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„Wäre eine Katastrophe“: Gaslieferstopp hätte fatale Auswirkungen für die Autoindustrie

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter von Mercedes-Benz bringt im Werk den Stern an einem Auto der C-Klasse an.
Durch ein Gasembargo würde die deutsche Autoindustrie nach und nach zum Erliegen kommen, befürchten Arbeitnehmervertreter. © Carmen Jaspersen/dpa

Arbeitnehmervertreter wie die Gewerkschaft IG Metall befürchten bei einem Lieferstopp von russischem Gas erhebliche Probleme für die gesamte Autoindustrie.

Stuttgart - Die Folgen des Ukraine-Krieges waren bereits früh auch in der Autoindustrie zu bemerken. Die deutsche Autoindustrie sorgt sich vor allem um die Mitarbeiter in dem umkämpften Land. Doch auch wirtschaftlich führte der Krieg durch die unterbrochenen Lieferkette zu erheblichen Einbußen. Mercedes-Benz musste beispielsweise die Produktion in Sindelfingen drosseln und bei Porsche war die Produktion des elektrischen Taycan betroffen. Um die russische Wirtschaft zu schwächen und dem Aggressor, Wladimir Putin, die Finanzierung seines Angriffskrieges zu erschweren, wird derzeit über ein Gasembargo debattiert.

Sollte sich Europa, und damit auch Deutschland, für einen Lieferstopp von russischem Erdgas entscheiden, könnten die Bänder in der Autoindustrie länger als nur ein paar Monate stillstehen. Bosch-Chef Stefan Hartung warnte bereits vor drastischen Folgen und sprach sich dafür aus, vorerst nicht auf Gaslieferungen zu verzichten. Auch die Gewerkschaft IG Metall, die unter anderem die Interessen der Mitarbeiter von Mercedes-Benz und Bosch vertritt, blickt mit Sorge auf die Gasversorgung in Deutschland, berichtet das Handelsblatt.

IG Metall warnt vor sofortigem Gaslieferstopp - „sind entschieden dagegen“

Da Russland für den europäischen Kontinent der mit Abstand wichtigste Lieferant für Erdgas ist, hätte ein sofortiges Gasembargo weitreichende Folgen. „Wenn die Gaslieferungen aus Russland von jetzt auf gleich ausbleiben, dann wird die Industrie in Deutschland nach und nach zum Erliegen kommen“, sagte Birgit Dietze, IG Metall-Betriebsleiterin für Berlin-Brandenburg-Sachsen, bei einer Pressekonferenz. Die größte Arbeitnehmergewerkschaft der Bundesrepublik warnt deshalb davor, die Gaslieferungen sofort einzustellen. „Wir sind entschieden dagegen“, so Dietze laut dem Handelsblatt.

In den vergangenen Jahren mussten die großen Unternehmen in der deutschen Autoindustrie aufgrund der Corona-Pandemie die Produktion in mehreren Werken mehrmals unterbrechen und die Mitarbeiter zeitweise in die Kurzarbeit entlassen. Ein temporärer Produktionsausfall ist für Mercedes-Benz, Bosch und Co. demnach ein bekanntes Problem. Die IG Metall befürchtet jedoch, dass diese Ausfalle im Falle eines Gasembargos deutlich gravierender ausfallen könnten. „Ein Runterfahren von Maschinenbauern, Chemiebranche und Stahlherstellern würde auch die deutsche Autoindustrie massiv treffen“, stellte Dietze klar.

Gasembargo würden die aktuellen Probleme der Autoindustrie weiter verschärfen

Nicht nur bei den Autoherstellern und Zulieferern steigt die Sorge vor den Folgen eines Gasembargos, sondern auch bei den Materiallieferanten für die Autoindustrie. „Das wäre eine Katastrophe für uns“, warnte Dirk Vogeler, Betriebsrat des Stahlkonzerns Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt (Brandenburg). Trotz der Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine beschränken sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer laut dem Handelsblatt darauf, ihr Mitleid zu bekunden, statt mit direkten Sanktionen zu reagieren. Mercedes-Benz, BMW, VW und auch Bosch oder die ZF Friedrichshafen haben aber ihre Verbindungen zu Russland weitgehend gekappt und Lieferungen in das Land eingestellt.

Während die Sorge vor den Folgen eines Gasembargos in der deutschen Autoindustrie wächst, wird die Produktion weltweit auch noch immer von anderen Problemen belastet. Die Chipkrise, ausgelöst durch Lieferengpässe von wichtigen Halbleiterkomponenten, dauert seit vielen Monaten an und wurde durch den Ukraine-Krieg noch weiter verschärft. Hinzu kommt, dass auch die Corona-Pandemie noch immer nicht überstanden ist. Bosch-Mitarbeiter mussten in China trotz Lockdown weiterarbeiten, um die Produktion aufrechtzuerhalten zu können und der US-Autobauer Tesla konnte aufgrund eines Lockdowns in Shanghai nicht weiter produzieren.

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