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VW räumt mit Brand-Mythos bei E-Autos auf: „Es besteht kein erhöhtes Gefahrenpotential“

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Von: Julian Baumann

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Der Mythos, dass E-Autos häufiger brennen als Fahrzeuge mit anderen Antrieben, hält sich hartnäckig. Der VW-Konzern betont jedoch gegenüber BW24, dass von den Stromern kein erhöhtes Gefahrenpotenzial ausgeht.

Stuttgart/Wolfsburg - Seitdem sich die weltweite Autoindustrie zunehmend auf die Produktion von E-Autos fokussiert, hält sich hartnäckig das Gerücht, dass elektrische Fahrzeuge zum einen besonders oft Feuer fangen, und zum anderen davon ein besonders hohes Risiko ausgeht. Neben einigen kleineren Vorkommnissen mit brennenden E-Autos sorgte im vergangenen Jahr vor allem der Brand auf dem Frachter „Felicity Ace“, der tausende Luxusautos von Porsche, Bentley und Audi an Bord hatte, international für Schlagzeilen. Schnell wurde berichtet, dass E-Autos für den Brand auf dem verunglückten Frachter verantwortlich seien.

Das ist aber auch bald ein Jahr nach dem Feuer und dem anschließenden Untergang des Frachtschiffs im Atlantik nicht nachweislich bestätigt. Dennoch kam das Thema kürzlich wieder auf, da eine erste Reederei in Europa E-Autos an Bord ihrer Schiffe verbot. Der Chef der Reederei Havila verteidigte diesen Schritt mit einem angeblich höheren Risiko beim Transport elektrischer Modelle. Gegenüber BW24 erklärte der VW-Konzern, zu dem unter anderem die Marken Porsche, Bentley und Audi gehören, dass von E-Autos grundsätzlich kein erhöhtes Gefahrenpotential ausgehe – auch nicht beim Transport via Schiff.

Volkswagen: Keine erhöhte Brandgefahr bei E-Autos – „Fahrzeuge sind unabhängig von Antriebart sicher“

Der VW-Konzern mit Hauptsitz in Wolfsburg ist nach Einnahmen der größte Autohersteller der Welt und wird auch bei den Auslieferungen lediglich von Toyota übertroffen. Demnach hat das Unternehmen bei der Auslieferung sowohl zu Land, als auch zu Wasser viel Erfahrung. Der Untergang der „Felicity Ace“ im Februar 2022 war für den Konzern und seine Marken zwar finanziell ein herber Rückschlag, dass von E-Autos eine besondere Gefahr ausgeht, sieht Volkswagen aber nicht. „Fahrzeuge sind unabhängig von ihrer Antriebsart sicher“, erklärte Dirk Ameer, Sprecher Litigation Communications & Incident Commmunications bei der Volkswagen AG gegenüber BW24. „Es besteht kein erhöhtes Gefahrenpotential von E-Fahrzeugen gegenüber konventionell angetriebenen Fahrzeugen, generell nicht und auch nicht beim Seetransport.“

Neuwagen des VW-Konzerns aus dem Werk in Emden (Niedersachsen) auf einem Autotransporter.
Laut dem VW-Konzern geht von elektrischen Fahrzeugen kein erhöhtes Gefahrenpotential aus. Auch beim Transport zu Land oder zu Wasser nicht (Symbolbild). © Jochen Tack/Imago

Beim Transport von Fahrzeugen würden ohnehin strenge Vorschriften und Qualitätskontrollen gelten, spezielle Vorschriften für elektrische Fahrzeuge gebe es aber nicht. „E-Fahrzeuge sind im Betrieb genauso wie beim Transport sicher“, machte Dirk Ameer deutlich. Beim Schiffstransport seien die Reedereien für die Einhaltung der Transportvorschriften zuständig, deren Einhaltung Volkswagen im Rahmen von Audits überprüfe. Unter einem Audit versteht man die systematische Überprüfung, ob ein Vorgang in seiner Definition und Umsetzung zuvor festgelegte Standards und Regelungen erfüllt. Volkswagen „arbeitet darüber hinaus eng mit Reedereien sowie nationalen und internationalen Organisationen zusammen, um weitere Verbesserungen der Sicherheit auf See zu erreichen.“

Feuerwehr kann noch seltene E-Auto-Brände ohne Probleme bekämpfen – „kommen gut zurecht“

Der Mythos, dass E-Autos häufiger und heftiger brennen als Fahrzeuge mit anderen Antrieben, hält sich auch deshalb, weil elektrische Fahrzeuge bei der Mobilitätswende im Fokus stehen und in Berichterstattungen deshalb eine besondere Rolle einnehmen. Im vergangenen Jahr demonstrierte AXA bei einem Crashtest in der Schweiz die angeblich hohe Brandgefahr von E-Autos. Kurze Zeit später musste die Versicherung unter großem Medienecho aber zugeben, den Brand eines Tesla-Modells inszeniert zu haben. Ob E-Autos häufiger brennen als Fahrzeuge mit anderen Antrieben, lässt sich statistisch schwer sagen, da elektrische Fahrzeuge aktuell auf den Straßen noch immer die Minderheit ausmachen – auch wenn sich das zunehmend ändert.

„Es kommt in Stuttgart immer wieder zu Pkw-Bränden, das ist keine Besonderheit“, sagte Daniel Anand, Pressesprecher der Feuerwehr Stuttgart unserer Redaktion. „E-Autos brennen aber nur sehr vereinzelt.“ Im vergangenen Jahr ging ein neues Tesla-Taxi in Flammen auf, der Fahrer will jedoch weiterhin auf E-Autos setzen. Dass E-Autos im Falle eines Feuers ein besonderes Risiko darstellen, wird auch immer wieder auf die große Herausforderung bei der Brandbekämpfung zurückgeführt. Auch beim Brand der „Felicity Ace“ bereiteten die E-Autos beim Löschen Probleme. Laut Anand kann die Feuerwehr Stuttgart E-Auto-Bränden mit den herkömmlichen Methoden aber sehr gut beikommen. „Wir benötigen vielleicht etwas mehr Wasser“, erklärte er. „Aber insgesamt kommen wir gut zurecht.“

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