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Hacker veröffentlichen erbeutete Daten von Autozulieferer - auch Kunden wie Mercedes und BMW betroffen

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Von: Julian Baumann

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EIn Auto hat den Schriftzug des Autozulieferers Continental aus Hannover auf der Fahrertür angebracht.
Die beim Cyberangriff auf Autozulieferer Continental erbeuteten Daten beinhalten auch Information von Kunden wie Mercedes-Benz oder VW (Symbolbild). © Continental AG

Nach einem Cyberangriff auf den Autozulieferer Continental im Sommer haben die Hacker die erbeuteten Daten im Darknet veröffentlicht und bieten sie nun zum Verkauf an.

Stuttgart/Hannover - Gerade große, global agierende Unternehmen geraten immer wieder ins Visier von Hackern. Im Jahr 2020 übernahm ein Hacker beispielsweise den Instagram-Account von Daimler (heute Mercedes-Benz) und im Rahmen des Ukraine-Krieges stieg die Sorge vor Angriffen russischer Hacker auf deutsche Firmen besonders an. „Die Gefahr ist hoch“, sagte der Heckler & Koch-Chef in Bezug auf Cyberangriffe auf Rüstungsunternehmen. Auch der Automobilzulieferer Continental aus Hannover wurde im Sommer Opfer eines Hackerangriffs. Die Täter veröffentlichten die erbeuteten Daten nun im Darknet und stellen Forderungen.

Das Unternehmen Continental ist neben den schwäbischen Konzernen Bosch aus Stuttgart und der ZF Friedrichshafen einer der größten Autozulieferer Deutschlands. Wie das Handelsblatt aktuell berichtet, haben die Hacker beim Angriff auf Continental nicht nur sehr viele, sondern auch äußerst sensible Daten erbeutet, zu denen neben persönlicher Korrespondenz der Führungsriege und Strategieplänen des Unternehmens auch Daten der Kunden zählen. Da zu den Continental-Kunden unter anderem auch die Weltkonzerne Mercedes-Benz, BMW und VW gehören, zieht der Angriff besonders weite Kreise.

Cyberangriff auf Continental-Server: Hacker erbeuten auch Daten von Mercedes, Porsche und Co.

Dem Handelsblatt zufolge hatte Continental im August noch verlauten lassen, man habe einen Cyberangriff „selbst festgestellt und daraufhin abgewendet.“ Die nun im Darknet, einem anonymen, verborgenen Teil des Internets, veröffentlichte Liste mit sensiblen Daten zeigt nun aber, dass der Angriff nicht abgewendet werden konnte. In der Liste, die fast acht Gigabyte an Daten enthält, befinden sich laut der Wirtschaftszeitung unter anderem Investitions- und Strategiepläne, Unterlagen aus dem Personalbereich und auch vertrauliche Dokumente und Korrespondenz der Vorstände und Aufsichtsräte von Continental. Zudem sollen die Hacker bei dem Angriff auch einen Brief erbeutet haben, den der Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle dem ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn geschrieben hatte.

Neben Continental selbst sind durch den Hackerangriff auch gewerbliche Kunden des großen Automobilzulieferers betroffen. So sollen sich auf der im Darknet veröffentlichen Liste auch Kundendaten von Porsche, BMW und Mercedes-Benz befinden. Das Handelsblatt nennt als Beispiele für die Daten, die von den Servern von Continental über VW erbeutet werden konnten, unzählige Geheimhaltungsverträge zur Software-Einheit Cariad, sowie Details zur Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Autokonzern im chinesischen Markt. Die Autohersteller seien über das Ausmaß des Angriffs informiert worden, VW habe auf eine Handelsblatt-Anfrage aber nicht reagiert und Mercedes-Benz sowie BMW wollten sich nicht zur Liste äußern.

Hacker stellen Datensatz zum Verkauf: Continental wollte offenbar kein Lösegeld zahlen

Wie Continental in der vergangenen Woche gegenüber dem Handelsblatt bestätigte, soll der Cyberangriff von der Ransomware-Gruppe „Lockbit 3.0“ durchgeführt worden sein, die vor allem aus dem russischsprachigen Raum heraus operiert. Die Gruppe hatte die erbeuteten Daten, die größte Datenmenge, die jemals bei einem DAX-Konzern abgegriffen wurde, Ende vergangene Woche für 50 Millionen US-Dollar zum Verkauf angeboten. Continental hatte sich zuvor offenbar geweigert, Lösegeld für die Daten zu zahlen, wie aus im Darknet veröffentlichten Chatverläufen hervorgehen soll. Ein Experte warnte bereits im vergangenen Jahr vor einem Wettrüsten unter Hackern.

Cyberangriffe werden oftmals von ausländischen Nachrichtendiensten eingesetzt, um an sensible Daten zu gelangen. Es gibt aber auch private Hackergruppen, die in der Vergangenheit verheerende Schäden durch die Veröffentlichung geheimer Daten angerichtet hatten. Gerade die Politik und die Bundesverwaltung wurden in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Cyberangriffen, aber auch die deutsche Wirtschaft steht im Visier der Hacker, da „Know-how und Innovationen als erfolgskritische Faktoren im internationalen Wettbewerb“ gelten, wie der Verfassungsschutz schreibt. Erst vor wenigen Tagen wurde die Hochschule Heilbronn Opfer eines Hackerangriffs.

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