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Mercedes und BMW setzen auf Projekt, das laut Elon Musk „eine wirklich schlechte Idee“ ist

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Von: Berkan Cakir

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Montage: Elon Musk schaut skeptisch, daneben ein Mercedes-Benz auf einer Straße.
Mercedes-Benz setzt auf 3D-Karten - eine Technologie, die Tesla-Chef Elon Musk massiv kritisiert. © dpa/Montage

Im Dezember 2021 erhielt Mercedes-Benz als erster Automobilhersteller weltweit die Genehmigung, Autos zu verkaufen, die autonom nach Level 3 fahren. Tesla-Chef Elon Musk ist jedoch skeptisch.

Stuttgart - Im Auto Netflix einschalten, sich gemütlich im Sessel zurücklehnen, das Lenkrad loslassen und lässig beide Hände hinter dem Kopf verschränken, während das Auto weiterfährt - theoretisch ist das in Deutschland möglich. Ende Mai 2021 hat der Bundesrat den Gesetzesentwurf für das autonome Fahren abgesegnet. Im Dezember vergangenen Jahres erhielt Mercedes-Benz als erster Automobilhersteller weltweit die Genehmigung, Autos zu verkaufen, die autonom nach Level 3 fahren. Das autonome Fahren ist grundsätzlich in sechs Stufen untergliedert: Bei null hat allein der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug, bei fünf ist volle Autonomie möglich.

Mercedes-Benz rüstet S-Klasse und EQS auf Wunsch mit dem Drive Pilot aus - Autonomes Fahren möglich

Seit der ersten Jahreshälfte 2022 rüstet der schwäbische Autobauer die S-Klasse und das Luxus-E-Auto Mercedes-Benz EQS deshalb auf Wunsch mit dem sogenannten Drive Pilot aus. Zumindest auf der Autobahn kann die Fahrt dann von einem Computer bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde übernommen werden, wenn es beispielsweise Stau gibt oder stockender Verkehr herrscht. Höhere Geschwindigkeiten sind derzeit nicht erlaubt.

Deutsche Autobauer setzen dabei auf HD-Karten, mit der millimetergenau Gebäude und Hindernisse erfasst werden können. Auch die Ingenieure von Mercedes-Chef Ola Källenius versprechen sich viel von dieser Technologie. Die präzisen Karten liefert das Unternehmen Here Technologies. Die Firma mit Sitz in Amsterdam soll den deutschen Autoherstellern im Kampf gegen die Tech-Konkurrenz aus den USA helfen. Google, Apple und Tesla arbeiten selbst kräftig an der Entwicklung des autonom fahrenden Fahrzeugs. Das Unternehmen von Elon Musk setzt dabei aber auf eine andere Technik.

Mercedes-Benz übernahm einen Teil von Here 2015 - seither schreibt das Unternehmen rote Zahlen

Gerade an der Technologie scheiden sich in der Praxis die Geister. Elon Musk selbst hält nicht viel von 3D-Karten wie der von Here. Als „eine wirklich schlechte Idee“, bezeichnete er sie zuletzt. Zu teuer sei die Technik, und zu langsam, um auf Veränderungen zu reagieren. Der US-Pionier Tesla setzt stattdessen nur auf Kameras an den Autos, die die Straße voraussehen und so auf Hindernisse reagieren.

Fakt ist: Kartenlieferant Here schreibt seit Jahren rote Zahlen. Ende 2015 übernahmen Mercedes-Benz, BMW und Audi das Unternehmen für 2,6 Milliarden Euro. Laut einem Bericht des Handelsblatts brockt Here seither seinen Mehrheitsgesellschaftern nur Verluste ein. Kumuliert stünden rund 1,3 Milliarden Euro Minus in den Büchern. Das Corona-Jahr tat sein Übriges: Der Umsatz brach 2020 um fast ein Viertel ein, auf rund 857 Millionen Euro.

Mercedes-Benz hat angekündigt, die Gelder für autonomes Fahren zu kürzen

Auch Daimler hat kürzlich angekündigt, bei der entscheidenden Zukunftstechnologie zu kürzen. Man müsse sparen und Prioritäten setzen, sagte Ola Källenius. Autonomes Fahren steht demnach nicht mehr ganz oben auf der Liste. Zunächst will sich der Autobauer aus Stuttgart auf die Elektromobilität konzentrieren. Ab 2030 will Mercedes-Benz nur noch E-Autos produzieren.

Fest steht, dass die Gesellschafter von Here, zu denen auch Bosch gehört, ihre Verluste minimieren und Gewinne sehen wollen. Die Entwicklung des autonomen Fahrens gilt ohnehin als teuer. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die Kunden auf die Technologie reagieren. Wird ihr überhaupt vertraut werden?

Mercedes-Benz scheint das autonome Fahren zunächst dem US-Pionier Tesla zu überlassen

Here gerät angesichts dessen unter Druck, vor allem auch weil das Unternehmen enorm von der Autoindustrie abhängig ist. 71 Prozent des Umsatzes soll laut Handelsblatt aus der Fahrzeugbranche kommen. Here-Chef Edzard Overbeek prüfe deshalb weitere Optionen in anderen Branchen, um Kapital zu generieren. Ein Börsengang steht im Raum.

Für Mercedes-Benz ist die Technologie nicht vom Tisch. Das autonome Fahren sieht man nach wie vor als „Schlüsseltechnologie“. Mit den Kürzungen in diesem Bereich scheint es allerdings so, als würde der Konzern vorerst Tesla das Feld überlassen.

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