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VW-Navi lotst E-Autos offenbar bevorzugt an die teuersten Ladestationen

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Von: Julian Baumann

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Bei der Inbetriebnahme eines Ionity E-Superschnell-Ladeparks stehen VW e-Golf an den Ladesäulen.
Das Navigationssystem von VW lotst die E-Autos offenbar bevorzugt an die schnellen, aber auch sehr teuren Ladestationen von Ionity. © Martin Schutt/dpa

Das Navigationssystem in E-Autos von VW lotst die Fahrer bevorzugt an Ladesäulen von Ionity. Dort ist der Strom allerdings besonders teuer.

Stuttgart/Wolfsburg - Mit dem immer stärker werdenden Vormarsch von E-Autos wächst auch die Anzahl an benötigten Ladesäulen für die Stromer. In Baden-Württemberg hat der Energiekonzern EnBW bereits ein umfassendes Ladenetz errichtet und US-Autobauer Tesla stellte die eigenen Supercharger auch in Deutschland zur Verfügung. Wer mit einem E-Auto unterwegs ist, sollte nicht nur die Akkukapazität im Auge behalten, sondern auch die Entfernung bis zum nächstgelegenen Ladepunkt.

Obwohl das Netzwerk an E-Ladesäulen immer weiter ausgebaut wird, ist das Ladenetz in Deutschland noch immer ein Trauerspiel. Damit man trotzdem nicht befürchten muss, irgendwann liegenzubleiben, zeigen sogenannte On-Board-Ladeplaner in den meisten E-Autos den effizientesten Weg zum nächstgelegenen Ladepunkt an. So auch das Navigationssystem der ID.5-Modelle von VW aus Wolfsburg. Laut dem Portal efahrer gibt es dabei allerdings einen potenziellen Nachteil. Das System lotst die Fahrer offenbar bevorzugt an Ladesäulen von Ionity, die besonders teuer sind.

VW-Routenplaner bevorzugt offenbar teure Schnellladesäulen von Ionity

Bei einem Fahrtest des neuen E-Autos ID.5 von VW fiel dem Portal efahrer auf, dass das Navigationssystem die Schnellladesäulen von Ionity nicht nur in die Planung mit einbezieht, sondern sogar bevorzugt ansteuert. Im System lassen sich zwar Parameter wie die Entfernung zur nächsten Ladesäule und die Dauer des Ladevorgangs ablesen, nach bestimmten Ladetarifen kann aber nicht gefiltert werden, weswegen Ionity immer mit eingeplant wird. Das in München ansässige Unternehmen wurde von mehreren Weltkonzernen der Autoindustrie gegründet - darunter die deutschen Traditionskonzerne Mercedes-Benz, BMW und VW mit den Tochter-Unternehmen Porsche und Audi, sowieso der US-Autobauer Ford.

Im Testbetrieb mit den ersten Ionity-Ladesäulen war das Laden von E-Autos bis September 2018 kostenlos. Seit Februar 2020 verwendet das Unternehmen in den meisten Ländern ein verbrauchsbasiertes Preismodell. Innerhalb Deutschlands gilt dieser Tarif laut efahrer als besonders teurer Vertreter. Im Ladedienst „We Charge“ von VW kostet das Laden eines E-Autos an den Ionity-Säulen 79 Cent pro Kilowattstunde. Das seien rund 30 Cent mehr, als VW an den DC-Ladesäulen anderer Anbieter verlangt. Im Tarif „We Charge Plus“ ist das Laden an Ionity-Säulen mit 35 Cent pro Kilowattstunde zwar günstiger, dafür fällt aber eine monatliche Grundgebühr von rund 13 Euro an.

Mercedes-Benz bietet vergünstigtes Laden an den Ionity-Säulen an - mit einer Jahresgebühr

Dass das VW-Navigationssystem die Ionity-Säulen bevorzugt, könnte daran liegen, dass der Konzern selbst an der Gründung des Ladenetzwerkes beteiligt war. Oder einfach daran, dass die Ionity-Ladepunkte günstig entlang der deutschen Autobahnen verteilt sind. Zwar hält einen E-Autofahrer nichts davon ab, seinen VW ID.5 an günstigeren Ladesäulen von anderen Anbietern aufzuladen, das würde aber das neue Navigationssystem von VW obsolet machen.

Mercedes-Benz bietet über Mercedes me Charge ein vergünstigtes Schnellladen an den Ionity-Ladesäulen an, das sich aber wohl nur für Vielfahrer eignet. Laut einer Übersichtsseite des Autokonzerns aus Stuttgart kostet das Laden ohne Vergünstigung in Deutschland und Österreich 79 Cent pro Kilowattstunde. Mit der Vergünstigung kostet das Laden an den Säulen dagegen nur noch 29 Cent, dafür muss aber Mercedes me Charge gekauft und aktiviert sein. Das kostet laut der Seite derzeit 156 Euro pro Jahr, was dem monatlichen Tarif von 13 Euro bei „We Charge Plus“ von VW entspricht.

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