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Preiskampf auf wichtigstem Automarkt: Mercedes und BMW sollten „beunruhigt“ sein, sagt Experte

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Von: Julian Baumann

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Das elektrische SUV L9 vom chinesischen Start-up Li Auto steht vor einer Garage.
Mit dem elektrischen SUV L9 hat das chinesische Start-up Li Auto eine Alternative zum Mercedes-GLS oder dem BMW x7 vorgestellt. © Li Auto

Auf dem wichtigsten Automarkt bekommen Mercedes-Benz und Co. immer mehr Konkurrenz von E-Auto-Start-ups, die ihre Modelle deutlich günstiger anbieten.

Stuttgart/Peking - Auch für die deutschen Traditionskonzerne Mercedes-Benz, BMW und VW ist China inzwischen der mit Abstand wichtigste Markt. In der diktatorisch geführten Volksrepublik erfreuen sich vor allem die großen SUV und die luxuriösen Limousinen der deutschen Hersteller großer Beliebtheit. Mit dem Fokus auf die E-Mobilität und dem Vorbild von Tesla oder Nio folgend, entstehen in China aber auch immer mehr Unternehmen, die eigene E-Autos auf dem Markt anbieten - und das oftmals deutlich günstiger.

Mercedes-Benz will sich künftig zudem noch deutlicher auf Luxusmodelle fokussieren und hatte sogar angekündigt, drei Modelle im Einstiegsegment streichen zu wollen. Die chinesischen Unternehmen setzen mit ihren E-Auto-Modellen dagegen nicht auf Luxus, sondern auf Massentauglichkeit und können die Modelle deshalb günstiger anbieten, als die europäische Konkurrenz. Der Chef eines chinesischen Start-ups sagte dem Handelsblatt deshalb, dass Mercedes-Benz, BMW und Co. ihre Preise in China deutlich senken müssten, um im Wettbewerb weiterhin mithalten zu können.

Mercedes-Benz und Co.: Konkurrenz aus China stellt E-SUV vor - für 100.000 Euro weniger

Bereits im Februar hieß es, dass Mercedes-Benz und Co. auf dem größten Automarkt zunehmend den Anschluss verlieren. Das wurde damit begründet, dass die deutschen Hersteller vor allem auf den Fahrspaß bei ihren Modellen setzen, während den chinesischen Kunden aber auch Technik und Entertainment wichtig ist. Chinesische Konzerne wie Xiaopeng, Nio oder Li Auto punkten dabei, während Mercedes, Volkswagen, BMW oder Audi eher spröde und nüchtern daherkommen. Inzwischen setzen zwar auch die deutschen Hersteller auf ein umfassendes Entertainment-System und modernste Technik, die hohe Qualität und der Fahrspaß stehen aber gerade bei hochpreisigen Modellen wie dem Mercedes-EQE oder dem BMW iX3 weiterhin im Fokus.

Seit dem großen Erfolg des US-Unternehmens Tesla, dass sich innerhalb kürzester Zeit als Branchenprimus im Bereich der E-Autos etablieren konnte, drängen immer mehr Start-ups auf den Automarkt, die den etablierten Autoherstellern Konkurrenz machen wollen. Eines dieser aufstrebenden Unternehmen aus China ist das Start-up Li Auto, das Ende Juni als zweites Modell überhaupt das elektrische SUV L9 als Konkurrenten für den GLS von Mercedes-Benz oder den BMW X7 vorgestellt hatte. Dem Handelsblatt zufolge kostet das L9 rund 68.000 Euro, während die Konkurrenzmodelle für 168.000 bis 190.000 Euro angeboten werden.

Mit dem elektrischen SUV L9 hat Li Auto demnach eine Alternative zu vergleichbaren Modellen von Mercedes-Benz und BMW auf den Markt gebracht, das aber bis zu 100.000 Euro günstiger ist. Die chinesischen Kunden seien zwar auch weiterhin dazu bereit, mehr Geld für ein deutsches Auto zu bezahlen, sagte Li Auto-CEO Shen Yanan dem Handelsblatt. Aber eben nicht mehr als das doppelte. Interessant ist auch, dass sich Mercedes-Benz und Co. zwar eigentlich auf die Produktion von E-Autos konzentrieren, in China aber weiterhin hauptsächlich Verbrenner-Modelle verkaufen, während der eigene E-Auto-Markt der Volksrepublik beständig weiter wächst. Ein gemeinsames E-Auto von Mercedes und BYD für den chinesischen Markt floppte allerdings.

Chef von China-Start-up rät deutschen Autoherstellern, Preise für E-SUVs deutlich zu senken

Um weiterhin auf dem weltgrößte Automarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten Mercedes-Benz, BMW und Co. die Preise für ihre in China produzierten SUV ebenfalls auf unter 74.000 Euro senken, sagte Shen Yanan. Modelle wie das SUV L9 sind nicht nur deutlich günstiger als die deutschen Fahrzeuge, sondern können auch in Sachen Technik und Ausstattung immer mehr mithalten. Mercedes-Benz und BMW sollten „beunruhigt“ sein, findet deshalb auch Industrieexperte Tu Le. „Die Deutschen sollten sehr vorsichtig sein“, sagte er. Neben den deutschen Herstellern bekommt aber selbst Tesla in China zunehmend Konkurrenz. Der Autohersteller BYD stellte kürzlich eine freche China-Kopie des Model 3 vor, das aber deutlich günstiger ist.

Für die deutschen Autokonzerne ist China nicht nur der wichtigste und größte Absatzmarkt, auch bestimmte Komponenten beziehen die Hersteller weiterhin aus dem Reich der Mitte. Bevor Mercedes-Benz sich entschloss, doch eigene Batterien zu produzieren, bezogen die Schwaben die Akkus zu großen Teilen von chinesischen Zulieferern wie Farasis. Zudem ist die deutsche Autoindustrie noch immer von den Halbleiterkomponenten aus Taiwan abhängig. Der Taiwan-China-Konflikt könnte deshalb fatale Folge haben.

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