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Mercedes muss mehr Autos verkaufen, um hohe Rohstoffpreise auszugleichen

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Von: Julian Baumann

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Produktion des vollelektrischen Mercedes-Benz EQE im Werk in Bremen.
Um die hohen Rohstoffpreise auszugleichen, muss Mercedes-Benz laut dem Finanzvorstand mehr Autos verkaufen. © Mercedes-Benz AG – Communication

Um die immer weiter steigenden Rohstoffpreise für die Autoproduktion auszugleichen, muss Mercedes-Benz laut Finanzvorstand Wilhelm mehr Fahrzeuge verkaufen.

Stuttgart - Autohersteller wie Mercedes-Benz, BMW und VW setzen immer deutlicher auf E-Autos. Während die Antriebsquelle Strom im Gegensatz zu Benzin und Diesel theoretisch unendlich herstellbar ist, mangelt es immer deutlicher an anderen benötigten Rohstoffen. Ein wichtiger Rohstoff für E-Autos reicht laut einer Studie nur noch elf Jahre. Durch den Krieg in der Ukraine steigen seit einigen Wochen zudem die Preise für Rohstoffe wie Nickel und Kobalt, die für die E-Auto-Batterien benötigt werden, immer weiter an. Gerade die immer knapper werdende Versorgung mit Nickel könnte die Transformation zur E-Mobilität deutlich verlangsamen. Dem E-Auto-Boom droht laut einem Ex-Tesla-Manager eine „Abkühlung“.

Um die hohen Rohstoffpreise und die immer knapper werdende Versorgung auszugleichen, greifen die großen Autobauer zu drastischen Maßnahmen. Taskforces sollen die Folgen des Ukraine-Krieges abfangen. Durch die anhaltende Chipkrise, die den Autobauern und Zulieferern bereits vor dem Krieg Probleme bereitete, konzentrierte sich Mercedes-Benz vornehmlich auf die Produktion hochpreisiger Modelle wie der S-Klasse oder dem elektrischen Pendant EQS. Das sei aufgrund der extrem gestiegenen Rohstoffpreise nun möglicherweise nicht mehr ausreichend, sagte Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm laut dem Handelsblatt.

Mercedes-Benz und Co.: Autohersteller in Sorge wegen extremen Preisanstiegs von Rohstoffen

Die großen internationalen Autokonzerne setzen bei ihren Batteriezellen bislang vornehmlich auf Nickel, das aus russischen Minen gewonnen wird. Durch die Sanktionen in Bezug auf den Ukraine-Einmarsch ist dessen Export und der weiterer Rohstoffe derzeit aber besonders schwer. Laut dem Handelsblatt hat sich der Preis von Rohstoffen wie Nickel, Kobalt oder auch Lithium seit dem Beginn des Ukraine-Krieges am 24. Februar verfünffacht. Auch den deutschen Autobauern bereiten die Preissprünge große Sorgen. Mercedes-Benz müsse mehr Autos verkaufen, um die negativen Effekte der Rohstoffpreise auf die Marge auszugleichen, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. „Allein über höhere Preise geht es wohl nicht.“

In Bezug auf den Ukraine-Krieg zeigte sich die deutsche Autoindustrie in Sorge um ihre Mitarbeiter in den beiden osteuropäischen Ländern. „Die Menschen kommen zuerst, dann alles Geschäftliche“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius. Dennoch sind auch die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für die Autoindustrie und andere Branchen deutlich bemerkbar. Ein Traditionsunternehmen vom Bodensee rechnet mit 600 Millionen Euro Verlust wegen des Ukraine-Kriegs. Auch BMW rechne mit „Gegenwind in der Größenordnung eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags“, wie Finanzvorstand Nicolas Peter erklärte.

Mercedes-Benz und Co.: Hohe Rohstoffpreise könnten zu Kostenanstieg von E-Autos führen

Mercedes-Benz und Co. haben nach dem unrechtmäßigen Einmarsch der russischen Streitkräfte in die Ukraine alle Verbindungen gekappt und die Lieferung nach Russland eingestellt. Mercedes betreibt beispielsweise ein großes Produktionswerk in der Nähe der Hauptstadt Moskau, VW hat dagegen sowohl Standorte in Russland, als auch in der Ukraine. Im eigenen Land machen sich die wirtschaftlichen Probleme für die Käufer noch nicht so deutlich bemerkbar, da die Autobauer mit ihren Batterielieferanten oftmals eine langfristige Liefervereinbarung abgeschlossen haben, berichtet das Handelsblatt. Auf lange Sicht werden die hohen Rohstoffpreise jedoch auch zu einem Kostenanstieg der E-Auto-Modelle führen.

Während die Strom- und Rohstoffpreise immer weiter steigen, ist die Nachfrage nach E-Autos ungebrochen. Mercedes-Benz verkaufte im vergangenen Jahr mehr E-Autos als jemals zuvor. Um die hohe Nachfrage decken zu können, sucht beispielsweise der VW-Konzern derzeit nach Möglichkeiten, den Rohstoff Nickel durch einen anderen zu ersetzen. „Wir arbeiten an einer anderen Batteriechemie“, sagte Vorstandschef Herbert Diess auf der Bilanzpressekonferenz des Autokonzerns aus Wolfsburg. Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) könnten eine Alternative zu den bisher eingesetzten Lithium-Ionen-Batterien sein. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte angekündigt, bei einigen Modellen ebenfalls auf die LFP-Batterien setzen zu wollen.

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