiegssegments im Gesamtvolumen geringer. Eben weil die deutschen Hersteller sich nach und nach aus dem Einstiegssegment zurückziehen, drängen aktuell in dieses Segment immer mehr Hersteller aus China, wie die Automobilwoche berichtet. Mit Great Wall setzt nach Nio, BYD und Co. bereits der nächste Autobauer aus der Volksrepublik zum Sprung in die europäischen Automärkte an.

Mercedes-Benz und Co. verlassen Volumensegment - nächster China-Autobauer will in Europa Fuß fassen

Aufgrund des derzeitigen E-Auto-Booms und dem Vorbild des US-Unternehmens Tesla folgend, gründen sich aktuell immer mehr Start-ups, die eigene Automodelle auf den Markt bringen wollen. Auf dem chinesischen Automarkt herrscht bereits ein regelrechter Preiskampf, da heimische Autohersteller ihre Modelle deutlich günstiger anbieten als die deutschen Traditionskonzerne. Mercedes und BMW sollten „beunruhigt“ sein, sagte ein Experte. Im Gegenzug drängen die chinesischen Autohersteller aber auch immer mehr in die europäischen Automärkte. BYD verkauft seine Fahrzeuge beispielsweise seit langem auch in Europa und das E-Auto-Start-up Nio ergänzte die belieferten europäischen Märkte nach Norwegen um Deutschland, die Niederlande, Schweden und Dänemark.

Der Autohersteller Great Wall Motor aus Baoding sorgte bereits im vergangenen Jahr auf der Automesse IAA in München für Aufsehen. Auf der IAA präsentierte Mercedes-Benz auch erstmals den EQE, der den chinesischen Markt erobern soll. Great Wall bietet mit den Marken Wey und Ora dagegen zwei SUVs und ein E-Auto auf technologisch hohem Niveau, mit guter Verarbeitung und einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis, berichtet die Automobilwoche. Mit dem Handelspartner Emil Frey, einer Automobilhandelsgruppe mit Sitz in der Schweiz, will Great Wall auch in Europa Fuß fassen.

Mercedes, BMW und Co. laufen durch Strategie Gefahr, Kunden zu verlieren

Eben weil Mercedes-Benz, BMW und mit Abstrichen auch Volkswagen die Modelle im Einstiegssegment zunehmend streichen, ist der Einstieg der chinesischen Hersteller in die europäischen Märkte gut gewählt. Die Luxus-Strategie von Mercedes-Benz trägt Früchte, der Autokonzern konnte dadurch den Krisen trotzen. Demnach wird der Vorstoß der chinesischen Hersteller in die Volumen- und Einstiegssegmente den Vorstand um Mercedes-Chef Ola Källenius eher weniger Sorgen bereiten. Bislang sind Autofahrer, die sich zuvor von einer A-Klasse überzeugt haben, später aber möglicherweise auf eine E-Klasse oder sogar S-Klasse umgestiegen. Dieser Einstieg wird nun allerdings deutlich kostspieliger.

Wenn das Einstiegssegment bei den deutschen Herstellern aber sehr viel teurer wird, könnten diese Kunden statt zu einer A-Klasse oder einem Audi A1 in Zukunft eher zu einem Fabrikat chinesischer Hersteller greifen. Zudem können die chinesischen Fahrzeuge inzwischen immer mehr mit europäischen Autos mithalten und sind schon lange keine bloßen Kopien mehr. Dadurch laufen die deutschen und europäischen Hersteller Gefahr, ihre Kunden zu verlieren. Dieses Problem betrifft allerdings nicht nur die europäischen, sondern die gesamten westlichen Automärkte. Auch der Ford-Chef warnte eindringlich, dass die westliche Autoindustrie den Anschluss an China immer mehr verliere.

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