1. bw24
  2. Auto
  3. Mercedes-Benz

Mercedes-Benz verliert auf größtem Markt den Anschluss - „Deutsche ignorieren Bedürfnisse ihrer Kunden“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Valentin Betz

Kommentare

Die Niederlassung von Mercedes-Benz in Peking.
Mit ihrer Strategie setzt die Mercedes-Benz AG auch stark auf den chinesischen Markt - doch dort verliert der Fahrzeughersteller zusehends den Anschluss. © Reiner Unkel/Imago

Mercedes-Benz setzt in Zukunft auf zwei Bausteine: E-Autos und China. Doch auf dem größten Markt gerät der Konzern ins Hintertreffen - und ist damit nicht alleine.

Stuttgart - Selbst für Traditionskonzerne wie Mercedes-Benz ist das Fortbestehen keine Selbstverständlichkeit. Stillstand würde auch für den beliebten Fahrzeughersteller aus Stuttgart bestraft, weshalb Mercedes-Benz seine Strategie immer wieder anpasst.

Die fußte zuletzt auf mehreren Säulen: Mercedes-Benz verkauft künftig nur noch E-Autos, setzt auf Luxus und will seine Fahrzeuge verstärkt in China absetzen. Doch dass Mercedes-Benz beim Konzernumbau auf das umstrittene Land setzt, könnte zum Fehlschlag werden. Das Handelsblatt berichtet gar, dass die „goldenen Zeiten“ für Mercedes-Benz in China bereits vorbei sind - und nicht nur für den Fahrzeughersteller aus Stuttgart.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 15.02.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Mercedes-Benz und China: Strategie des Konzerns offenbar nicht ausreichend durchdacht

Laut Handelsblatt kennt Mercedes-Benz seine Kunden in China nicht ausreichend - auch anderen deutschen Herstellern ginge es so. Der Konzern aus Stuttgart musste das zuletzt schmerzhaft lernen. Mit einem Werbespot in China zog Mercedes-Benz Wut auf sich, weil darin „westliche Stereotype“ bedient wurden.

Das Kernproblem sei allerdings, dass Mercedes-Benz sich bei der Entwicklung seiner Fahrzeuge mehr auf das Fahrerlebnis konzentriert habe. Für die Kunden in China spielen aber auch die Technik und Unterhaltungsausstattung eine tragende Rolle beim Kauf. Chinesische Konzerne wie Xiaopeng, Nio oder Li Auto punkten dabei, während Mercedes, Volkswagen, BMW oder Audi eher spröde und nüchtern daherkommen. Experten formulieren das gegenüber dem Handelsblatt sehr drastisch: „Die Deutschen ignorieren wesentliche Bedürfnisse ihrer chinesischen Kunden.“

Mercedes-Benz: E-Autos und schlechte Software kommen in China nicht gut an

Zu den Bedürfnissen der chinesischen Kunden gehört beispielsweise auch eine gut funktionierende Software im Fahrzeug - das gilt für Verbrenner ebenso, wie für E-Autos. „Wenn es um die Software im Auto geht, schneiden die deutschen Autohersteller alle sehr schlecht ab“, erklärt ein chinesischer Experte dem Handelsblatt.

Das macht sich unter anderem in schlechten Verkäufen bemerkbar, beispielsweise beim elektrischen EQC oder dem Flaggschiff EQS von Mercedes-Benz. Angesichts der Tatsache, dass sich der Elektroautoabsatz in China mit über 2,9 Millionen zuletzt verdoppelt hat, sind das für deutsche Hersteller alarmierende Nachrichten. Das Handelsblatt sieht für Mercedes-Benz und Co. sogar Folgen für andere Märkte bevorstehen. „Wer auf dem größten Automarkt der Welt den Sprung in die Digitalisierung und die Elektromobilität nicht schafft, wird am Ende auch seinen Heimatmarkt nicht verteidigen können“, heißt es.

Mercedes-Benz verliert Anschluss in China - und könnte an Aufholjagd gehindert werden

Mercedes-Benz könnte diese Probleme nun als Anlass nehmen, die Strategie in China zu verbessern und zur Aufholjagd zu blasen. Laut Handelsblatt dürfte das aber in Zukunft schwer werden. Denn deutsche Fahrzeughersteller agierten in China bislang mit dem Wohlwollen und der Unterstützung der dortigen Staatsführung.

Mit steigendem Know-How der chinesischen Fahrzeughersteller werden Mercedes-Benz und Co. allerdings überflüssig, ein Hofieren seitens der Staatsführung ist nicht mehr nötig. „Ich wäre nicht überrascht, wenn in ein paar Jahren mindestens die Hälfte des chinesischen Automarkts von einheimischen Herstellern übernommen wird“, fürchtet deshalb auch Stephan Wöllenstein, China-Chef bei Volkswagen.

Mercedes-Benz, Volkswagen oder BMW versuchen entgegenzusteuern, indem Forschungs- und Entwicklungskapazitäten nach China wandern. Das könnte sich laut Experten aber als fataler Fehler erweisen. Denn der Schutz geistigen Eigentums wird in der Volksrepublik nicht gerade großgeschrieben. „So sorgen die deutschen Autobauer gleich für Nachschub auf dem chinesischen Fachkräftemarkt“, so das Handelsblatt.

Auch interessant

Kommentare