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Gerichtsurteil: Autofahrer muss höhere Strafe zahlen, weil er SUV fährt

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Von: Julian Baumann

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Ein roter SUV von BMW fährt auf einer Straße.
Ein SUV-Fahrer in Frankfurt am Main muss eine höhere Strafe für das Missachten einer roten Ampel zahlen, weil das Gericht in der Größe des Fahrzeugs eine erhöhte Gefahr sieht (Symbolbild). © Diego Azubel/dpa

Für das Missachten einer roten Ampel sind im Bußgeldkatalog bestimmte Summen abgegeben. Ein SUV-Fahrer soll aufgrund der Größe seines Autos aber deutlich mehr blechen.

Stuttgart/Frankfurt am Main - Sogenannte „Sport Utility Vehicle“ (SUV), auch Geländelimousinen oder Stadtgeländewagen genannt, sind vor allem in großen Städten sehr beliebt. Mercedes-Benz stellte vor einigen Wochen eine SUV-Version des E-Flaggschiffs EQS vor. Manchen Autofahrern sind die großen Fahrzeuge im Straßenverkehr aber auch ein Dorn im Auge, da sie beispielsweise aufgrund ihrer Länge gleich mehrere Parkplätze belegen. Die Fahrzeugbreite spielt auch auf der Autobahn eine wichtige Rolle. SUV-Fahrern drohen dort Bußgelder, was vielen nicht bewusst ist.

Wer im Straßenverkehr eine Ordnungswidrigkeit begeht, kassiert in vielen Fällen ein Bußgeld und in manchen zusätzlich noch Punkte in Flensburg. Auch Beleidigungen im Straßenverkehr können richtig teuer werden. Die Größe des Fahrzeugs oder das Modell machen bei einem Verstoß normalerweise keinen Unterschied. Ein Gericht in Frankfurt am Main brummte einem Autofahrer nun allerdings ein höheres Bußgeld auf, da er einen SUV fuhr.

SUV-Fahrer missachtet rote Ampel: Gericht sieht „größere Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer“

Laut dem Gerichtsurteil missachtete eine „Person“, wie es im Gerichtsurteil heißt, am 5. November 2021 in einem SUV von BMW auf einer Kreuzung in Frankfurt am Main eine rote Ampel. Der Bußgeldkatalog sieht bei einem solchen Rotlichtverstoß Bußgelder zwischen 90 und 360 Euro vor. 90 Euro sind dann fällig, wenn die rote Ampel überfahren wurde, ohne dass es dadurch zu Folgen kam. 360 Euro müssen dann bezahlt werden, wenn das Missachten der roten Ampel zu einer Sachbeschädigung führt. Laut dem Gerichtsurteil stand die Ampel im Falle der SUV-Fahrerin seit mindestens einer Sekunde auf Rot, das Missachten führte aber nicht zu weiteren Folgen.

Gemäß dem Bußgeldkatalog ist in diesem Fall ein Bußgeld von 200 Euro und ein Fahrverbot von einem Monat vorgesehen. Das Gericht in Frankfurt entschied sich allerdings für eine höhere Strafe, wie dem Justiztext zu entnehmen ist. „Aufgrund der kastenförmigen Bauweise und den höher angeordneten Frontstrukturelementen stellt dieses Fahrzeug im Falle eines Unfalls eine größere Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer dar“, heißt es in Bezug auf den BMW-SUV. Bei der Höhe des Bußgeldes habe sich das Gericht zwar auf die Regelung im Bußgeldkatalog bezogen, aber auch vorherige Verkehrsverstöße des Fahrers sowie die Größe des Fahrzeugs einberechnet.

„Aufgrund der größeren abstrakten Gefährdung durch das geführte Kraftfahrzeug stellt sich der begangene Rotlichtverstoß gravierender als der Normalfall dar“, heißt es im Justiztext. „Daher weist dieser Fall eine Besonderheit auf, die ihn von gewöhnlichen Tatumständen unterscheidet, sodass die Regelbuße entsprechend zu erhöhen ist.“ Demnach verdonnerte das Gericht den Fahrer zu einer höheren Strafe, weil er einen großen SUV fuhr und nicht etwa einen Kleinwagen. „Vor dem Hintergrund dieser Erwägungen erachtet es das Gericht als tat- und schuldangemessen eine Geldbuße von 350 Euro festzusetzen.“

Geschwindigkeit bei Unfall laut Experte wichtiger als Größe oder Gewicht des Autos

Wie bereits genannt macht es bei der Festlegung der Bußgeldhöhe für Verkehrsverstöße eigentlich keinen Unterschied, ob der Verkehrsteilnehmer einen Mercedes-GLS, der bereits als „monströser Stadtpanzer“ bezeichnet wurde, oder einen Smart Fortwo fuhr. Im Falle eines Unfalls hat der Fahrer eines großen Fahrzeugs aber wohl die besseren Karten. Allerdings sei die Geschwindigkeit in solchen Fällen wichtiger als die Größe oder das Gewicht, erklärte Siegfried Brockmann, Unfallforscher der deutschen Versicherer, gegenüber RP-Online. „Alles, was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug.“

Demnach geht von einem SUV im Falle eines Unfalls nicht zwangsläufig mehr Gefahr aus. „Wenn ein [VW, Anm.d.Red.] Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein [Porsche, Anm.d.Red.] Macan mit 40“, so Brockmann. Laut der Tagesschau kommt es allerdings bereits zu Fällen, bei denen Lkw-Fahrer, die einen Verkehrsverstoß begehen, härter bestraft werden als Fahrer kleinerer Fahrzeuge.

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