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Streit um Strategie: Chef von Stuttgarter Autozulieferer schmeißt nach vier Monaten hin

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Von: Julian Baumann

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Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen, im Vordergrund steht eine Skulptur, die eine Kurbelwelle und Kolben eines Motors darstellt.
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen. CEO Matthias Arleth verlässt das Unternehmen nach nur vier Monaten wieder. © Marijan Murat/dpa

Der Chef des Stuttgarter Autozulieferers Mahle verlässt das Unternehmen nach nur vier Monaten im Amt. Grund dafür ist offenbar Uneinigkeit in Bezug auf die Strategie.

Stuttgart - Die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität betrifft nicht nur Autokonzerne wie Mercedes-Benz, sondern auch die Zulieferer in Deutschland. Neben dem weltgrößten Autozulieferer Bosch, hat in Stuttgart auch ein weiteres wichtiges Unternehmen der Industrie seinen Hauptsitz. Mahle stellt vor allem Komponenten und Systeme für Verbrennungsmotoren, wie Kolben, Zylinder und Ventilsteuerungen her. Deshalb hat der schwäbische Stiftungskonzern besonders mit der Transformation zu kämpfen.

Durch die Transformation, die Corona-Krise und Altlasten fährt Mercedes-Benz seit einiger Zeit einen strengen Sparplan und baut massiv Stellen ab. Das bekamen in der Vergangenheit auch die Zulieferer des Traditionskonzerns zu spüren, die dadurch ebenfalls in die Krise gezogen wurden. Bei Mahle drohte 7.600 Mitarbeitern die Kündigung. Ein Wechsel an der Spitze des Konzerns sollte diese Probleme abfedern und dem über einhundert Jahre alten Unternehmen neue Perspektiven ermöglichen. Ein „Vordenker“ sollte dem Mercedes-Zulieferer aus der Krise helfen.

Mahle-Chef Matthias Arleth: Nach nur vier Monaten nimmt der „Vordenker“ seinen Hut

Matthias Arleth, der seinen Posten bei Mahle am 1. Januar 2022 angetreten hat, verfügt über langjährige Erfahrungen in der Automobilindustrie. Zuletzt war der 53-Jährige stellvertretender Vorsitzender von Webasto. „Mit Matthias Arleth haben wir sowohl einen ausgewiesenen Experten für Produktentwicklung in den Zukunftstechnologien als auch einen konsequenten Treiber von Transformationsprozessen gewonnen“, sagte der Mahle-Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Junker zu Beginn des Jahres. Nun teilte das Unternehmen aber mit, dass Arleth seinen Posten zum 30. April wieder aufgeben wird.

Matthias Arleth
Mahle-Chef Matthias Arleth nimmt nach nur vier Monaten im Amt wieder seinen Hut. © Webasto SE/MAHLE/dpa

Wie Mahle am Freitag, 15. April, in einer Pressemitteilung erklärte, sei die „einvernehmliche Beendigung der Zusammenarbeit“ mit Matthias Arleth wegen unterschiedlicher Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Konzerns erfolgt. Wie genau die unterschiedlichen Auffassungen aussahen, teilte der Konzern nicht mit.

Mahle: Auch Vorgänger Jörg Stratmann legte sein Amt vorzeitig nieder

Mahle ist mit über 70.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 9,8 Milliarden Euro (2020) ein bedeutendes Unternehmen der deutschen Autoindustrie. Das ist laut dem Manager Magazin vor allem dem mächtigen Aufsichtsratschef Heinz Junker zu verdanken, der den Stuttgarter Konzern zu einem weltweiten Champion ausgebaut hat. Mahle hat Junker demnach viel zu verdanken, der Aufsichtsratschef mischt sich aber auch intensiv in das operative Geschäft ein, weswegen die Spitze des Konzerns in der Vergangenheit häufig wechselte. Auch Jörg Stratmann, der Vorgänger von Matthias Arleth als Mahle-Chef, legte im März 2021 sein Amt vorzeitig nieder.

Bis Matthias Arleth im Januar 2022 offiziell als neuer Mahle-CEO bestätigt wurde, führte Finanzchef Michael Frick das Unternehmen als Interims-CEO. Frick soll laut der Mitteilung nun auch nach dem Abgang von Arleth am 30. April die Geschäftsführung von Mahle übernehmen, bis die Entscheidung über einen Nachfolger gefallen ist. Der Autozulieferer will demnach den eingeschlagenen Weg in der Transformation weitergehen. „Wir sind davon überzeugt, dass die Geschäftsführung inmitten großer Herausforderungen den eingeschlagenen Weg der Transformation erfolgreich fortsetzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Mahle-Konzerns langfristig stärken wird“, so Heinz Junker.

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