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VW-Batteriefabrik in Tschechien trifft auf massive Kritik - Angst vor Überfremdung

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Von: Julian Baumann

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Mitarbeiter gehen zu dem Eingang von dem Firmengelände des Automobilherstellers Skoda Auto.
Pläne für eine Batteriefabrik von VW-Tochter Skoda stoßen in Tschechien auf massive Kritik. Gemeinden befürchten eine Überfremdung in der Region. © David Taneèek/dpa/CTK

VW-Konzerntochter Skoda plant eine Batteriefabrik für E-Autos nahe der Wirtschaftsmetropole Pilsen. Das Vorhaben trifft bei der Bevölkerung auf deutliche Kritik.

Stuttgart/Pilsen - Bereits bevor Porsche-Chef Oliver Blume den Chefposten bei Mutterkonzern Volkswagen übernommen hatte, verkündete der größte Autohersteller Europas engagierte Pläne für die kommenden Jahre. Bis 2030 will der Wolfsburger Konzern allein in Europa sieben oder acht Batteriefabriken für den Hochlauf der E-Auto-Produktion errichten. Nach anfänglichem Zögern plant Volkswagen, wie beispielsweise auch Mercedes-Benz, in großem Stil selbst Batteriezellen herstellen. Mitte Juli legte VW den Grundstein für eine Gigafabrik in Salzgitter, eine weitere ist derzeit in Tschechien in Planung.

Der tschechische Auto- und Motorenhersteller Skoda, der seit über 30 Jahren zum VW-Konzern gehört, hat sich kürzlich eine Frischzellenkur gegönnt. Neben einem neuen Firmenlogo und einer umfangreichen Marketingkampagne für die Hybrid- und E-Auto-Modelle der Marke hat Skoda mit Klaus Zellmer seit Juli auch einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Im Rahmen der Ausrichtung von Mutterkonzern Volkswagen soll auch Skoda im Heimatland Tschechien selbst Batteriezellen produzieren. Der geplante Bau einer Gigafabrik nahe der Wirtschaftsmetropole Pilsen trifft in der Bevölkerung allerdings auf deutliche Ablehnung.

VW-Tochter Skoda will eigene E-Auto-Batterien herstellen - Pläne für Fabrik stoßen auf massive Kritik

Seit Oliver Blume am 1. September die Nachfolge vom ehemaligen VW-Chef Herbert Diess übernommen hat, macht der Manager bei den Wolfsburgern noch mehr Tempo auf dem Weg zur E-Mobilität. Im Gegensatz zur Sportwagen-Tochter Porsche, die Blume nach eigener Aussage weiterhin leiten will, setzt VW vollständig auf E-Autos. Auch Skoda will bis 2030 sieben von zehn verkauften Autos der Modellreihen vollelektrische betreiben. Mit dem Hochlauf der E-Auto-Produktion steigt allerdings auch der Bedarf an Batteriezellen. Die Regierung in Prag hat Ende Juli der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (faz) zufolge ein Konzept beschlossen, nach dem Batterien künftig direkt in der Tschechischen Republik produziert werden können.

Autohersteller Skoda ist mit knapp 34.000 Mitarbeitern allein in Tschechien das mit Abstand größte Unternehmen des Landes. Eine eigene Batteriefertigung, statt des Imports aus anderen Ländern, ist auf den ersten Blick also ein Gewinn für die tschechische Wirtschaft. Laut der faz will Handels- und Industrieminister Jozef Síkela dafür einen kaum genutzten Militärflughafen nahe der Großstadt Pilsen zu einem Industriepark umrüsten. Während die Regierung von dem Vorhaben des großen Autoherstellers begeistert ist, es sollen rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen, regt sich bei der Bevölkerung deutliche Kritik an der geplanten Fabrik.

Die E-Mobilität soll das Fahren und den Verkehr auf den Straßen insgesamt umweltfreundlicher machen und die CO2-Emissionen massiv senken. Für die riesigen Auto- und Batteriefabriken, die durch den Hochlauf entstehen, müssen mitunter dennoch unzählige Quadratmeter an Natur und Vegetation weichen. Als US-Autobauer Tesla den Bau der „Giga Berlin“ in Grünheide verkündete, gab es in der Bevölkerung einen großen Aufschrei, da das Unternehmen ganze Waldflächen für die Fabrik abholzte. Ähnlich verhält es sich derzeit mit den Plänen von VW-Tochter Skoda nahe Pilsen. Aktivisten haben innerhalb von drei Wochen 8.200 Unterschriften gegen den Bau der Gigafactory gesammelt und Hobbypiloten stellen aus Protest ihre Flugzeuge auf dem Flugplatz ab.

Skoda-Batteriefabrik: Region hat Angst vor Überfremdung - „kein Projekt, das wir uns wünschen“

Die Sorge um das Grundwasser ist eine weitere Parallele zum Bau der Gigafactory von Tesla in Grünheide. Im Falle der geplanten Skoda-Fabrik gibt es aber offenbar noch ganz andere Befürchtungen. Der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, die an das geplante Gewerbegebiet angrenzt, habe gefragt, wo denn die Arbeiter der Fabrik wohnen und wo ihre Kinder zur Schule gehen sollen. „Das ist kein Projekt, das wir uns wünschen“, machte er laut der faz deutlich. Auch Pilsens Bezirkschef Josef Bernard wird mit einer Aussage zitiert, die nahelegt, dass er „definitiv“ gegen den Bau von Wohnunterkünften für ausländische Arbeitskräfte ist.

Die Angst vor einer Überfremdung durch eine mögliche Batteriefabrik von VW nahe Pilsen überrascht, da der Arbeitsmarkt in Tschechien so leergefegt ist, wie kaum ein anderer. Zugleich werden durch die Umstellung vom Verbrenner auf die E-Mobilität aber auch viele Stellen wegfallen. Andere Beispiele zeigen zudem, dass die Regionen nicht unbedingt von einer Ansiedlung einer Großfabrik profitieren. Die erste Batteriefabrik Europas, in Ungarn, belastet die Einwohner in der Gemeinde zunehmend. Im Falle von Pilsen und Skoda steht der Bau der Fabrik allerdings noch nicht endgültig fest. Nachdem VW erst kürzlich die Gigafactory in Salzgitter in Betrieb genommen hatte, dürfe es der Konzern mit dem Bau der nächsten Batteriefabrik auch nicht zu eilig haben.

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