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„Vollkommen verrückter“ Automarkt: Gebrauchtwagen sind teurer als neue Autos

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Von: Julian Baumann

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Ein Mercedes AMG GLA 45 S 4Matic, Allrad-SUV Geländewagen als Gebrauchtwagen im Programm „Junge Sterne“ des Stuttgarter Autokonzerns.
Junge Gebrauchte sind inzwischen stellenweise teurer als Neuwagen. Die Kunden sind aufgrund der Lieferprobleme der Hersteller bereit, die höheren Kosten zu bezahlen. © Manfred Segerer/Imago

Die Lieferprobleme der Autohersteller bei Material und Rohstoffen wirken sich auf den Gebrauchtwagenmarkt aus. Die Fahrzeuge sind deutlich im Wert gestiegen.  

Stuttgart - Die deutsche Autoindustrie hat seit mehreren Monaten mit den Folgen der Chipkrise, ausgelöst durch Lieferengpässe von wichtigen Halbleiterkomponenten, zu kämpfen. Zudem hat der Ukraine-Krieg die Lieferprobleme von Material und Rohstoffen verschärft. Kunden von Mercedes, Porsche und Tesla müssen mitunter mehrere Monate auf die Auslieferung von E-Autos warten.

Doch auch die Lage auf dem Gebrauchtwagenmarkt spitzt sich derzeit für die Kunden immer weiter zu. Durch die Lieferschwierigkeiten sind die gebrauchten Autos derart im Wert gestiegen, dass sie stellenweise mehr kosten, als entsprechende Neuwagen, berichtet die Wirtschaftswoche. Aufgrund des Mangels an neu produzierten Fahrzeugen sind die Kunden aber bereit, die Mehrkosten für einen jungen Gebrauchten zu bezahlen.

Nachfrage nach Neuwagen ist hoch, Hersteller kommen mit Produktion nicht hinterher

Da die großen Autohersteller Mercedes-Benz, BMW, VW und Co. ihre Modellgenerationen immer wieder aktualisieren und anpassen, sanken die Gebrauchtwagen in der Vergangenheit schnell an Wert und viele Kunden kauften vorrangig die neusten Modelle der Hersteller. Inzwischen hat sich die Lage auf dem Automarkt aber deutlich gewandelt. Die Autohändler müssen inzwischen wirkliche Überzeugungsarbeit leisten, um Neuwagen an Kunden zu verkaufen. Und das, obwohl die Nachfrage nach wie vor sehr hoch ist. Der Grund dafür ist unter anderem, dass die Hersteller bestimmte Modellvarianten begrenzt haben oder aktuell überhaupt nicht mehr anbieten.

Autohändler wie Tammo Kayser von der BMW Freese-Gruppe decken sich deshalb mit Gebrauchtwagen ein, um die hohe Nachfrage der Kunden zu decken. Gerade bei jungen Gebrauchten, wie sie auch Mercedes-Benz unter dem Namen „Junge Sterne“ anbietet, werde die Lücke zu den Neuwagenpreisen deutlich enger, sagte Kayser der Wirtschaftswoche. Weil die Hersteller aufgrund der Lieferschwierigkeiten mit der Produktion nicht hinterherkommen, liegen die Preise von manchen gebrauchten Autos aktuell bereits über denen eines entsprechenden Neuwagens. Das betrifft vor allem E-Autos.

Wandel auf dem Gebrauchtwagenmarkt - „Spielt für E-Autos vollkommen verrückt“

Dieser Wandel auf dem Automarkt ist besonders paradox. E-Autos hatten zu Beginn des aktuellen Booms mit einem schnellen Wertverlust zu kämpfen, da die Hersteller vor allem die Batteriekapazität und damit die elektrische Reichweite immer weiter nachrüsteten. Zudem führte der staatliche Zuschuss beim E-Auto-Kauf dazu, dass neue batteriebetriebene Modelle günstiger zu erwerben waren, als junge Gebrauchtwagen. Ab 2023 sollen E-Auto-Kunden aber nicht mehr für jedes Modell eine Prämie bekommen. Inzwischen sieht die Lage aber deutlich anders aus. „Der Gebrauchtmarkt für Elektroautos spielt vollkommen verrückt“, sagte Stefan Moeller, Chef von Nextmove, dem größten Mietwagenanbieter von E-Autos, der Wirtschaftswoche.

Aufgrund der Lieferprobleme bei den Autoherstellern ist die Nachfrage nach jungen Gebrauchtwagen trotz deutlicher Preissteigerung extrem gestiegen. Der Markt für E-Autos sei „völlig ausgetrocknet“ und sauge „alles auf, was noch vier Räder hat“, so Moeller. Deshalb sind die Kunden auch bereit, deutlich mehr Geld für einen jungen Gebrauchtwagen auf den Tisch zu legen, als in der Vergangenheit. „Viele E-Modelle kann man als junge Gebrauchte sogar weit über dem Preis der entsprechenden Neuwagen verkaufen.“ Die derzeitige Situation könnte sich noch weiter verschärfen, da durch die Probleme immer weniger Neuwagen auf den Markt kommen. Dadurch sinkt im Umkehrschluss auch der Anteil an verfügbaren Gebrauchtwagen.

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