1. bw24
  2. Auto
  3. E-Autos

„Wandel zur E-Mobilität wird sich sicher verlangsamen“: ZF-Managerin warnt vor Folgen der Energiekrise

Erstellt:

Von: Julian Baumann

Kommentare

Sabina Jaskula, Personalvorständin und Arbeitsdirektorin der ZF Friedrichshafen AG.
ZF-Personalchefin Sabine Jaskula spricht von einer „toxischen Mischung aus Energiekrise und Inflation“, die den Wandel zur E-Mobilität bremsen könnte. © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen

Die Energiekrise und die Inflation bereiten der Autoindustrie in Bezug auf den Hochlauf der E-Mobilität Sorgen. Eine Managerin der ZF Friedrichshafen warnt vor den Folgen.

Friedrichshafen - Die weltweite Autoindustrie befindet sich zunehmend in einer Zwickmühle. Hersteller und Zulieferer fokussieren sich auf die E-Mobilität, aber die extrem angestiegenen Stromkosten könnten dem Hochlauf einen Strich durch die Rechnung machen oder ihn zumindest deutlich verzögern. Autoexperte Stefan Bratzel warnte, dass die Stromkostenexplosion den Umstieg aufs E-Auto gefährden könnte.

Zudem drosselt die Bundesregierung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt die Prämie für den Kauf eines elektrischen Autos, was den Wandel ebenfalls ausbremsen dürfte, wie eine Managerin der ZF Friedrichshafen erklärte. Von einer „toxischen Mischung aus Energiekrise und Inflation“, sprach ZF-Personalvorständin Sabine Jaskula gegenüber dem Spiegel. Sie erwarte, dass die Produktion von Neuwagen in Europa im kommenden Jahr deutlich zurückgehen werde.

ZF Friedrichshafen: Personalchefin erwartet deutlich weniger elektrische Neuwagen in 2023

Die ZF Friedrichshafen ist, nach Bosch, der zweitgrößte deutsche und weltweit der drittgrößte Autozulieferer und befindet sich ebenfalls mitten in der Transformation zur E-Mobilität. Das Unternehmen aus der Kreisstadt des Bodenseekreises hat jahrzehntelang Antriebs- und Fahrwerktechnik entwickelt, inzwischen rüstet die ZF aber um. „Das neue Zahnrad ist der Chip und die Software“, erklärte CEO Wolf-Henning Schneider in Bezug auf den Firmennamen (Zahnradfabrik) des Traditionskonzerns. Für den Wandel investierten die Schwaben allein im vergangenen Jahr rund 3,1 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

Durch die Energiekrise ist das Autofahren insgesamt teurer geworden, die E-Mobilität ist allerdings besonders betroffen. Die ZF hält, wie auch Bosch und die großen Autokonzerne Mercedes-Benz, VW und BWM, weiterhin an der Transformation fest, ist in Bezug auf die kommenden Monate aber weniger optimistisch eingestellt. Als Worst-Case-Szenario könnten statt den angepeilten 18 Millionen E-Autos in Europa, 2023 nur rund 11 Millionen vom Band rollen, erklärte ZF-Personalchefin Sabine Jaskula. Dass ab kommendem Jahr die E-Auto-Prämie auch nicht mehr für alle Modelle gilt, nimmt dem Hochlauf noch mehr Wind aus den Segeln. „Der Wandel zur E-Mobilität wird sich so sicher verlangsamen.“

ZF-Manager sieht Ziel der Ampelkoalition bis 2030 kritisch - „kaum noch zu erreichen“

Neben der Personalchefin der ZF Friedrichshafen äußerte auch ihr Kollege, der Personalleiter Frank Iwer, gegenüber dem Spiegel Bedenken in Bezug auf die E-Auto-Produktion. Das Ziel der Ampelkoalition, 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf Deutschlands Straßen zu bringen, sei „kaum noch zu erreichen“, erklärte er. Doch nicht nur Deutschland beschleunigt den Wandel hin zu einer klimafreundlichen Mobilität, die EU-Staaten hatten sich erst kürzlich auf ein Verbrenner-Verbot ab 2035 geeinigt. ZF-Personalleiter Iwer erwartet angesichts der aktuellen Probleme aber eine „Laufzeitverlängerung für Verbrenner“, die dann mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden.

Die Transformation von der Verbrenner- zur E-Auto-Produktion ist bereits seit einiger Zeit im Gange. Mercedes-Benz hat angekündigt, dass die kommende E-Klasse das letzte Modell auf einer Verbrenner-Architektur sein werde. Auch die ZF Friedrichshafen hat für die Neuausrichtung die Weichen gestellt und startete kürzlich eine Qualifizierungsoffensive für die E-Auto-Produktion. Für den endgültigen Durchbruch der E-Mobilität müssten die mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland schnell auf eine Stromversorgung umgerüstet werden. „Ansonsten wird der große Durchbruch für das E-Auto noch jahrelang ausbleiben“, warnte Frank Iwer.

Auch interessant

Kommentare