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Ukraine-Krieg: Deutsche Autoindustrie in Sorge - „Die Menschen kommen zuerst, dann alles Geschäftliche“

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Von: Julian Baumann

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Produktion der Mercedes-E-Klasse im Werk bei Moskau.
Von der eskalierenden Situation zwischen Russland und der Ukraine ist auch die deutsche Autoindustrie betroffen. Mercedes-Benz betreibt ein Produktionswerk nahe Moskau. © Daimler AG - Global Communications

Die Invasion Russlands in die Ukraine hat auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. In der Autoindustrie sind mehrere Unternehmen direkt betroffen.

Stuttgart - Am 24. Februar erreichte eine Schocknachricht die Welt. Russland hat entgegen dem Völkerrecht mit der Invasion in die Ukraine begonnen. Nach dem Bombardement mehrerer Städte sind die russischen Truppen inzwischen bereits in die Hauptstadt Kiew vorgedrungen. Die Mitgliedsstaaten der EU und die USA haben ihre Solidarität und ihr Mitgefühl gegenüber der ukrainischen Bevölkerung ausgesprochen. Auch die Stuttgarter reagierten geschockt auf Russlands Angriff auf die Ukraine. Neben den fatalen Folgen für die ukrainische Bevölkerung und den Weltfrieden hat die inzwischen zum Krieg gewordene Krise auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft.

Der Europapark hat bereits die Zusammenarbeit mit dem russischen Sponsor Nord Stream 2 gestoppt und teilte mit, Wirtschaft und Politik strikt trennen zu wollen. Durch die Wirtschaftsstärke Russlands ist auch die weltweit agierende Autoindustrie in Deutschland von dem verheerenden Konflikt betroffen. Während die Auswirkungen auf Mercedes-Benz und BMW noch verhältnismäßig gering ausfallen, ist der VW-Konzern deutlicher betroffen. Auch die Maschinenbauer und Autozulieferer aus Baden-Württemberg sind in Sorge.

Folgen des Ukraine-Konflikts für die Autoindustrie: „Die Menschen kommen zuerst“, sagt der Mercedes-Chef

Aufgrund der immer weiter eskalierenden Situation zwischen Russland und der Ukraine fürchten auch deutsche Unternehmen um ihre Absatzmärkte und um ihre Mitarbeiter in Osteuropa. Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius hat sich in Bezug auf den Konflikt besorgt gezeigt. „Ich hoffe, der Konflikt lässt sich deeskalieren, um diese Situation zu entschärfen“, sagte er am Donnerstag, 24. Februar, in Stuttgart, laut der Deutschen-Presse-Agentur (dpa). „Es ist eine Situation, die wir sehr genau betrachten werden.“

Noch seien die direkten Auswirkungen auf Mercedes-Benz aber nicht abzusehen, zumal der Autobauer auch keine Standorte in der Ukraine unterhält. Im Jahr 2019 eröffnete Mercedes aber ein Produktionswerk in der Nähe von Moskau mit derzeit rund 1.000 Mitarbeitern. „Selbstverständlich sind wir mit unseren Leuten in Kontakt“, sagte Ola Källenius. „Die Menschen kommen zuerst, dann alles Geschäftliche.“

Ukraine-Krieg: „Autoindustrie wird für viele Jahre keine relevanten Investitionen in Russland tätigen“

Auch der VW-Konzern, der eine deutlich engere Geschäftsbeziehung mit Russland unterhält, zeigte sich von dem eskalierenden Konflikt beunruhigt. Man habe „mit Sorge und Betroffenheit die Verschärfung der Lage zur Kenntnis genommen“, hieß es bereits am Mittwoch auf Anfrage der dpa aus dem Wolfsburger-Konzern. Derzeit werde laufend geprüft, welche Auswirkungen der Krieg auf die Geschäfte in den betroffenen Ländern haben könne. Oberstes Ziel sei es, die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. VW betreibt im Südwesten Moskaus ein eigenes Fertigungswerk. Im Jahr 2021 lieferten die Marken des Konzerns allein in Zentral- und Osteuropa fast 660.000 Fahrzeuge aus.

„Russland wird lange Zeit als wichtiger Absatzmarkt und Produktionsstandort für die Automobilindustrie ausfallen“, erklärte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) laut press-inform. Zwar könnten die genauen Effekte des Krieges auf die Industrie noch nicht genau festgelegt werden. „Allerdings dürfte das Anlagevermögen von Automobilherstellern und Zulieferern in Russland erheblich an Wert verlieren“, so Bratzel. „Die Automobilindustrie wird für viele Jahre keine relevanten Investitionen in Russland tätigen.“ Zudem sei auch mit erheblichen indirekten Folgen für die deutsche Automobilbranche zu rechnen, da sich die Energie- und Mineralölpreise in den kommenden Jahren deutlich erhöhen werden.

Wirtschaft in Baden-Württemberg: Maschinenbauer und Autozulieferer in Sorge wegen Ukraine-Krieg

Während Mercedes-Benz und auch BMW voraussichtlich weniger von den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine betroffen sein werden, sind die Folgen für VW deutlicher. Auch bei den Zulieferern in Baden-Württemberg steigt die Sorge. Beim größten Autozulieferer der Welt, Bosch aus Stuttgart, steht ebenfalls die Sicherheit der Mitarbeiter im Fokus. „Wir verfolgen die jüngsten Entwicklungen in der Region und ihre möglichen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen mit großer Sorge“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der Tagesschau mit. „Gleichzeitig treffen wir alle erforderlichen Vorkehrungen für den Schutz unserer Mitarbeiter.“ Bosch beschäftigt in Russland etwa 3.400 Mitarbeiter und unterhält auch Standorte in der Ukraine.

Der weltweit größte Nutzfahrzeugzulieferer, ZF Friedrichshafen, hat im Jahr 2020 in Russland und der Ukraine mit 400 Millionen Euro rund ein Prozent des Gesamtkonzernumsatzes erwirtschaftet. „Wir verfolgen die Entwicklungen in der ukrainisch-russischen Grenzregion sehr aufmerksam“, sagte ein Sprecher gegenüber dem Südkurier. Für eine Einordnung der Konsequenzen auf internationaler Ebene sei es aktuell aber noch zu früh. Die ebenfalls in Friedrichshafen ansässige MTU-Mutter Rolls-Royce-Power Systems ist nach Angaben eines Sprechers ebenfalls „in Sorge“. Zu den möglichen Sanktionen des Westens gegenüber Russland sagte der Sprecher dem Südkurier: „Was immer die EU oder Bundesregierung beschließt, wird bei uns Beachtung finden.“

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